Designwechsel? 11.04.2025, 13:00 Uhr

2D statt 3D? Was hat es mit dem neuen Logo von Mercedes auf sich?

Mercedes-Benz zeigt seinen berühmten Stern ab sofort im 2D-Look – digital flach, analog glänzend. Was hinter dem Designwechsel steckt.

Logos von Mercedes-Benz

Mercedes-Benz hat neben dem 3D-Logo noch eine 2D-Variante des Sterns eingeführt. Sie soll insbesondere bei Druckprodukten und digitalen Anwendungen zum Einsatz kommen. Foto Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz hat sein Logo überarbeitet und setzt digital nun auf eine zweidimensionale Version des bekannten Sterns. Das neue Design wirkt klarer, moderner und soll besser zu digitalen Formaten passen. Auf Fahrzeugen und im realen Raum bleibt das klassische 3D-Logo bestehen. Die Geschichte des Mercedes-Sterns reicht über 100 Jahre zurück – und wird nun um ein neues Kapitel ergänzt.

Ein Stern zeigt Kante – ganz ohne Glanz

Mercedes-Benz verändert seinen Markenauftritt – still und leise. Ohne Pressemitteilung, ohne große Inszenierung. Wer genau hinsieht, entdeckt seit Februar 2025 ein neues, flaches Logo auf Briefpapier, in E-Mails und auf Social Media. Der berühmte Mercedes-Stern ist geblieben, doch er erscheint nun nicht mehr in glänzendem 3D-Silber, sondern schlicht in Weiß oder Schwarz – je nach Hintergrund.

Das neue Design wirkt reduziert, schnörkellos und betont flach. Kein Schatten, kein Rahmen, kein metallischer Glanz. Der Konzern nennt das „zeitgemäß“ und „unverwechselbar“. Damit reagiert Mercedes auf veränderte Sehgewohnheiten im digitalen Raum. Während klassische Werbemittel und analoge Medien weiterhin das alte, plastische Emblem zeigen dürfen, flimmert digital ab sofort der schlichte Stern über die Bildschirme.

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Warum Mercedes sein Logo entschlackt

Warum wurde das Logo entschlackt, eine offizielle Pressemitteilung dazu gibt es nicht. Die Pressesprecherin von Mercedes-Benz, Sezin Durmus, hat auf Nachfrage, ingenieur.de einige Gründe genannt: „Hauptziel unseres Corporate-Design-Updates ist Vereinfachung. Bis dato waren es über 20 verschiedene Versionen des Mercedes-Benz Sterns für unterschiedliche Anwendungsfälle“.

Das 2D-Logo wird insbesondere für Print- und Digitale Medien genutzt, auf den Fahrzeugen und architektonischen Elementen bei Veranstaltungen und Messen wird die 3D-Variante jedoch weiterhin präsent sein, betont die Pressesprecherin extra. „Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt verpassen wir unserem Corporate Design ein größeres Update. Das Ziel: weniger Schwarz, mehr Flexibilität, Vereinfachung“, so Sezin Durmus.

Durmus weiter: „Die Geschichte unseres zentralen Markensymbols geht in ein neues Kapitel, ist zeitgemäßer und bleibt weiterhin unverkennbar Mercedes-Benz. Der neue Stern in 2D wird sukzessive an allen Touchpoints der Marke Mercedes-Benz sowie der Mercedes-Benz Group etabliert“.

Der neue Stern wirkt nicht nur optisch anders – er transportiert auch eine neue Haltung. „Weniger Zierrat, mehr Aussage“, sagen die Designer. Der Stern steht jetzt allein – und doch für vieles: Geschichte, Qualität, Zukunft. In seiner 2D-Form funktioniert er ohne Hintergrund. Er behauptet sich allein durch Kontrast. Weiß auf Schwarz. Schwarz auf Weiß. Mehr braucht es nicht.

Kein Neuland für den Stern

Der Schritt zurück zur Zweidimensionalität ist nicht neu für den Stuttgarter Autobauer. Bereits 2007 experimentierte Mercedes mit einem weißen Logo. Die damalige Version verschwand jedoch 2010 wieder aus der Öffentlichkeit. Der damalige Vorstandschef Dieter Zetsche empfand die minimalistische Darstellung als zu zurückhaltend. Der glänzende, silberne Stern feierte daraufhin sein Comeback.

Jetzt, rund 15 Jahre später, ist die flache Variante wieder da – offenbar mit mehr Rückhalt in der Unternehmensführung. Doch das alte Emblem hat, wie bereits geschrieben, weiterhin seinen Platz: Auf Fahrzeugen, Messeständen oder vor Werkstoren bleibt es dreidimensional und glänzend. Die Markenidentität soll nicht ersetzt, sondern erweitert werden.

Die Idee hinter dem Stern

Der Mercedes-Stern hat eine lange Geschichte. Seine Form ist kein Zufall, sondern geht auf eine Idee von Gottlieb Daimler zurück. Der Ingenieur wollte seine Motoren nicht nur auf Straßen, sondern auch auf dem Wasser und in der Luft sehen. Die drei Zacken des Sterns stehen für diese drei Elemente: Land, Wasser und Luft.

1909 beantragten Paul und Adolf Daimler – die Söhne des Firmengründers – den Schutz für dieses Symbol. Eine Postkarte, auf der ihr Vater das Wohnhaus der Familie mit einem Stern markierte, lieferte die Inspiration. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) ließ sowohl einen dreizackigen als auch einen vierzackigen Stern eintragen. Letzterer kam jedoch nie zum Einsatz – zumindest nicht bei Mercedes. Später tauchte er im Logo der Deutschen Aerospace AG (DASA) wieder auf.

Der Weg vom Symbol zur Marke

Anfangs zierte der Mercedes-Stern die Kühler der Fahrzeuge – oft ohne Ring, manchmal mit Schriftzug. Schon 1910 war der Stern auf den Motorhauben zu finden, meist in plastischer Form. Der Eindruck von Licht und Schatten war damals schon ein wichtiges Gestaltungselement.

1916 kombinierte man den Stern erstmals mit einem Lorbeerkranz, der aus dem Benz-Logo übernommen wurde. 1925, im Vorfeld der Fusion von Daimler und Benz, entstand daraus das bis heute bekannte Markenzeichen: Ein Kreis mit dem zentralen Stern, umrahmt von Lorbeerzweigen und den Schriftzügen „Mercedes“ und „Benz“.

Nach dem Zusammenschluss zur Daimler-Benz AG wurde das Logo 1926 offiziell eingetragen. Seither steht es nicht nur für ein Unternehmen, sondern für technische Visionen, Ingenieurskunst und automobile Geschichte.

Form folgt Funktion – gerade im Design

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Logo immer wieder verändert – mal verschnörkelt, mal nüchtern. Doch der Stern blieb das Herzstück. Die jetzige Anpassung ist also Teil einer langen Design-Evolution. Es geht nicht um ein radikales Neudenken, sondern um eine moderne Interpretation.

Dass der neue Stern nicht glänzt, ist ein Statement: Klarheit statt Effekt, Einfachheit statt Überladenheit. Die Marke will digital besser funktionieren – auf Smartphones, in Apps, auf Webseiten. Ein 3D-Logo ist dort schwerer zu erkennen, wirkt altmodisch. Der flache Stern dagegen ist flexibel, kontraststark und universell einsetzbar.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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