Waldbrände in Südeuropa 09.08.2021, 09:35 Uhr

Waldbrände in Südeuropa: Feuer außer Kontrolle – das sind die Gründe

In Griechenland, der Türkei und in Italien wüten Waldbrände. Ein gigantisches Feuer bedrohte die Insel Rhodos. Jetzt bahnt sich die nächste Katastrophe an.

Auf Rhodos toben verheerende Waldbrände, ebenso in Italien und der Türkei. Foto (Archivbild): panthermedia.net/Mironovfoto

Auf Rhodos toben verheerende Waldbrände, ebenso in Italien und der Türkei. Foto (Archivbild): panthermedia.net/Mironovfoto

Seit Tagen sorgen Waldbrände in Griechenland und anderen Teilen Südeuropas für Evakuierungen und einem Dauereinsatz der örtlichen Feuerwehr. Das Energiesystem kommt ans Limit. Ein Großbrand auf der Ferieninsel Rhodos ist am Sonntag außer Kontrolle geraten. Für die nächsten Tage werden Temperaturwerte von bis zu 47 Grad erwartet.

Löschflugzeuge und Hubschrauber sind auf Rhodos im Dauereinsatz. Drei Dörfer mussten evakuiert werden, denn der Waldbrand ist außer Kontrolle geraten. Seit Sonntagabend (1. August) vergangener Woche bestand hohe Gefahr. Am Montag konnte der Brand zwar eingedämmt werden, allerdings kann von einer Entwarnung noch keine Rede sein. In Griechenland herrscht eine Gluthitze historischen Ausmaßes – bis zum kommenden Wochenende sollen es 44 Grad bleiben. Nachts bewegen sich die Temperaturen bei 30 Grad. Die Folgen sind dramatisch und bringen das Energiesystem des Landes ans Limit. Wann die Hitzewelle abklingt, ist noch unklar.

Waldbrände in Südeuropa: Orte sind von Flammen umzingelt

Wegen der extremen Trockenheit und starker Winde wütete seit Sonntag ein Großbrand auf Rhodos. Die Insel ist ein beliebtes touristisches Ziel, so dass sich dort aktuell viele Feriengäste in den Sommerferien befinden dürften. Hotelanlagen waren nicht vom Feuer und Rauchentwicklungen betroffen. Im Westen der Inselhauptstadt wurden jedoch drei Dörfer evakuiert. Seit Sonntagabend ist in vielen Teilen der Insel der Strom ausgefallen. Die anhaltend laufenden Klimaanlagen machen dem Energiesystem weiter zu schaffen. Das Energieministerium rief alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Klimaanlagen nicht auf ganz niedrige Temperaturen zu stellen. „26 Grad und nicht mehr“, lautet die Empfehlung. Immerhin: Das Feuer auf Rhodos ist allmählich eingedämmt. Doch die Brandgefahr bleibe sehr hoch, so der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis: „Es ist die schlimmste Hitzewelle seit 1987.“ Auch in anderen Teilen Griechenlands, etwa in der Hauptstadt Athen, kommt es derzeit immer wieder zu stundenlangen Stromausfällen.

Auch auf der Insel Euböa wüten heftige Feuer. Feuerwehrleuten und Freiwilligen gelang es in der Nacht zu Montag (9. August), mehrere Dörfer vor dem Übergreifen der Flammen halbwegs zu bewahren. Am Rande von Ortschaften wie Artemisio, Gouves und Pefki brannten dennoch Häuser nieder. Viele Ortschaften sind von Flammen regelrecht umzingelt.

Obwohl die Feuerwand sich schon am Sonntagnachmittag auf die Dörfer zubewegt hatte, gab es nach Angaben der Bewohner in manchen Gegenden kaum oder keine Unterstützung aus der Luft. Der griechische Zivilschutzchef Nikos Chardalias begründete das am Abend mit den schlechten Bedingungen – die extrem starke Rauchentwicklung habe die Sicht derart eingeschränkt, dass manche Einsätze unmöglich gewesen seien.

Feuer-Drama in der Türkei

Am Montagmorgen zeigten Satellitenbilder im Norden der Insel etwas weniger Brandherde als noch am Sonntag – mutmaßlich, weil der meiste Wald mittlerweile verbrannt ist und die Flammen kein Futter mehr finden, wie der Fernsehsender Skai berichtete. Zum Ausmaß der Schäden gibt es bisher unterschiedliche Angaben, Übereinstimmung herrscht einzig darin, dass sie gewaltig sind. Mehrere griechische Medien nannten eine Fläche von 50.000 Hektar.

Auch auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien toben Brände. Die italienische Regierung bat bereits um europäische Hilfe. Und dramatisch ist es in der Türkei:  Tausende Einsatzkräfte kämpfen seit einer Woche gegen extreme Wald- und Buschbrände in der Mittelmeerregion. Acht Menschen starben bislang. Viele der zahlreichen Brände sind kaum unter Kontrolle zu bringen. Die Europäische Union schickt unterdessen Unterstützung: Drei Löschflugzeuge, eines aus Kroatien und zwei aus Spanien, seien mobilisiert worden, hieß es in einer Mitteilung der EU-Kommission. Tatsächlich verfügt die Türkei nur über wenige flugfähige Löschmaschinen.

Die Gründe für die Waldbrände

Türkei, Griechenland, Sizilien und Sardinien: Der Süden Europas brennt. Die Ausbreitung der Flammen wird durch eine historische Hitzewelle, extreme Trockenheit und starke Winde begünstigt. Quadratkilometer Land werden zu Asche, Menschen müssen ihre Häuser verlassen und Schäden in Millionenhöhe werden entstehen. Die italienische Feuerwehr kämpft gegen circa 250 Buschbrände, in der Türkei lodern mehr als 60 Waldbrände. Wegen der dichten Rauchbildung wurde die Autobahn zwischen Athen und der Hafenstadt Patras vorübergehend geschlossen.

Ist Deutschland auf große Waldbrände vorbereitet?

Waldbrände sind Realität und kommen jedes Jahr vor. Gebiete in Südostasien, Lateinamerika, Russland, USA und Südeuropa sind regelmäßig betroffen. Doch auch deutsche Wälder brennen. Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung brennt es in deutschen Wäldern pro Jahr circa 500 Mal. Zwischen 1991 und 2017 ereigneten sich in Deutschland durchschnittlich 1.085 Waldbrände. Dabei war eine Fläche von 680 Hektar betroffen.

Ein Waldbrand kann auch durch Blitzeinschlag entstehen, extreme Hitze begünstigen die Brände, weil Laub und Gehölz besonders trocken sind. Oftmals sind achtlose Waldbesucher die Verursacher. Lagerfeuer oder weggeworfene Zigaretten können vor allem im Sommer Waldbrände auslösen. Funkenflug durch vorbeifahrende Züge oder schnell drehende Maschinenteile von forst- oder landwirtschaftlichen Maschinen können ebenfalls für einen Waldbrand sorgen. Durch den Klimawandel wird es auch in Deutschland immer trockener und wärmer.

Die Umweltorganisation Greenpeace in der Türkei machte neben dem Klimawandel auch fehlende Vorsichtsmaßnahmen als Grund für die verheerenden Brände aus. Die Natur werde nicht ausreichend geschützt, Land unkontrolliert genutzt und der Wald ausgebeutet.

Die Hitzewelle nimmt derweil kein Ende und damit bleibt das Brandrisiko hoch.

Wie verläuft ein Waldbrand?

Ein Waldbrand beginnt meist in Bodennähe. Wenn der Boden sehr trocken ist, kann sich das Feuer schneller ausbreiten. Gras und trockener Unterwuchs entzünden sich. Das Erdfeuer kann im Verhältnis gesehen leichter bekämpft werden. Wächst es zu einem Lauffeuer aus, springt es vor allem bei Nadelholzbeständen auf die Baumwipfel über. Das führt zu einem sogenannten Kronenfeuer. Die rasante Ausbreitung des Waldbrandes ist dann kaum noch zu stoppen. Bis zu einem Vollfeuer ist es nicht mehr weit – und dieses ist kaum zu löschen.

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Prinzipiell gibt es vier Arten von Waldbränden:

  • Erdfeuer: Schwelbrände am Boden, Baumwurzel werden zerstört
  • Lauffeuer: Oberirdische Pflanzenteile verbrennen, Bäume können je nach Rindenstärke auch betroffen sein
  • Kronenfeuer: Flammen schlagen in den Kronenbereich hoch
  • Vollfeuer: Alles im Wald brennt, Regeneration des Waldes stark erschwert, kann zu Tod des Waldes führen

Dichtstehende Nadelholzreinbestände bis zu einem Alter von 40 Jahren sind am anfälligsten für Waldbrände, da sie besonders trocken sind. Kiefern gehören häufig zu dieser Art von Bestand.

Altholz-Mischbestände sind weniger gefährdet. Die Wälder in Mitteleuropa, also auch in Deutschland, sind oft Laubmischwälder aus Rotbuche und Stieleiche.

Wie kann man einen Waldbrand löschen?

Je trockener das Holz, umso besser brennt es. Waldbrände in heißen, trockenen Gebieten wie Griechenland sind daher besonders gefährlich. Haushohe Flammen entstehen und der Brand weitet sich schnell aus. Mit einem Feuerwehrschlauch ist es da nicht getan. Durch die extreme Hitze kommen Feuerwehrleute auch nicht nah genug an die Fläche heran.

Flugzeuge und Hubschrauber werden zum Löschen eingesetzt. Diese werden mit großen Mengen Wasser aus dem Meer beladen. Beim Flug über das Feuer werfen sie das wasser ab – vor allem dort, wo Menschen und Wohnhäuser von den Flammen bedroht sind.

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Wie kann ein Waldbrand im Vorfeld verhindert werden?

Um Menschen an Fehlverhalten im Wald zu hindern, setzen einige Forstbetriebe auf Warnschilder und Aufklärung.

Doch es gibt weitere vorbeugende Maßnahmen. In Kiefernanbauten können gezielte Waldbrandschutzstreifen entlang von Straßen aus Pappeln oder Roteichen helfen. Eine Förderung von Baumarten mit geringem Brandrisiko bietet sich an.

Bodenfeuer lässt sich auch vermeiden, indem entlang einer Straße ein breiter Streifen Boden von brennbarem Material befreit wird. Zum Teil werden Schneisen in einem rechten Winkel zur Hauptwindrichtung quer durch größere Waldgebiete angelegt.

Unabhängig davon ist eine regelmäßige Instandhaltung der Wälder notwendig. Die Feuerwehr braucht gut ausgebaute Wege, um schnell zum Brandherd zu gelangen und diesen zu löschen. Für die Instandhaltung der Wälder gibt es Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds.

Ist das Brandrisiko in Monokulturen größer als in Mischwäldern?

Experten gehen davon aus, dass das Risiko von großen Waldbränden in Mischwäldern deutlich geringer ist als zum Beispiel in reinen Kiefernwäldern. In Mischwäldern, in denen viele Laubbäume stehen, die mit ihrem Blätterdach die Sonne abhalten, ist es tendenziell kühler und Feuchtigkeit am Boden wird länger gehalten.

Das Risiko von Waldbränden wird auch durch Wetter-Umstände beeinflusst. Bei der Risikobewertung von Waldbränden stützen sich die verantwortlichen Landesbehörden in Deutschland unter anderem auf den Waldbrandgefahrenindex WBI des Deutschen Wetterdienstes. Dieser zeigt die Waldbrandgefahr in fünf Gefahrenstufen an.

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In den WBI fließen neben aktuell gemessenen und prognostizierten Wetterdaten auch Prognosen über die Laufgeschwindigkeit eines Feuers ein, die wiederum abhängig von der Beschaffenheit des Waldes ist: Ist der Boden vornehmlich mit trockenem Gras bewachsen oder gibt es feuchtes Unterholz? Gibt es viele Laubbäume oder vorwiegend Nadelhölzer?

Kann es auch in Deutschland eine derartige Hitzewelle geben?

Aktuell gehen Experten davon aus, dass die extreme Hitzewelle in Südeuropa nicht auf Deutschland übergreift. Tatsächlich wird durch Tiefdruckgebiete eher kühlere Meeresluft herangeführt, die Temperaturen pendeln sich in den nächsten Tagen und Wochen wohl auf 20 bis 25 Grad ein. Zuletzt hatten extreme Starkregenfälle in Deutschland teils für erhebliche Schäden gesorgt. Vor allem in NRW und Rheinland-Pfalz kam es zu Hochwasserkatastrophen, mindestens 180 Menschen starben. Aber auch in Teilen Bayerns und Sachsens gab es extreme Starkregenfälle.

Was waren die größten Waldbrände in den letzten Jahren?

Waldbrände passieren regelmäßig, und das seit Jahrmillionen. Enorme Trockenheit begünstigt allerdings eine besonders schnelle Ausbreitung.

In den vergangenen Jahren gab es mehrere besonders heftige Waldbrände, die für erhebliche Schäden in der Natur gesorgt haben und menschliche Siedlungen und Städte massiv bedrohten.

  • Besonders präsent werden vielen die verheerenden Waldbrände in Australien sein, die 2019 begannen. In Victoria, New South Wales und South Australia brannte es auf einer gigantischen Fläche von insgesamt 180.000 Quadratkilometern.
  • 2019 gab es ebenfalls verheerende Brände im Amazonas-Regenwald, rund 36.000 Quadratkilometer Fläche waren in mehreren Ländern betroffen.
  • Im selben Jahr tobten Waldbrände in Sibirien, betroffen war eine Fläche von etwa 90.000 Quadratkilometern.
  • 2018 gab es in Kalifornien in den USA besonders heftige Brände. Fast 3000 Quadratkilometer Fläche waren betroffen.
  • Ebenfalls 2018 gab es Waldbrände im Monchique-Gebirge in Portugal, 270 Quadratkilometer Wald brannten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.
  • Auch in Deutschland gab es in dem Jahr größere Waldbrände, vor allem in Brandenburg, wo 500 Menschen evakuiert werden mussten.
  • Im kanadischen British Columbia brannte es 2017 insgesamt auf einer Fläche von 12.000 Quadratkilometern. Etwa 40.000 Menschen wurden evakuiert.

(mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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