Wasserstoff aus Abfallverwertung 22.09.2017, 12:30 Uhr

In Oxford fährt erster Müllwagen mit Wasserstoffantrieb

In Oxford wird seit Anfang September der erste privatwirtschaftlich betriebene Müllwagen eingesetzt, der über einen Wasserstoffantrieb verfügt. Öffentliche Unternehmen experimentieren in Großbritannien schon seit einiger Zeit mit dieser Antriebsform. Nach Einschätzung der Hersteller ist die Technik inzwischen marktreif, so dass sie nun zur nachhaltigen Reduzierung der Emissionen von Nutzfahrzeugen angeboten werden kann.

Für Grundon hat UlemCo einen Müllwagen des Lastkraftwagenherstellers DAF auf Wasserstoffantrieb umgerüstet.

Für Grundon hat UlemCo einen Müllwagen des Lastkraftwagenherstellers DAF auf Wasserstoffantrieb umgerüstet.

Foto: Grundon

Für das britische Abfallmanagement-Unternehmen Grundon, das besonders um Umweltfreundlichkeit in der Müllabfuhr wie auch in der Müllverwertung bemüht ist, wurde der erste kommerzielle Wasserstoff-Müllwagen von UlemCo aus Liverpool umgerüstet. UlemCo experimentiert schon seit längerem – vornehmlich für öffentliche Auftraggeber ­– mit wasserstoffgetriebenen Liefer- und Lastwagen, Spezialfahrzeugen und auch Booten.

Angewandte Technik stammt von UlemCo Ltd.

Für Grundon hat UlemCo einen Müllwagen des Lastkraftwagenherstellers DAF auf Wasserstoffantrieb umgerüstet. Dabei ist seitlich in das Fahrzeug ein Wasserstofftank mit einem Fassungsvermögen von zehn Kilogramm eingebaut worden. Der Motor ist so umgestellt worden, dass er sowohl mit Wasserstoff wie auch mit Dieselöl betrieben werden kann. Wie UlemCo-Chefin Amanda Lyne betont, ist die Umstellung des Fahrzeugs auf den neuen Antrieb so einfach gewesen, dass UlemCo „nun in der Lage ist, auch größere Fahrzeugzahlen kosteneffektiv umzurüsten”.

Keine Verringerung der Reichweite und der Nutzlast

Wie UlemCo betont, bedeutet die Umstellung von Müllwagen auf Wasserstoffantrieb keine Reduzierung der Reichweite je Tankfüllung und auch keine Verringerung der Nutzlast. Durch den Wasserstoffantrieb wird die gesamte Umweltbelastung durch den jeweiligen Müllwagen um 70 Prozent reduziert. Dabei wird in erster Linie die CO2-Belastung drastisch vermindert, da Wasserstoff ohne Freisetzung von jeglichem CO2 das Fahrzeug antreibt.

UlemCo rüstet kleine und große konventionelle Fahrzeuge mit einem Wasserstoffantrieb aus. 

UlemCo rüstet kleine und große konventionelle Fahrzeuge mit einem Wasserstoffantrieb aus.

Quelle: UlemCo

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Die Verwendbarkeit des mit Wasserstoff betriebenen Müllfahrzeugs auch außerhalb seines normalen Einsatzgebietes mit geregelter Wasserstoff-Versorgung profitiert dabei stark davon, dass das Fahrzeug erforderlichenfalls auch mit Dieselöl betrieben werden kann, wenn kein Wasserstoff verfügbar ist.

Grundon strebt nach eigenständigem „Wasserstoff-Kreislauf“

Der Müllentsorger arbeitet daran, bei der Müllverwertung soviel Wasserstoff gewinnen zu können, dass sich damit der Bedarf des Unternehmens für den Betrieb einer künftigen größeren Flotte von umgerüsteten Müllfahrzeugen voll decken lässt.

Der Logistik-Manager von Grundon, John Stephens, sieht in dieser Wasserstoffnutzung zwei Hauptvorteile: Das ist zum einen die drastische Verringerung der Umweltbelastung und zum zweiten eine erhebliche Senkung der Kraftstoffkosten durch die eigenständige Wasserstoffgewinnung. Zu letzterem trägt ganz wesentlich bei, dass Grundon nicht auf eine Wasserstoff-Versorgungsinfrastruktur angewiesen ist, weil das Unternehmen den Kraftstoff für den Fahrzeugbetrieb im eigenen Hause produzieren kann.

Die Straßenbahn des chinesischen Herstellers Qingdao Sifang fährt mit einem Wasserstoffantrieb. Als einziges Abgas produziert sie harmlosen Wasserdampf.

Die Straßenbahn des chinesischen Herstellers Qingdao Sifang fährt mit einem Wasserstoffantrieb. Als einziges Abgas produziert sie harmlosen Wasserdampf.

Quelle: Qingdao Sifang

In der ostchinesischen Hafenstadt Qingdao ist im März 2015 die welterste Straßenbahn vom Band gelaufen, die mit Wasserstoff betrieben wird. Sie lässt sich in drei Minuten betanken und kann dann 100 Kilometer weit fahren. Ein Lichtblick für die Luftqualität in chinesischen Städten.

Der Wasserstoff-Truck von Toyota: Die Brennstoffzellen sind in dem blauen Kasten direkt hinter dem Führerhaus untergebracht. 

Der Wasserstoff-Truck von Toyota: Die Brennstoffzellen sind in dem blauen Kasten direkt hinter dem Führerhaus untergebracht.

Quelle: Toyota

Toyota hat im April 2017 einen Lkw mit Wasserstoffantrieb vorgestellt. Seinen Praxistest soll der emissionsfreie Elektro-Truck in den Häfen von Los Angeles absolvieren. „Project Portal“ nennen die Japaner ihren Vorstoß.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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