Gold Industrie Award 16.10.2015, 11:25 Uhr

Schlafsystem von Polarmond hält Alpinisten auch bei -30 °C wohlig warm

Das Outdoor-Schlafsystem eines Schweizer Unternehmens klingt ganz nach Wundertüte: Es ist Schlafsack, Liegematte und Biwak-Zelt in einem. Und die Krönung: Sogar bei -30 °C soll es darin mollig warm sein. Der eigene Körper heizt alles auf – das Schlafsystem speichert die Wärme. 

Für Bergsteiger, die auf ihrer Tour auch draußen übernachten, hat das Start-up Polarmond ein Drei-in-Eins-Schlafsystem entwickelt. Auch bei -30 °C lässt es sich darin wohlig schlummern. 

Für Bergsteiger, die auf ihrer Tour auch draußen übernachten, hat das Start-up Polarmond ein Drei-in-Eins-Schlafsystem entwickelt. Auch bei -30 °C lässt es sich darin wohlig schlummern. 

Foto: dpa

Beim Übernachten im Freien können schon mal richtig die Zähne klappern. Denn wo es tagsüber noch recht warm ist, sinken die Temperaturen nachts gewaltig ab. Das kennen Bergsteiger und Trekker nur zu gut. Das Unternehmen Polarmond aus St. Galen will das Schlafen draußen angenehmer machen. Logisch, dass man am nächsten Tag dann erholter für die anstehende Tour ist.

Skizze Polarmond-Schlafsystem: Es soll im Frühjahr 2016 zunächst als Ein-Mann-Version in die Läden kommen. 

Skizze Polarmond-Schlafsystem: Es soll im Frühjahr 2016 zunächst als Ein-Mann-Version in die Läden kommen. 

Quelle: Polarmond

Dafür hat das junge Start-up ein Schlafsystem entwickelt, das treffend „All-in-one“ heißt, weil es Schlafsack, Isomatte und Biwak-Zelt als ein Produkt anbietet. Auch einzelne Module. An der Entwicklung waren Forscher der Eidgenössischen Materialforschungs- und -prüfungsanstalt (Empa) beteiligt.

Spezielle Isolationsschicht verwendet

Das spezielle an „All-in-one“ ist, das der Innenraum noch bei Außentemperaturen von bis zu -30 °C warm bleiben soll. Fürs Aufheizen soll dabei allein die eigene Körperwärme ausreichen. Gehalten wird die Wärme dank einer speziellen Isolationsschicht. So besteht die  Hauptisolationsschichtdes tunnelartigen Schlafgemachsaus einer bauschfähigen Synthetik-Füllung und reflektierenden Schichten wie sie für Raumanzüge verwendet werden. Nach außen schützt eine wasserdampfdurchlässige Membran die Isolationsschicht vor Regen und Wind.

Schlafsack ist „nur“ eine Decke

Die zweite Isolationsschicht ist in den „Schlafsack“ eingearbeitet. Dieser besteht anders als üblich „nur“ aus einer Decke, was äußerst hilfreich ist, um die Feuchtigkeit in den Griff zu bekommen, die jeder Schläfer durch Atmen und Schwitzen produziert.

So sieht das reale All-in-One-Schlafsystem von Polarmond aus. 

So sieht das reale All-in-One-Schlafsystem von Polarmond aus. 

Quelle: Polarmond

Dafür wurde das Inlett der Decke zum Körper mit einer dampfdurchlässigen Membran ausgestattet. Damit die Feuchtigkeit nicht in den Schlafraum gelangt, wurde zwischen der Membran und dem Isolationsvlies eine Dampfsperre eingebaut. In diesem Zwischenraum wird der Wasserdampf gesammelt. Morgens kann man dann alles einfach aus dem Inlett ausschütteln – als Wassertropfen oder, wenn es eisig kalt ist, als Eiskristalle.

Die unter dem Inlett entwichene Feuchtigkeit wird von der aufgewärmten Luft im Schlafraum aufgenommen und kann durch eine verstellbare Lüftungsöffnung nach außen strömen. So kann im Schlafraum eine annähernd konstante Temperatur erreicht werden, auch wenn sich die Außentemperatur ändert. 

Im Frühjahr 2016 auf dem Markt

Das Polarmond-Schlafsystem soll im nächsten Frühjahr zunächst als Ein-Mann-Version in die Läden kommen. Über den Preis ist noch nichts bekannt. Geplant sind zudem Mehrpersonen-Zelte, an die man mehrere Schlafhüllen ankoppeln kann.

Innenraum des Polarmond-Schlafsystems.

Innenraum des Polarmond-Schlafsystems.

Quelle: Polarmond

Dieses Schlafsystem fiel auch auf der europäischen Leitmesse „Outdoor 2015“ in Friedrichshafen auf. Und zwar positiv. Das junge Unternehmen Polarmond gewann dort den Gold Industrie Award. Der Preis gilt international als eine der höchsten Auszeichnungen, die die Outdoor-Branche vergibt. 

Ein Beitrag von:

  • Lisa von Prondzinski

    Die Journalistin und freie Redakteurin bedient die Fachbereiche Gesundheit, Wissenschaft und Soziales.

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