Geschichte 11.12.2023, 11:09 Uhr

Klimawandel in der Bronzezeit: Wie die Menschen vor Tausenden Jahren handelten

Die Studie offenbart eine Verbindung zwischen dem Bevölkerungswachstum und Umweltveränderungen in Skandinavien während der Jungsteinzeit und der Älteren Bronzezeit.

Bronzezeit

Studie enthüllt die Wechselwirkungen von Bevölkerungsentwicklung und Umweltveränderungen in Skandinavien während der Jungsteinzeit und der Älteren Bronzezeit. (Symbolbild)

Foto: PantherMedia / jasonmeinders

Die Forschung dazu, wie Menschen mit Umweltveränderungen umgehen, wird wichtiger wegen der aktuellen Probleme des Klimawandels. Wenn wir in die Vergangenheit schauen, können wir lernen, wie verschiedene Kulturen mit solchen Veränderungen umgegangen sind.

In der Archäologie und Anthropologie beispielsweise ermöglichen Ausgrabungen und Studien von historischen Siedlungen Einblicke in die Anpassungsstrategien vergangener Gesellschaften an klimatische Veränderungen. Historische Aufzeichnungen, wie alte Schriften und Überlieferungen, bieten zusätzliche Informationen über die Wahrnehmung und Bewältigung von Umweltveränderungen durch verschiedene Kulturen. Denn: Die Analyse historischer Fallstudien kann als Lehrmittel dienen, um zu verstehen, wie menschliche Gesellschaften mit ökologischen Herausforderungen umgegangen sind. Diese Erkenntnisse können als Inspiration für zeitgenössische Anpassungsstrategien dienen, wenn es darum geht, die Auswirkungen des aktuellen Klimawandels zu bewältigen.

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Strategien gegen Klimawandel entwickelt

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht von Wissenschaftlerinnen des Exzellenzclusters ROOTS an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in Zusammenarbeit mit Forschern aus Oslo, Tromsø und Stavanger (Norwegen), präsentiert in der internationalen Fachzeitschrift Quaternary Science Reviews eine beispiellos umfangreiche Sammlung von archäologischen und umweltbezogenen Daten.

Diese Daten enthüllen die komplexen Zusammenhänge zwischen Klimaschwankungen, Bevölkerungsdynamik und kulturellen Veränderungen in der Region Norddeutschland und Skandinavien während der Jungsteinzeit und der Älteren Bronzezeit (ca. 4100 bis 1100 vor unserer Zeitrechnung). „Im Gegensatz zu der Vorstellung, dass frühe Gesellschaften Umweltveränderungen passiv hinnehmen mussten, zeigt unsere Studie, dass sie ausgeklügelte Strategien entwickelten, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen“, sagt Dr. Magdalena Bunbury, die Hauptautorin der Studie.

Wie die Menschen auf Umweltveränderungen reagiert haben

Die Studie verwendet unter anderem die Kohlenstoffisotopenanalyse (14C-Daten), um Spuren menschlicher Aktivitäten im Forschungsgebiet zu datieren. Mehr als 20.000 14C-Daten, die einen Zeitraum von 17.000 Jahren abdecken, wurden von den Autoren gesammelt. Nach einer gründlichen Qualitätskontrolle blieben 6268 Datenpunkte übrig, die für die Studie verwendbar waren. Dr. Bunbury erklärt, dass mithilfe verschiedener statistischer Ansätze anhand dieser 14C-Daten rekonstruiert werden kann, ob die Bevölkerungszahl in bestimmten Epochen zugenommen oder abgenommen hat.

Die Vielfalt der menschlichen Reaktionen auf Umweltveränderungen in der Vergangenheit reicht von Anpassungen in der Landwirtschaft über Wanderungsbewegungen bis hin zu technologischen Innovationen. Beispiele hierfür sind traditionelle Bewässerungssysteme, Terrassenlandwirtschaft oder auch die Entwicklung von speziellen Bauweisen, die auf lokale klimatische Bedingungen zugeschnitten sind.
„Zusätzlich haben wir 49 hochauflösende Klimaarchive aus dem Bereich zwischen 50 und 70 Grad nördlicher Breite analysiert, die eine detaillierte Rekonstruktion der Umweltbedingungen in der Untersuchungsregion zwischen 4100 und 1100 vor unserer Zeitrechung ermöglichen“, sagt auch Dr. Mara Weinelt vom Exzellenzcluster ROOTS hinzu, die Initiatorin der Studie. Zusätzlich integrierte das Forscherteam archäologische Erkenntnisse über 3600 Wohnstätten von beinahe 1500 Fundorten im umfassendsten Abschnitt des erforschten Gebiets.

Wärmeres Klima begünstigte die Ausbreitung der Landwirtschaft

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es komplexe Zusammenhänge zwischen den örtlichen Anpassungen und den regionalen Klimatrends gibt. Zum Beispiel hatte die warme Zeit im Holozän, die ungefähr zwischen 7050 und 2050 v. u. Z. stattfand, in Skandinavien unterschiedliche Auswirkungen, abhängig vom geografischen Breitengrad. „In Südskandinavien könnte dieses wärmere Klima die Ausbreitung der Landwirtschaft im frühen 4. Jahrtausend v. Chr. begünstigt haben, was mit einem erheblichen Bevölkerungswachstum einherging“, wird Dr. Bunbury in der Pressemitteilung zitiert.

Anpassungen an die veränderten Umweltbedingungen

Um etwa 2250 v. u. Z. setzte ein Trend zur Abkühlung ein, der den Anfang einer Klimaverschiebung markierte. Diese Veränderung war jedoch in Bezug auf Dauer und Zeitpunkt in den verschiedenen Breitengraden und Regionen des Untersuchungsgebiets unterschiedlich. Die Gemeinschaften der Jungsteinzeit in Südnorwegen zeigten trotz der Abkühlungstendenzen ihre Anpassungsfähigkeit, indem sie weiterhin Landwirtschaft betrieben und sich in der Region niederließen. Gleichzeitig bauten die Menschen in heutigem Dänemark eine größere Vielfalt an Feldfrüchten an und entwickelten Häuser, die dazu dienten, Ernten über längere Zeiträume zu lagern. „Diese Prozesse können als Anpassungen an die veränderten Umweltbedingungen interpretiert werden“, sagte Mitautorin Dr. Jutta Kneisel von der CAU.

In den eisigen Regionen des arktischen Norwegens verfolgte die Gemeinschaft einen einzigartigen Ansatz. Statt umfangreiche Landwirtschaft als Hauptquelle des Lebensunterhalts zu übernehmen, setzten die Menschen dort weiterhin auf das Sammeln von Nahrung in der Natur, um ihr Überleben zu sichern. Die Nutzung einer breiten Palette von Nahrungsquellen half dabei, Risiken zu minimieren.

Was geschah in den kurzfristigen Abkühlungsphasen?

Die Studie erstreckt sich auch auf das 2. Jahrtausend v. u. Z. und dokumentiert plötzliche Kälteperioden. Die Daten weisen auf gleichzeitige, kurzfristige Rückgänge der Bevölkerungszahlen hin. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Handelsbeziehungen mit Kontinentaleuropa während dieser Phasen unterbrochen waren. Nach diesen kurzfristigen Abkühlungsphasen begann die Bevölkerung ab der Mitte des 2. Jahrtausends erneut zu wachsen und entwickelte sogar eine neue, stabile Form von Wohnhäusern.

„Wir können nicht alle Veränderungen in menschlichen Gesellschaften auf das Klima zurückführen. Die Daten zeigen jedoch eindeutig signifikante Zusammenhänge zwischen der Bevölkerungsentwicklung, der Besiedlung und den wirtschaftlichen Praktiken auf der einen Seite und den Klimatrends auf der anderen Seite. Insbesondere die Erholung der Bevölkerungszahlen nach abrupten Abkühlungsereignissen im 2. Jahrtausend v. u. Z. ist ein deutlicher Hinweis auf die Widerstandsfähigkeit beziehungsweise Anpassungsfähigkeit der frühen Gesellschaften in Skandinavien gegenüber Klimaschwankungen“, sagt Dr. Weinelt.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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