Erdentstehung 20.11.2025, 08:31 Uhr

Was lauert am Erdkern? Mysteriöse Zonen werfen Theorien über Bord

Rätselhafte Strukturen tief im Erdinneren geben neue Hinweise auf die Entstehung des Planeten und seine Entwicklung zur lebensfreundlichen Welt.

Innere der frühen Erde

Die Abbildung zeigt einen Querschnitt, der das Innere der frühen Erde mit einer heißen, geschmolzenen Schicht oberhalb der Grenze zwischen Kern und Mantel zeigt. Wissenschaftler vermuten, dass Material aus dem Kern in diese geschmolzene Schicht gelangt ist und sich dort vermischt hat. Im Laufe der Zeit hat diese Vermischung dazu beigetragen, die ungleichmäßige Struktur des Erdmantels zu schaffen, die wir heute sehen.

Foto: Yoshinori Miyazaki/Rutgers University

Seit Jahrzehnten versuchen Forschende zu verstehen, warum zwei gewaltige Strukturen an der Grenze zwischen Erdmantel und Erdkern existieren – und warum sie so anders erscheinen als der Rest des Planeten. Es geht um Large Low Shear Velocity Provinces (LLSVPs) und Ultra-Low-Velocity-Zones (ULVZs). Beide bremsen seismische Wellen stark aus, was auf ungewöhnliche Materialien oder Temperaturen hinweist.

LLSVPs ähneln kontinentgroßen Ansammlungen aus dichterem und heißerem Gestein. Eine liegt unter Afrika, die andere unter dem Pazifik. ULVZs wirken dagegen wie dünne, teilweise geschmolzene Flecken direkt über dem Erdkern. Obwohl beide Strukturen seit Langem bekannt sind, blieben ihre Herkunft und ihr Zweck unklar.

Der Geodynamiker Yoshinori Miyazaki von der Rutgers University in New Jersey beschreibt sie so: „Das sind keine zufälligen Kuriositäten. Sie sind Fingerabdrücke der frühesten Geschichte der Erde.“ Sein Team hat nun ein neues Modell vorgelegt, das die Anomalien anders interpretiert – und sie stärker mit der Entstehungsgeschichte der Erde verknüpft, als bisher gedacht.

Das alte Rätsel: Warum fehlt die erwartete Schichtung im Erdmantel?

Kurz nach der Entstehung war die Erde eine glühende Kugel mit einem globalen Magma-Ozean. Beim Abkühlen hätten sich – ähnlich wie bei gefrierendem Saft – klare chemische Schichten bilden müssen. Seismische Daten zeigen aber keine solche eindeutigen Schichtungen.

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Stattdessen finden sich LLSVPs und ULVZs als unregelmäßige Klumpen, die keine einfache Erklärung zulassen. Miyazaki beschreibt dieses Problem so: „Wenn wir vom Magmaozean ausgehen und Berechnungen anstellen, erhalten wir nicht das, was wir heute im Erdmantel sehen. Es fehlte etwas.“

Das „fehlende Teil“ könnte der Erdkern gewesen sein.

Ein radikaler Ansatz: Materialaustausch zwischen Kern und Mantel

Die neue Studie schlägt vor, dass sich Kernmaterial über Milliarden Jahre langsam in den Mantel mischte. Elemente wie Silizium oder Magnesium könnten kontinuierlich aus dem äußeren Kern ausgetreten sein. Diese Einlagerungen hätten die klare Schichtung verhindert und stattdessen inselartige Strukturen erzeugt – eben jene LLSVPs und ULVZs.

Miyazaki sagt: „Wir haben vorgeschlagen, dass es sich um Material handeln könnte, das aus dem Kern austritt.“ Nach diesem Modell wären die heute beobachteten Anomalien verhärtete Überreste eines uralten, von Kernmaterial verunreinigten „basalen Magma-Ozeans“.

Die Forschenden kombinierten seismische Messungen, mineralphysikalische Daten und Computermodelle. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der tiefe Mantel bis heute chemische Spuren aus der Zeit kurz nach der Entstehung des Planeten trägt.

Bedeutung für Klima, Vulkane und die Entwicklung einer bewohnbaren Erde

Die Studie geht weit über die reine Mineralogie hinaus. Der Mantel-Kern-Austausch hat möglicherweise die Abkühlung der Erde, die vulkanische Aktivität und sogar die Entwicklung der Atmosphäre beeinflusst.

Warum also ist die Erde lebensfreundlich, während Venus und Mars extreme Bedingungen bieten? Miyazaki verweist auf interne Prozesse: „Wir verstehen nicht ganz, warum das so ist. Aber was im Inneren eines Planeten geschieht, d. h. wie er abkühlt und wie sich seine Schichten entwickeln, könnte ein wichtiger Teil der Antwort sein.“

Die Zusammensetzung der tiefen Mantelbereiche könnte über geologische Zeiträume hinweg beeinflusst haben:

  • wie Hitze aus dem Kern transportiert wird,
  • wie oft und wo Mantelplumes entstehen,
  • wie sich vulkanische Hotspots wie Hawaii und Island speisen.

Genau solche Hotspots könnten direkten Kontakt zu LLSVPs oder ULVZs haben und damit Informationen aus den ältesten Schichten der Erde an die Oberfläche tragen.

Ein Fenster in die Vergangenheit der Erde

Jie Deng von der Princeton University, Mitautor der Studie, ordnet das Ergebnis ein: „Die Vorstellung, dass der tiefe Mantel noch immer das chemische Gedächtnis früher Wechselwirkungen zwischen Kern und Mantel in sich trägt, eröffnet neue Wege zum Verständnis der einzigartigen Entwicklung der Erde.“

Für die Forschenden ist klar: Einzelne Messpunkte reichen längst nicht aus, aber jedes neue Puzzleteil bringt mehr Struktur in das bisher unscharfe Bild der frühen Erde. Miyazaki formuliert es so: „Selbst mit sehr wenigen Hinweisen beginnen wir, eine Geschichte zu konstruieren, die Sinn ergibt.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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