Pilotanlage von Climeworks 18.10.2017, 12:30 Uhr

Dieses Kraftwerk auf Island verwandelt CO2 in unschädliches Karbonat

Strom erzeugen und die Atmosphäre von CO2 befreien? Die Kombination funktioniert, beweist eines der größten Erdwärmekraftwerke der Welt auf Island. Eine Pilotanlage verwandelt das Klimagas in 700 Metern Tiefe in unschädliches Karbonat – mit Technik des Schweizer Start-Ups Climeworks. 

Das Erdwärmekraftwerk in Hellisheidi im Südwesten Islands verwandelt CO<custom name="sub">2</custom> in Karbonat.

Das Erdwärmekraftwerk in Hellisheidi im Südwesten Islands verwandelt CO2 in Karbonat.

Foto: Arni Saeberg/Orkuveita Reykjavikur

Auf der Hochebene Hellisheidi im Südwesten Islands, im Gebiet des Vulkansystems Hengill, betreibt das Energieunternehmen Reykjavik Energy eines der größten Erdwärmekraftwerke der Welt. Die Anlage nutzt heißes Wasser aus bis zu 2200 m tiefen Bohrungen, um Elektrizität und Wärme für die Hauptstadt Reykjavik zu erzeugen. Gleichzeitig verwandelt das Kraftwerk Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre in Karbonat – im Rahmen des Pilotprojekts Carb Fix. „Wir haben Carb Fix ins Leben gerufen und den Beweis erbracht, dass Klimagas dauerhaft mineralisiert werden kann“, sagt Projektleiterin Edda Sif Aradóttir von Reykjavik Energy. „Durch die Imitation natürlicher Prozesse geschieht das in weniger als zwei Jahren.“ Früher gingen Wissenschaftler davon aus, die Mineralisation von CO2 zu Karbonat dauere Hunderte bis Tausende von Jahren.

Filtertechnik Schweizer Maschinenbaustudenten

Herzstück der Pilotanlage ist eine Filteranlage namens „Direct Air Capture“ des Schweizer Cleantech-Unternehmens Climeworks – gegründet von den ehemaligen Maschinenbaustudenten Christoph Gebald und Jan Wurzbacher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Die Anlage besteht aus CO2-Kollektoren, die in Reihen übereinander angeordnet sind. Umgebungsluft strömt in die Kollektoren, das CO2 sammelt sich an der Filteroberfläche. 

Basaltbohrkern: Die weißen Karbonat-Adern beweisen, dass sich CO2 in feste Mineralien umgewandelt hat. 

Basaltbohrkern: Die weißen Karbonat-Adern beweisen, dass sich CO2 in feste Mineralien umgewandelt hat. 

Quelle: Sandra O Snaebjornsdottir/Orkuveita Reykjavikur

Tritt die Sättigung ein, erhitzt die Anlage die Filter mit Restwärme des Kraftwerks auf 100 °C. Dabei setzt sich das CO2 als reines Gas frei. Die Anlage bindet das Gas anschließend in Wasser und pumpt es 700 m tief in den Untergrund. Dort reagiert das sprudelnde Gemisch mit dem Basalt und verwandelt sich in unschädliches Karbonat. Aradóttir: „Mit der Integration der Climeworks-Technologie haben wir eine Lösung, die unabhängig von Emissionsquellen überall dort einsetzbar ist, wo es Basaltgestein gibt.“

Option zwei: Klimagas verwandelt sich in Dünger

Im Erdwärmekraftwerk in Hellisheidi wandelt die Pilotanlage 50 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr um. Es ist aber Luft nach oben. „Das Potential zur Skalierung unserer Technologie in Kombination mit CO2-Speicherung ist gewaltig. Und das nicht nur hier in Island, sondern in vielen anderen Regionen mit ähnlichen Gesteinsformationen“, sagt Climeworks-Geschäftsführer Christoph Gebald.

Die Ingenieure Jan Wurzbacher (li.) und Christoph Gebald vor ihrem CO2-Kollektor. 

Die Ingenieure Jan Wurzbacher (li.) und Christoph Gebald vor ihrem CO2-Kollektor. 

Quelle: Zev Starr-Tambor/Climeworks

In der Schweiz haben die ehemaligen Maschinenbaustudenten vor einigen Monaten die erste kommerzielle CO2-Filteranlage der Welt in Betrieb genommen. Sie zieht pro Jahr 900 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre und verwandelt das Klimagas in Dünger für ein angrenzendes Gewächshaus. Die Menge entspricht den Emissionen, die rund 200 Autos im Jahr ausstoßen. 

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