Edelmetalle recyceln 06.09.2016, 13:11 Uhr

Tokio plant 2020 Olympia-Medaillen aus Elektroschrott

Wer in Japan sein altes Smartphone aussortiert, leistet einen Beitrag für die Medaillen der nächsten Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio: Denn die sollen im Recycling-Verfahren aus Handys und anderen elektronischen Geräten gewonnen werden. Dieses Versprechen haben die Veranstalter in Tokio abgegeben. 

Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio haben begonnen: Am 24. August 2016 wurde die neue Flagge gehisst und damit das offizielle Startzeichen für die Vorbereitungen gegeben. Im Bild zu sehen sind Yuriko Koike, die frisch gewählte Gouverneurin von Tokio, und der Präsident des japanischen Olympic-Kommittees Tsunekazu Takeda.

Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio haben begonnen: Am 24. August 2016 wurde die neue Flagge gehisst und damit das offizielle Startzeichen für die Vorbereitungen gegeben. Im Bild zu sehen sind Yuriko Koike, die frisch gewählte Gouverneurin von Tokio, und der Präsident des japanischen Olympic-Kommittees Tsunekazu Takeda.

Foto: EPA

Zwar ist Japan ausgesprochen arm an eigenen Ressourcen, doch verfügt das Gadget-besessene Hightech-Land über eine andere Quelle: eine reiche urbane Mine aus Edelmetallen, die sich in den Millionen weggeworfener Smartphones und anderer Elektronikprodukte verbergen.

Alte Smartphones: In Japan werden jedes Jahr schätzungsweise 650.000 t Elektro- und Elektronikgeräte weggeworfen. Davon werden aber nur 100.000 t ordnungsgemäß entsorgt und wiederverwertet. Das soll sich ändern. 

Alte Smartphones: In Japan werden jedes Jahr schätzungsweise 650.000 t Elektro- und Elektronikgeräte weggeworfen. Davon werden aber nur 100.000 t ordnungsgemäß entsorgt und wiederverwertet. Das soll sich ändern. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Dieser „e-waste“ oder elektronische Abfall enthält genügend Edelmetalle für die benötigten Medaillen der Olympischen und Paralympischen Spiele, die in vier Jahren in Tokio veranstaltet werden. Bisher hatten die Gastgeber-Städte der Spiele die nötigen Metalle für die Medaillen vorwiegend über Spenden der Minengesellschaften erhalten. Japan plant die nächste Olympiade ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit zu verwirklichen. Dazu will Nippon ein geeignetes Recycling System aufbauen.

Das Bewusstsein schärfen

Die Veranstalter der nächsten Olympischen und Paralympischen Spiele haben bereits im Juni mit Regierungs- und Unternehmensvertretern erste Gespräche über dieses Vorhaben geführt. Mit von der Partie sind neben dem Umweltministerium und der Stadt Tokio inzwischen das Telekommunikationsunternehmen NTT DoCoMo und das Edelmetallunternehmen Tanaka Kikinzoku Kogyo. Zu den großen Herausforderungen gehört dabei der Aufbau eines geeigneten Recycling-Systems. Wichtiges Ziel des Vorhabens ist es vor allem auch, das Bewusstsein für diese Art Rohstoff deutlich zu schärfen. 

Im vergangenen Jahr sind weltweit 300 t Gold unverwertet im Elektroschrott auf Müllhalden gelandet.

Im vergangenen Jahr sind weltweit 300 t Gold unverwertet im Elektroschrott auf Müllhalden gelandet.

Foto: Umicore AG & Co.KG/dpa

In Japan werden jedes Jahr schätzungsweise 650.000 t Elektro- und Elektronikgeräte weggeworfen. Davon sollen aber laut Untersuchungen nur 100.000 Tonnen ordnungsgemäß entsorgt und wiederverwertet werden. Das japanische Umweltministerium will erreichen, dass künftig jedes Jahr ein Kilogramm Elektroschrott pro Einwohner entsorgt wird. Japan zählt knapp 120 Millionen Bewohner. In Deutschland lagen 2015 übrigens 100 Millionen Smartphones ungenutzt in Schubladen – sie wurden gar nicht entsorgt und entfallen somit als Rohstofflieferanten. 

Silber ist stark gefragt

Die Medaillen, die bei den Olympischen Spielen vergeben werden bestehen überwiegend aus Silber und Kupfer. So ist die Goldmedaille zu 98,8 % aus Silber und nur die Oberfläche vergoldet. Eine Bronzemedaille besteht zu 95 % aus Kupfer und zu 5 % aus Zink.

Mitarbeiter von Panasonic am Fließband: Aus Elektronikschrott gewonnenes Edelmetall wird auch dringend für neu zu produzierende Elektronik benötigt.

Mitarbeiter von Panasonic am Fließband: Aus Elektronikschrott gewonnenes Edelmetall wird auch dringend für neu zu produzierende Elektronik benötigt.

Foto: Everett Kennedy Brown/dpa

Bei den Olympischen Spielen in London wurden 9,6 kg Gold, 1210 kg Silber und 700 kg Kupfer für die Medaillen verwendet. Zu den Herausforderungen für die Pläne Japans gehört auch, dass Silber besonders begehrt ist. Die Versorgungssituation ist angespannt, da das aus Elektronikschrott gewonnene Edelmetall auch dringend für neu zu produzierende Elektronik benötigt wird.

Gold in Elektroschrott auf Müllhalden

Laut Lenny Koh, Direktor des Advanced Resource Efficiency Centre der britischen Universität Sheffield, fallen weltweit im Jahr zwischen 30 und 50 Millionen Tonnen Elektronikschrott an. Die jährliche Zuwachsrate soll bei drei bis fünf Prozent liegen.

Geschredderte Metallbestandteile alter Elektrogeräte.

Geschredderte Metallbestandteile alter Elektrogeräte.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im vergangenen Jahr sind weltweit 300 t Gold unverwertet im Elektroschrott auf Müllhalden gelandet. Das entspricht mehr als zehn Prozent der globalen Goldfördermenge. Auch rund 1000 t Silber und viele Tausend Tonnen anderer Metalle gehen jedes Jahr unwiederbringlich in der globalen Flut von Elektroschrott verloren, wie aus einer Studie der United Nations University (UNU) hervorgeht. Wie die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei schreibt, sind in Japan 2014 rund 143 kg Gold, 1566 kg Silber und 1112 t Kupfer im Recycling Verfahren gewonnen worden.

Schwimmendes Gold und Altbatterien als Schimmelpilzfutter

In Sachen Gold haben sich Züricher Forscher auch etwas ganz Spezielles einfallen lassen: Sie entwickelten einen Schaumstoff aus diesem Edelmetall. Er ist so leicht, dass er im Milchschaum nicht untergeht – soll aber nicht bloß ein Spielzeug für Kaffeefreunde mit zu viel Geld sein. In Elektronik, Medizin und anderen Bereichen könnte das luftige Gold sinnvoll eingesetzt werden. Mehr über den Goldklumpen, der sogar auf Milch schwimmt, können Sie hier nachlesen.

Das ist kein Trick und keine Fotomontage: Die Ingenieure der ETH Zürich haben einen Schaumstoff aus 20 Karat Gold entwickelt, der sogar leichter ist als Milchschaum.

Das ist kein Trick und keine Fotomontage: Die Ingenieure der ETH Zürich haben einen Schaumstoff aus 20 Karat Gold entwickelt, der sogar leichter ist als Milchschaum.

Foto: Gustav Nyström und Raffaele Mezzenga//ETH Zürich

Und US-amerikanische Forscher haben eine umweltfreundliche und billige Möglichkeit entdeckt, die wertvollen Metalle Lithium und Kobalt aus altersschwachen Batterien zurückzugewinnen: mit Schimmelpilzen. Wie das funktioniert? Das erfahren Sie hier. Ebenfalls in den USA entwickelt wurden Schaltkreise, deren nicht recycelbare Komponenten sich gezielt durch mäßige Hitze in einzelne Atome und Moleküle auflösen. Der vom Materialwert kostbarere Rest lässt sich dann leichter in reiner Form wiedergewinnen. Mehr dazu hier.

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