CAM-Studie 24.04.2025, 10:30 Uhr

Chinas E-Automarkt wächst – deutsche Autobauer profitieren nicht

Chinesische Autobauer fahren auf dem heimischen Markt allen anderen davon. Und: Über die Hälfte aller Neuzulassungen sind bereits Elektrofahrzeuge.

Chinesische Auto

Die E-Mobilität auf dem chinesischen Markt boomt. Dabei profitieren vor allem die Chinesen, die deutschen Autobauer fahren hinterher.

Foto: PantherMedia / stadtratte

Der chinesische Automarkt wächst – getrieben von Elektrofahrzeugen. Während lokale Hersteller wie BYD, Geely und Changan Marktanteile gewinnen, verlieren internationale Marken, darunter auch deutsche Autobauer. Besonders im Segment der Elektromobilität bleiben VW, BMW und Mercedes weit hinter der Konkurrenz zurück.

Die Gründe liegen unter anderem in der schnellen Innovationskraft der chinesischen Unternehmen, der Anpassung an lokale Bedürfnisse und einem harten Preiskampf. Eine Konsolidierungswelle scheint absehbar. Das sind die Ergebnisse eine Studie zum chinesischen Automarkt des Center of Automotive Management (CAM).

Chinas Autokonjunktur zeigt sich robust

Der Automarkt in China zeigt auch 2025 eine klare Richtung: Wachstum. Im ersten Quartal wurden dort 5,127 Millionen Fahrzeuge verkauft – ein Anstieg um 6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Während der klassische Verbrennungsmotor an Bedeutung verliert, gewinnen Elektrofahrzeuge, sogenannte „New Energy Vehicles“ (NEV), massiv an Marktanteil. Im März lag ihr Anteil bereits bei 51 % aller Neuzulassungen. Damit dominieren Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb erstmals den chinesischen Neuwagenmarkt.

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Elektrofahrzeuge auf der Überholspur

Der Antrieb für das Wachstum kommt klar aus dem NEV-Sektor. Elektroautos und Plug-in-Hybride legen im Vergleich zum Vorjahr um 36,4 % zu. Klassische Verbrenner verlieren im selben Zeitraum 11,8 % ihres Absatzvolumens. Ein deutlicher Hinweis darauf, wohin die Reise geht – sowohl für Konsumierende als auch für Hersteller.

Zwei Entwicklungen sind besonders auffällig: Die Dominanz von BYD und das starke Wachstum anderer chinesischer Marken wie Geely, Changan und Chery. Studienleiter Stefan Bratzel vom CAM sagt: „Der chinesische Automobilmarkt hat sich mit rasanter Geschwindigkeit zu einem Elektromobilitätsmarkt entwickelt, der wesentlich von den einheimischen Herstellern getrieben wurde.“

BYD bleibt Branchenprimus

BYD ist derzeit der erfolgreichste Automobilhersteller im chinesischen Markt. Das Unternehmen konnte seinen Marktanteil von 3,5 % im Jahr 2021 auf 16,2 % im Jahr 2024 steigern. Im ersten Quartal 2025 lag der Anteil bei 13,6 %. Trotz eines leichten Rückgangs bleibt BYD damit klarer Marktführer. Besonders im Bereich der Elektrofahrzeuge zeigt sich die Stärke des Konzerns: Im Jahr 2024 lag der NEV-Marktanteil bei 34,1 %, im ersten Quartal 2025 immerhin noch bei 28,8 %.

Geely hat sich im ersten Quartal 2025 mit 12 % Marktanteil fast auf Augenhöhe mit Volkswagen positioniert, die bei 12,1 % stagnieren. Noch 2021 lag Geely bei rund 6–7 %. Besonders im NEV-Bereich wächst Geely dynamisch: Von 2,4 % im Jahr 2021 auf 13,3 % im Q1 2025.

Auch Changan und Chery verzeichnen Zuwächse. Changan hält sich stabil bei rund 6,1 %, Chery steigt von 4,1 % (2021) auf 6,6 % im Q1 2025. Diese Marken profitieren vor allem von ihrem Fokus auf den heimischen Markt, ihrer Preispolitik und ihrer Fähigkeit, Technologien schnell umzusetzen.

Deutsche Hersteller verlieren Marktanteile

Deutsche Automarken wie Volkswagen, BMW und Mercedes haben Schwierigkeiten, auf dem chinesischen Markt mitzuhalten. VW konnte seinen Gesamtmarktanteil von 2021 bis Anfang 2025 nur leicht von 14,4 % auf 12,1 % halten. Im NEV-Segment liegt Volkswagen jedoch nur bei 2,0 % (2024). BMW kommt im ersten Quartal 2025 auf 3,0 %, Mercedes auf 2,7 % (2024). Ihre Marktanteile im Elektromobilitätsbereich sind mit 0,9 % bzw. 0,5 % verschwindend gering.

Stefan Bratzel stellt fest: „Die ausländischen Hersteller haben diese Entwicklung sowie die Innovationsstärke der chinesischen Automobilhersteller massiv unterschätzt.“ Dabei baut Volkswagen sogar speziell Autos für den chinesischen Markt. Gerade hat der Konzern auf der Shanghai Auto drei Modelle mit besonderer Designsprache vorgestellt. Bis Ende 2027 will Volkswagen in China 30 neue Modelle (davon 20 NEV) auf den Markt bringen.

Selbst Tesla verliert an Boden. Von 9,7 % Marktanteil (2021) fiel das Unternehmen auf 5,6 % im Q1 2025 zurück. General Motors verzeichnete einen noch drastischeren Rückgang: Von 6,3 % (2021) sank der Anteil auf nur noch 2,3 % im Jahr 2024. Für 2025 liegen keine Zahlen vor. Der Rückgang zeigt: Selbst international starke Marken haben es schwer, sich gegen lokale Anbieter zu behaupten.

Gründe für den Erfolg chinesischer Marken

Der Erfolg chinesischer Hersteller liegt nicht allein im Produkt, sondern in ihrer strategischen Ausrichtung. Sie setzen auf lokale Bedürfnisse, entwickeln schneller neue Modelle und treiben technologische Entwicklungen konsequent voran. Zudem sind sie bereit, aggressive Preismodelle durchzusetzen, um Marktanteile zu gewinnen.

„Die Stärke der lokalen Marken beruht nicht nur auf attraktiven Produkten, sondern auch auf ihrer Fähigkeit, neue Technologien schnell in marktfähige Fahrzeuge umzusetzen“, so Bratzel.

Zudem führen Überkapazitäten von bis zu 50 % im Produktionsbereich zu einem intensiven Wettbewerb. Der Preisdruck ist hoch. Eine Konsolidierung des Marktes wird erwartet, bei der sich langfristig nur die stärksten Anbieter durchsetzen dürften.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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