Neues Instrument gegen die Krise 30.10.2025, 17:00 Uhr

Chipmangel: Bundeskartellamt erlaubt Halbleiter-Börse

Die Halbleiter-Börse kann an den Start gehen. Das Bundeskartellamt gab heute grünes Licht für die Idee des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Idee: eine Informationsplattform für Halbleiter-Chips, um Engpässe und Produktionsstopps in der Automobilindustrie zu verhindern.

Mikrochip in einem Motherbord eingebettet

Mit der Idee einer Halbleiter-Börse will der Branchenverband VDA die Automobilhersteller und -zulieferer in der Krise unterstützen.

Foto: smarterPix / crstrbrt

Nachdem Anfang Oktober ein Weckruf durch die Automobilbranche ging, war innerhalb weniger Wochen ein Lösungsansatz gefunden: Der Chiphersteller Nexperia meldete, den Bedarf der Automobilbranche nicht mehr gänzlich decken zu können. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) will mit einer Informationsbörse für Restbestände den Versorgungsengpässen bei Halbleitern in der Automobilindustrie begegnen.

Die Börse soll Herstellern und Zulieferern ermöglichen, ihre Bestände an Halbleitern unkompliziert zu kommunizieren und gezielt anzubieten. Eine wichtige Hürde ist nun auch überwunden: Das Bundeskartellamt hat aktuell keine Einwände gegen die geplante Halbleiter-Börse, die darauf abzielt, den Chipmangel in der europäischen Automobilindustrie zu entschärfen.

Halbleiter-Börse gegen Chipmangel: Restbestände sichern Fertigung

Das Unternehmen Nexperia ist weltweit ein bedeutender Lieferant von Halbleitern. Die Produkte kommen in zahlreichen Steuergeräten von Fahrzeugen und weiteren Branchen zum Einsatz. Der drohende Lieferstopp ausgerechnet dieser Chips macht die Halbleiter-Börse für die Automobilindustrie besonders relevant.

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Für die Automobilindustrie können solche ernsthaften Engpässe drastische Einbußen bedeuten. Im schlimmsten Fall drohen sogar Produktionsstopps, sofern die Versorgungslücke nicht rasch geschlossen werden kann. Und genau dafür soll jetzt die Halbleiter-Börse sorgen.

Plattform gegen Chipmangel als temporäre Lösung

Hersteller und Zulieferer haben ein gemeinsames Interesse, ihre nicht genutzten Halbleiter-Chips so zu verteilen, dass die Produktion von Fahrzeugen möglichst lange gesichert bleibt. Der VDA unterstützt die Branche dabei, negative Folgen aufzufangen und den Chipmangel durch die Halbleiter-Börse bestmöglich zu überbrücken.

Um Produktionsausfälle zu verhindern, wird die Halbleiter-Börse gegen Chipmangel als zeitlich befristete Informationsplattform konzipiert. Über eine neutrale Stelle können verfügbare Nexperia-Chips angeboten und gesucht werden; die Maßnahme ist auf maximal sechs Monate angesetzt und soll den Unternehmen schnelle Hilfe bieten.

Bundeskartellamt gibt grünes Licht für Halbleiter-Börse

Der VDA informierte das Bundeskartellamt frühzeitig über das Vorhaben. Kartellrechtlicher Bestimmungen stehen für alle Beteiligten an oberster Stelle. „Die Beachtung kartellrechtlicher Vorgaben hat für den VDA und seine Mitglieder höchste Priorität“, betont Hildegard Müller, Präsidentin des VDA.

Das Bundeskartellamt hat die Notwendigkeit einer neutralen Organisation für die Plattform ebenfalls erkannt. „Die geplante Informationsbörse kann dazu beitragen, die Warenverteilung in der sich abzeichnenden Knappheitssituation zu verbessern und Produktionseinschränkungen so weit wie möglich hinauszuschieben“, erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts.

Neutraler Betrieb der Halbleiter-Börse als Kartellvorgabe

Entscheidend war für das Kartellamt, dass der faire Wettbewerb erhalten bleibt. Und das sahen die Entscheider als gegeben an, da es sich um eine reine Informationsbörse handle. So bliebe die Tatsache, dass Zulieferer und Hersteller in der Automobilindustrie auch weiterhin im Wettbewerb stünden, wenn es um die Beschaffung von Halbleitern geht. Damit sei ein transparenter und gerechter Austausch der Halbleiter-Chips auf jeden Fall gewährleistet.

Nach Einschätzung der Kartellbehörde spricht die konkrete Ausgestaltung der Halbleiter-Börse für Transparenz und Neutralität. Angebote werden anonym eingespeist, ohne Preisangaben. Interessenbekundungen laufen bilateral, direkte Verhandlungen finden außerhalb der Plattform statt.

Vorteile für Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher

Durch die Halbleiter-Börse profitieren nicht nur Zulieferer und Hersteller, sondern auch die Kundinnen und Kunden. Die Plattform trägt dazu bei, Produktionseinschränkungen hinauszuzögern, Lieferketten zu stabilisieren und letztlich eine bessere Versorgung für Endverbraucherinnen und -verbraucher sicherzustellen.

Die VDA-Präsidentin teilt mit, dass die Vorbereitungen für die Informationsbörse weitgehend abgeschlossen sind. Damit ist der Weg frei für den Start der Halbleiter-Börse als Unterstützung gegen den Chip-Mangel. Die Unternehmen können dann wohl bald schon auf die Plattform zugreifen.

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