Was wurde eigentlich aus…? 05.09.2019, 09:24 Uhr

Tokio 2020: Olympia-Medaillen aus Elektroschrott

Die Medaillen der Olympischen Sommerspiele 2020 sollten aus alten Smartphones und Laptops entstehen. Dieses Recycling-Versprechen gaben die Veranstalter 2016 ab. Jetzt, ein knappes Jahr vor dem Start der Sommerspiele ist klar: Sie haben ihr Versprechen gehalten.

Foto: panthermedia.net / Poravute_Siriphiroon

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Japan ist ausgesprochen arm an eigenen Ressourcen, doch das Gadget-besessene Hightech-Land verfügt über eine andere Quelle: eine reiche urbane Mine aus Edelmetallen, die sich in den Millionen weggeworfener Smartphones und anderer Elektronikprodukte verbergen. Jedes Jahr werden in Japan schätzungsweise 650.000 Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte weggeworfen, wovon gerade einmal ein Sechstel ordnungsgemäß entsorgt oder gar wiederverwertet wird. Einen Wandel anzustoßen und aktiv daran mitzuwirken, das haben sich die Veranstalter der Olympischen Sommerspiele in Tokio vorgenommen.

Olympische Medaillen aus Silber und Kupfer

Denn dieser „E-Waste“ oder elektronische Abfall enthält genügend Edelmetalle für die benötigten Medaillen der Olympischen und Paralympischen Spiele, die von Juli bis September 2020 in Tokio veranstaltet werden. Die Medaillen bestehen überwiegend aus Silber und Kupfer. Selbst die Goldmedaille ist zu 98,8 % aus Silber und nur die Oberfläche vergoldet. Eine Bronzemedaille besteht zu 95 % aus Kupfer und zu 5 % aus Zink.


Bisher hatten die Gastgeber-Städte der Spiele die nötigen Metalle für die Medaillen vorwiegend über Spenden der Minengesellschaften erhalten. Japan plant die nächsten Spiele ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit zu verwirklichen. Zu den Herausforderungen für die Pläne Japans gehört, dass Silber besonders begehrt ist. Die Versorgungssituation ist angespannt, da das aus Elektronikschrott gewonnene Edelmetall auch dringend für neu zu produzierende Elektronik benötigt wird.

Japaner spenden Edelmetalle für Sportler

Damit genug Edelmetalle zusammen kommen, um alle Erst- bis Drittplatzierten mit den begehrten Medaillen ausstatten zu können, hat das Tokioter Recycling-Komitee rund 18.000 Sammelstellen aufgestellt. Dort können die Japaner ihren Teil zum Gelingen der Olympischen Sommerspiele beitragen und elektronische Kleingeräte von Laptops über Smartphones bis Smartwatches abgeben. Die Japaner gaben alleine 6,2 Millionen Smartphones für die Aktion aus der Hand. Insgesamt kamen auf der Insel 78.000 Tonnen Elektroschrott zusammen.

Für die 5.000 zu verleihenden Medaillen stehen Tokio nun 32 Kilo Gold, 3.500 Kilogramm Silber und 2.200 Kilogramm Bronze zur Verfügung. Wichtiges Ziel des Vorhabens ist es, das Bewusstsein für den Rohstoff E-Waste im Land zu schärfen.

Kampagne zum Elektroschrott-Recycling geht weiter

Für die Olympischen Sommerspiele 2020 baute Tokio in kürzester Zeit ein Recyclingsystem auf. Vor kurzem stellte der Gastgeber nun seine Medaillen vor – sie sind allesamt wie versprochen aus 100 % recycelten Edelmetallen. Das ist neu. Rio de Janeiro nutze 2016 zwar auch recycelte Materialien aus Elektroschrott, allerdings war der Anteil sehr viel geringer. Bei Silber und Bronze lag er bei 30 %, Gold wurde auf diese Weise keines gewonnen. Der Entwurf der neuesten und wohl nachhaltigsten Medaillen der Olympiageschichte stammt vom japanischen Grafikdesigner Junichi Kawanishi. Und die Medaillen werden nicht die einzigen Botschafter der Nachhaltigkeit bei den Olympischen Spielen in Tokio sein.

 

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Ein Leben nach dem Smartphone-Tod: Recycling für Mobilgeräte

Wie man Batterien von E-Autos recyceln könnte, erfahren Sie im Artikel „Alternativen zur heutigen Elektromobilität

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