Großauftrag 05.05.2026, 17:00 Uhr

iX5 Hydrogen: Woher BMWs Wasserstoff kommt – und was das über die Branche sagt

Für die Entwicklung des iX5 Hydrogen bezieht BMW Wasserstoff von Europas größtem RFNBO-Produzenten. Der befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Umbau.

Testfahrt eines iX5 Hydrogen

Testfahrt eines iX5 Hydrogen im September 2025.

Foto: Fabian Kirchbauer/BMW Group

Am 15. April 2026 hat Lhyfe die Mehrheit an seinem 800-MW-Projekt in Lubmin verkauft, dem strategisch wichtigsten deutschen Vorhaben des französischen Wasserstoffproduzenten. Zwei Wochen später meldet das Unternehmen einen neuen Großkunden: BMW.

Geliefert wird grüner Wasserstoff in das oberösterreichische Werk Steyr, wo der Münchner Konzern derzeit die dritte Generation seines Brennstoffzellensystems entwickelt. Ab 2028 soll die Technik im Serienmodell BMW iX5 Hydrogen zum Einsatz kommen. Der Wasserstoff fließt zunächst nicht in die spätere Serienproduktion, sondern in Test- und Validierungsläufe. Geliefert wird er von einem Unternehmen, das sich gerade neu sortiert.

Mehrjahresvertrag für die Brennstoffzellen-Entwicklung

Der Vertrag umfasst die Lieferung von Wasserstoff für die Serienentwicklung, die Industrialisierung sowie den Test- und Validierungsbetrieb von BMWs Brennstoffzellen. Geliefert wird per Tanksattelzug aus den vier europäischen Produktionsstandorten von Lhyfe; für Österreich ist es die erste Lieferung des Unternehmens überhaupt.

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In Steyr läuft seit November 2025 das mit 273 Mio. € geförderte BMW-Projekt HyPowerDrive. Ziel ist die Industrialisierung der dritten Brennstoffzellengeneration, die BMW gemeinsam mit Toyota entwickelt hat. Sie soll rund 25 % kompakter ausfallen als die Vorgänger und im iX5 Hydrogen mit dem neuen Flachtank-Konzept kombiniert werden. Bevor die Serienfertigung anläuft, müssen die Systeme jedoch in tausenden Prüfstandsstunden validiert werden. Hier kommt Lhyfe ins Spiel.

Wer Lhyfe ist

Lhyfe-CEO Matthieu Guesné nannte den Auftrag bei einem Pressetermin am 4. Mai 2026 eine „besondere Anerkennung“ – sowohl der eigenen Expertise als auch der Lieferzuverlässigkeit gegenüber einem industriellen Großkunden.

Das ist nicht nur PR. Lhyfe gehört zu den wenigen europäischen Anbietern, die sowohl produzieren als auch transportieren: Vier Elektrolyse-Standorte in Frankreich und Deutschland mit zusammen bis zu 8,5 t Tageskapazität, dazu eine Flotte von rund 70 Tube-Trailern. 2025 lieferte Lhyfe nach eigenen Angaben mehr als 850 Mal an rund 60 Kunden aus. Alle Standorte sind RFNBO-zertifiziert; das ist die Voraussetzung dafür, dass der Wasserstoff in der EU als emissionsmindernd gilt.

Im Oktober 2025 hatte Lhyfe-Deutschlandchef Luc Graré im Gespräch mit ingenieur.de erklärt, dass rund ein Viertel des produzierten Wasserstoffs an Forschungszentren und Brennstoffzellenhersteller geht. Der Steyr-Auftrag passt also perfekt in das bestehende Geschäftsmodell.

Lhyfe-Tankwagen am Standort der BMW Group in Steyr.
Lhyfe-Tankwagen am Standort der BMW Group in Steyr. Foto: BMW Group

Ein Unternehmen im Umbau

Nichtsdestotrotz durchläuft das Unternehmen gerade eine wichtige Transformation. Auf der Pressekonferenz am 4. Mai legte Guesné die Tiefe des Schnitts offen: Von ursprünglich 55 aktiven Projekten verfolgt Lhyfe nur noch rund zwölf prioritär. Die Belegschaft wurde Ende 2025 und Anfang 2026 um etwa ein Drittel reduziert. In Spanien stoppte das Unternehmen seine Großprojekte, in Schweden das 300-MW-Vorhaben am Standort Hunger.

Das neue Selbstverständnis: nicht mehr Pionier sein, sondern „early follower“. Lhyfe will nur noch dort entwickeln, wo regulatorisch klare Bedingungen herrschen. Die deutlichste Konsequenz dieser Linie zeigte sich erst vor wenigen Wochen: Lhyfe verkaufte die Mehrheit an seinem 800-MW-Projekt am Hub Lubmin an die Berliner PtX Development und den Asset-Manager KGAL. Das Unternehmen zog sich damit zumindest teilweise aus seinem größten deutschen Vorhaben zurück.

In den kommenden 12 bis 18 Monaten will Lhyfe die finale Investitionsentscheidung für vier Vorhaben treffen:

  • zwei 10-MW-Standorte im schwedischen Vaggeryd und Jordberga,
  • einen 50-MW-Elektrolyseur im englischen Kemsley
  • und das größte Vorhaben Green Horizon in der Normandie mit 100 MW neben dem Yara-Düngemittelwerk.

Was auffällt: Deutschland steht nicht auf der Liste.

Was der Steyr-Auftrag bedeutet

Für Tests und Entwicklungsprozesse benötigt das Werk in Steyr überschaubare Wasserstoffmengen, die über einen längeren Zeitraum hinweg geliefert werden. Bei dem Vertrag handelt es sich also nicht um ein Volumengeschäft. Strategisch ist der Deal für Lhyfe trotzdem wertvoll: Ein Kunde wie BMW senkt die Eintrittsschwelle für weitere Automotive-Aufträge.

Zudem macht der Vertrag sichtbar, wo Lhyfe aktuell steht: Spektakuläre Gigawatt-Hubs wie Lubmin rücken in den Hintergrund und Bulk-Lieferungen per Trailer (statt Pipeline) an Industriekunden mit klaren RFNBO-Anforderungen in den Vordergrund.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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