E-Busse aus China 29.12.2025, 21:51 Uhr

DB-Deal mit BYD: Rollen bald Sicherheitsrisiken durch die Stadt?

Die Deutsche Bahn kauft E-Busse beim chinesischen Riesen BYD. Experten warnen vor Sabotage-Risiken. Ist unser Nahverkehr sicher?

E-Bus von DB-Regio

DB Regio bestellt knapp 200 Elektrobusse beim chinesischen Unternehmen BYD. Wie groß ist die Gefahr, dass China Zugriff auf den deutschen Nahverkehr erhält?

Foto: Deutsche Bahn AG / Stefan Wildhirt

Die Deutsche Bahn modernisiert ihre Busflotte mit über 3000 neuen Fahrzeugen. Während der Großteil vom Münchner Hersteller MAN stammt, geht ein Teilauftrag an den chinesischen Marktführer BYD. Dies löst eine hitzige Debatte über die Sicherheit kritischer Infrastruktur aus. Fachleute warnen vor theoretischen Möglichkeiten der Fernsteuerung und Sabotage. Die Bahn und BYD weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf strenge Sicherheitsvorgaben und europäische Regulierungen.

Ein Milliarden-Auftrag mit politischem Beigeschmack

Die Deutsche Bahn bereitet sich auf eine umfassende Modernisierung ihrer Flotte vor. Insgesamt geht es um mehr als 3.300 neue Busse. Der finanzielle Rahmen für dieses Vorhaben liegt bei über einer Milliarde Euro. Den Löwenanteil des Auftrags sicherte sich der Münchner Hersteller MAN. Etwa 95 % der Fahrzeuge kommen aus deutscher Produktion. Dennoch ziehen die restlichen 5 % das Interesse der Öffentlichkeit auf sich. Diese E-Überlandbusse liefert BYD aus seinem Werk in Ungarn.

Dieser Deal erfolgt in einer Zeit, in der Deutschland seine Abhängigkeit von China eigentlich verringern möchte. Die offizielle China-Strategie der Bundesregierung stuft das Land nicht nur als Partner, sondern auch als systemischen Rivalen ein. Besonders der Schutz der Verkehrsinfrastruktur genießt darin eine hohe Priorität. Die geplante Beschaffung steht dazu in einem Spannungsfeld.

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Die Angst vor dem „Kill-Switch“

Die Bedenken sind technischer Natur. Moderne Busse sind heute rollende Computer. Sie sind permanent vernetzt und senden Daten an die Hersteller. Politiker befürchten, dass China diese Verbindung nutzen könnte, um Flotten aus der Ferne lahmzulegen. Konstantin von Notz, Grünen-Fraktionsvize, äußert sich dazu gegenüber Ippen.Media deutlich: „Eine weitreichende Manipulation kritischer Verkehrsinfrastruktur und das Abschalten ganzer Flotten aus der Ferne“ bereite ihm Sorgen.

Auch aus der Union kommt scharfe Kritik. Roderich Kiesewetter (CDU) sieht „erhebliche Sicherheitsrisiken bei chinesischen Herstellern“ (Roderich Kiesewetter, Statement gegenüber der Redaktion). Er warnt vor der Anfälligkeit für Spionage und Sabotage. Der ÖPNV müsse als Teil der kritischen Dienstleistungen besonders geschützt werden. Wirtschaftspolitisch hält er es zudem für klüger, Aufträge an europäische Firmen zu vergeben.

Was technisch möglich ist

Die Frage nach der technischen Machbarkeit einer Fernabschaltung bejahen Fachleute. Sebastian Gahm von der Hochschule Karlsruhe forscht zu Angriffen auf automatisierte Fahrzeuge. Er erklärt, dass Hersteller ein berechtigtes Interesse an einem Fernzugriff haben.

Dieser dient der Wartung, Diagnose oder dem Flottenmanagement. „Ein Fahrzeughersteller besitzt dabei ein berechtigtes betriebliches Interesse an autorisiertem Fernzugriff, etwa für Diagnose, Wartung, Flottenmanagement oder Softwareaktualisierungen“, sagt Gahm gegenüber dem Münchner Merkur. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass ein Hersteller theoretisch verhindern kann, dass ein Fahrzeug nach einem Software-Update wieder startet.

Over-the-Air-Updates sind Industriestandard

Solche „Over-the-Air-Updates“ (OTA) sind Industriestandard. Der Informatiker Sahin Albayrak von der TU Berlin betont, dass man die Kommunikationsschnittstellen zwar schließen könnte. Dies sei jedoch bei großen Flotten kaum praktikabel, da Wartungen dann manuell am Steuerrechner erfolgen müssten.

In Norwegen gab es bereits ähnliche Untersuchungen. Die Verkehrsbetriebe in Oslo ließen Busse des chinesischen Herstellers Yutong prüfen. Das Ergebnis der dortigen Behörden: „Dieser Bus könnte vom Hersteller gestoppt oder unbrauchbar gemacht werden“. Wirtschaftspolitisch hält er es zudem für klüger, Aufträge an europäische Firmen zu vergebe.

Reaktion der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn sieht keinen Grund zur Sorge. Sie betont, dass alle Fahrzeuge die geltenden Zulassungs- und Sicherheitsvorgaben für Deutschland erfüllen. „Die Busse erfüllen alle geltenden Zulassungs- und Sicherheitsanforderungen, um diese in Deutschland betreiben zu können“, so das Unternehmen.

Man habe bei der Vergabe neben den Kosten auch auf die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus und CSR-Standards (gesellschaftliche Verantwortung) geachtet.

BYD weist Vorwürfe zurück

BYD selbst weist die Vorwürfe der Fernsteuerung zurück. „BYD verfügt nicht über die Möglichkeit, Fahrzeuge fernzusteuern. Wir können Over-the-Air-Updates für die Fahrzeugsoftware durchführen. Dieser Vorgang wird streng gemäß der Verordnung R156 durchgeführt und erfordert vor der Ausführung die Zustimmung des Kunden“, erklärt der Hersteller. Die genannte UN-Verordnung R156 regelt die Cybersicherheit und Software-Updates für Fahrzeuge weltweit.

Strategische Abhängigkeit oder notwendiger Wettbewerb?

BYD ist längst kein kleiner Akteur mehr. Das Unternehmen aus Shenzhen ist der weltweit größte Produzent von Elektrofahrzeugen. In Deutschland ist der Marktanteil bei PKW mit rund 1,6 % noch gering, doch bei Plug-in-Hybriden belegt die Marke bereits Spitzenplätze. Ein absichtliches Lahmlegen deutscher Busse würde den wirtschaftlichen Erfolg des Konzerns massiv gefährden.

Dennoch bleibt die politische Komponente. In China unterstehen Unternehmen indirekt der Kontrolle der Kommunistischen Partei. Kritische Entscheidungen können von staatlicher Seite beeinflusst werden. Die Debatte erinnert an den Ausschluss von Huawei-Komponenten aus dem 5G-Netz oder die Diskussion um chinesische Windkraftanlagen vor Borkum.

Die Linke im Bundestag kritisiert die Debatte als „heuchlerisch“. Verkehrssprecher Luigi Pantisano sieht die Schuld bei der Bundesregierung: „Die Deutsche Bahn wird gezwungen, bei ausländischen Herstellern zu kaufen, weil die Bundesregierung es versäumt hat, eine wettbewerbsfähige Mobilitätsindustrie in Deutschland aufzubauen“

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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