Tokio 23.07.2021, 13:10 Uhr

Olympia: Sportler hängen sich Medaillen aus Elektroschrott um

Alte Smartphones und Laptops erhalten ein neues Leben – in Form von Medaillen bei Olympia in Tokio. Was sich die Sportler in Tokio um den Hals hängen.

Sportlerin küsst Medaille

Bei Olympia in Tokio bekommen die Sportlerinnen und Sportler Medaillen aus recyceltem Elektroschrott. Foto/Symbolbild: panthermedia.net/Wavebreakmedia (YAYMicro)

Japan ist ausgesprochen arm an eigenen Ressourcen, doch das Gadget-besessene Hightech-Land verfügt über eine andere Quelle: eine reiche urbane Mine aus Edelmetallen, die sich in den Millionen weggeworfener Smartphones und anderer Elektronikprodukte verbergen. Jedes Jahr werden in Japan schätzungsweise 650.000 Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte weggeworfen, wovon gerade einmal ein Sechstel ordnungsgemäß entsorgt oder gar wiederverwertet wird. Einen Wandel anzustoßen und aktiv daran mitzuwirken, das haben sich die Veranstalter von Olympia in Tokio vorgenommen.

5.000 Medaillen hat der deutsche Hersteller ESG Edelmetall-Servier produziert. Die begehrten Medaillen bestehen aus recyceltem Edelmetall. Gastgeberland Japan hat ebenfalls fleißig Elektroschrott gesammelt und zwischen 2017 und 2019 elektronische Altgeräte gehortet, um die Medaillen für Olympia herstellen zu können. Computerplatinen dienten ebenfalls als Quelle für die Edelmetalle. Laut dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) haben sich mehr als 1.6oo japanische Gemeinden an dem Projekt beteiligt und zusammen fast 79.000 Tonnen Alt-Elektronik gesammelt. Japan spart durch das Recycling hohe Kosten für die Edelmetalle.

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Olympische Spiele: Medaillen bestehen aus Silber und Kupfer

„E-Waste“ oder elektronischer Abfall enthält genügend Edelmetalle für die benötigten Medaillen der Olympischen und Paralympischen Spiele, die aufgrund der Coronakrise erst am 23. Juli 2021 in Tokio starten. Die Medaillen bestehen überwiegend aus Silber und Kupfer. Selbst die Goldmedaille ist zu 98,8 % aus Silber und nur die Oberfläche vergoldet. Eine Bronzemedaille besteht zu 95 % aus Kupfer und zu 5 % aus Zink.

Bisher hatten die Gastgeber-Städte der Spiele die nötigen Metalle für die Medaillen vorwiegend über Spenden der Minengesellschaften erhalten. Japan möchte die Spiele ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit verwirklichen. Zu den Herausforderungen gehört, dass Silber besonders begehrt ist. Die Versorgungssituation ist angespannt, da das aus Elektronikschrott gewonnene Edelmetall auch dringend für neu zu produzierende Elektronik benötigt wird.

Japaner spenden Edelmetalle für Sportler bei Olympia

Damit genug Edelmetalle zusammen kommen, um alle Erst- bis Drittplatzierten mit den begehrten Medaillen ausstatten zu können, hat das Tokioter Recycling-Komitee rund 18.000 Sammelstellen aufgestellt. Dort konnten die Japaner ihren Teil zum Gelingen der Olympischen Spiele beitragen und elektronische Kleingeräte von Laptops über Smartphones bis Smartwatches abgeben. Die Japaner gaben alleine 6,2 Millionen Smartphones für die Aktion aus der Hand.

Für die 5.000 zu verleihenden Medaillen stehen Tokio 32 Kilo Gold, 3.500 Kilogramm Silber und 2.200 Kilogramm Bronze zur Verfügung. Wichtiges Ziel des Vorhabens ist es, das Bewusstsein für den Rohstoff E-Waste im Land zu schärfen.

Kampagne zum Elektroschrott-Recycling geht weiter

Für die Olympischen Sommerspiele baute Tokio in kürzester Zeit ein Recyclingsystem auf. Die Medaillen sind wie versprochen aus 100 % recycelten Edelmetallen. Das ist neu. Rio de Janeiro nutze 2016 zwar auch recycelte Materialien aus Elektroschrott, allerdings war der Anteil sehr viel geringer. Bei Silber und Bronze lag er bei 30 %, Gold wurde auf diese Weise keines gewonnen. Der Entwurf der neuesten und wohl nachhaltigsten Medaillen der Olympiageschichte stammt vom japanischen Grafikdesigner Junichi Kawanishi. Und die Medaillen werden nicht die einzigen Botschafter der Nachhaltigkeit bei den Olympischen Spielen in Tokio sein.

Bei den Olympischen Sommerspielen messen sich circa 11.300 Athleten aus 206 Nationen in 33 Sportarten – und dabei geht es nur um das Eine: Medaillen. Ob diese aus Elektroschrott sind oder nicht, dürfte den Sportlern egal sein.

Erfahren Sie mehr zum Recycling:

Ein Leben nach dem Smartphone-Tod: Recycling für Mobilgeräte

Wie man Batterien von E-Autos recyceln könnte, erfahren Sie im Artikel „Alternativen zur heutigen Elektromobilität

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Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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