Wärmestrahlung programmierbar machen 07.07.2026, 09:30 Uhr

Wärme wie Daten speichern? Neuer Ansatz aus der Photonik

Ein neuer Photonik-Ansatz soll Wärmeabstrahlung schaltbar machen. Noch ist es ein Modell, doch die Technik ist vielversprechend.

Wärme wird von rechts aufgenommen und erwärmt die Struktur, von wo aus sie nach links abgestrahlt wird und die Struktur abkühlt

Wärme wird von rechts aufgenommen und erwärmt die Struktur, von wo aus sie nach links abgestrahlt wird und die Struktur abkühlt.

Foto: Osaka Metropolitan University

Wärme lässt sich normalerweise nicht frei behandeln wie ein elektrisches Signal. Eine Oberfläche, die Wärmestrahlung aus einer bestimmten Richtung und bei einer bestimmten Wellenlänge gut aufnimmt, gibt sie in der Regel auch in vergleichbarer Weise wieder ab. Dieser Zusammenhang gehört zu den Grundprinzipien der thermischen Strahlung. Für Ingenieurinnen und Ingenieure ist das eine Einschränkung: Absorption und Emission lassen sich nur begrenzt unabhängig voneinander steuern.

Ein internationales Forschungsteam um Koichi Okamoto und Shunsuke Murai von der Osaka Metropolitan University beschreibt nun einen Ansatz, der genau an dieser Stelle ansetzt. Die Forschenden haben ein photonisches Bauelement theoretisch entworfen und simuliert, das Wärmestrahlung richtungsabhängig kontrollieren soll. Es könnte Wärme aus einer Richtung aufnehmen und die Abstrahlung in einem anderen Zustand oder Kanal schalten. Veröffentlicht wurde die Arbeit unter dem Titel „Reconfigurable Giant Nonreciprocity at Near‐Normal Incidence via Phase‐Change Magneto‐Optical Metagratings“ in Laser & Photonics Reviews.

Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich nach der Facharbeit nicht um einen bereits experimentell nachgewiesenen fertigen Chip. Die Autoren sprechen von einem vorgeschlagenen und theoretisch demonstrierten Bauelement. Das schmälert den wissenschaftlichen Ansatz nicht, verhindert aber falsche Erwartungen. Bis zu einem belastbaren Bauteil bleiben Fertigung, Schaltkontrolle und Betrieb unter realen Bedingungen zu klären.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
AllTerra Deutschland GmbH-Firmenlogo
Support Mitarbeiter Vermessungslösungen / Vermessungstechnik (m/w/d), 80-100 % (Wunstorf bei Hannover, Hamburg, Berlin oder Leipzig) AllTerra Deutschland GmbH
Berlin, Leipzig, Hamburg, Wunstorf bei Hannover Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur als Sachgebietsleiter - Betriebsservice U-Bahn, Bauprojekte (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH
Langenbrettach Zum Job 
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH-Firmenlogo
Traineeprogramm für Ingenieure (all genders) - befristet für 24 Monate Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Frankfurt am Main Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Maschinenbau Silberhorn GmbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) (Sonder-)Maschinenbau Maschinenbau Silberhorn GmbH
Parsberg (Lupburg) Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / Technischer Zeichner (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Energieanlagen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
PERI Group-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Klettertechnik & Automation (m/w/d) PERI Group
Weißenhorn Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Sales Manager (m/w/d) Sorting Solutions Steuerungstechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Sicherheitstechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Gebäudetechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Produktentwickler / Konstrukteur (m/w/d) EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG
Wuppertal Zum Job 
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Straßenplanung und Entwurf Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Zweigniederlassungsleiter Großprojekte West (m/w/d) über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft
Nordrhein-Westfalen Zum Job 

Warum Wärmestrahlung schwer zu trennen ist

Dahinter steckt ein Grundprinzip der Physik: Viele Materialien nehmen Wärmestrahlung so auf, wie sie sie auch wieder abgeben. Eine Oberfläche, die Infrarotstrahlung aus einer bestimmten Richtung gut absorbiert, strahlt sie in der Regel auch in diese Richtung wieder gut ab. Absorption und Emission sind also miteinander gekoppelt. Fachleute sprechen hier von Reziprozität. Grundlage ist Kirchhoffs Gesetz der Wärmestrahlung.

Wer Wärme gezielt lenken will, muss diesen Zusammenhang aufbrechen. Dafür eignen sich magnetooptische Materialien. Bei ihnen verändert ein Magnetfeld, wie das Material mit Licht oder Infrarotstrahlung wechselwirkt. Dadurch kann es Strahlung aus der einen Richtung anders behandeln als Strahlung aus der Gegenrichtung.

Der neue Ansatz kombiniert diesen Effekt mit einem Phasenwechselmaterial. Das Bauelement soll dadurch nicht nur richtungsabhängig reagieren. Es soll seinen Zustand auch speichern können, selbst wenn keine Energie mehr zugeführt wird. Deshalb sprechen die Forschenden davon, Wärmeabstrahlung ähnlich wie Daten programmieren zu können.

Das Bauelement besteht aus InAs, GST und Silber

Im Kern ist das Bauelement ein Sandwich aus drei Funktionsschichten. Jede übernimmt eine eigene Aufgabe:

  • GST bildet oben ein feines Gitter.
  • InAs liegt darunter und dient als Wellenleiter.
  • Silber bildet die unterste Schicht und reflektiert die Strahlung zurück.

Der entscheidende Teil ist der InAs-Wellenleiter. InAs steht für Indiumarsenid. Der Halbleiter reagiert unter einem Magnetfeld anders auf Licht und Infrarotstrahlung. Genau das nutzt das Modell, um Strahlung aus einer Richtung anders zu behandeln als Strahlung aus der Gegenrichtung.

Das GST-Gitter übernimmt die Schaltfunktion. GST steht für Ge₂Sb₂Te₅, eine Verbindung aus Germanium, Antimon und Tellur. Das Material kann zwischen zwei Zuständen wechseln: einem ungeordneten amorphen und einem geordneten kristallinen Zustand. Dabei ändern sich seine optischen Eigenschaften.

Vorteil der Funktionsschichten

Der Vorteil: GST muss nicht dauerhaft mit Strom versorgt werden, um seinen Zustand zu halten. Einmal geschaltet, bleibt der Zustand erhalten. Aus der Speichertechnik ist dieses Prinzip bekannt, etwa von wiederbeschreibbaren optischen Datenträgern.

Im Bauelement soll GST deshalb wie ein optischer Schalter arbeiten. Je nach Zustand wird die richtungsabhängige Reaktion der Struktur ein- oder ausgeschaltet.

Die berechnete Struktur arbeitet im mittleren Infrarotbereich. Besonders stark ist der Effekt laut Studie bei einer Wellenlänge von 13,24 µm. Bei einem Einfallswinkel von nur 3° und einem Magnetfeld von 1 T erreicht das Modell einen Nichtreziprozitätsfaktor von etwa 0,90. Einfacher gesagt: Die Struktur nimmt Infrarotstrahlung aus der einen Richtung deutlich anders auf als aus der Gegenrichtung.

Warum der kleine Winkel wichtig ist

Frühere Konzepte für nichtreziproke Wärmestrahlung brauchten häufig sehr große Einfallswinkel. Das ist für kompakte Bauelemente ungünstig. Je flacher die Strahlung auf eine Oberfläche trifft, desto schwieriger wird eine effiziente Nutzung im realen Aufbau. Die neue Arbeit zielt deshalb auf nahezu senkrechten Einfall. Der berechnete Effekt tritt bereits bei 3° auf.

Ganz senkrecht arbeitet das Konzept allerdings nicht mit maximalem Effekt. Die Studie beschreibt, dass bei exakt 0° die entgegengesetzten Strahlungskanäle symmetrisch werden. Für die simulierte Struktur liefert der kleine, aber endliche Winkel von 3° den nötigen Impulsanteil, um die Moden unterschiedlich anzuregen. Das ist technisch relevant, weil es den Abstand zu bisherigen Konzepten verringert, ohne in extreme Winkelbereiche zu gehen.

Die Nichtreziprozität entsteht dabei nicht durch eine einfache Beschichtung, sondern durch das Zusammenspiel aus Gitterstruktur, Wellenleitermoden und magnetooptischer Kopplung. Die Forschenden sprechen von geführten Modenresonanzen. Das Gitter koppelt die einfallende Infrarotstrahlung in diese Moden ein. Das Magnetfeld verschiebt die Resonanzbedingungen richtungsabhängig. Dadurch entsteht der starke Unterschied zwischen den beiden Einfallsrichtungen.

Schalten ohne dauerhaft Energie aufzuwenden

Der zweite wichtige Punkt ist die Speicherfunktion. Im Modell kann das GST-Gitter zwischen zwei Zuständen wechseln: amorph und kristallin. Je stärker das Material kristallisiert, desto stärker verändern sich Brechungsindex und optische Verluste. Dadurch nimmt der richtungsabhängige Effekt deutlich ab. Die Facharbeit beschreibt ein Umschalten des Nichtreziprozitätsfaktors von etwa 0,9 auf Werte unter 0,15 bei mehreren Resonanzwellenlängen.

Genau hier setzt der Vergleich mit der Datenspeicherung an. Gemeint ist nicht, dass Wärme selbst wie eine Datei gespeichert wird. Gespeichert wird vielmehr der Zustand des Bauelements. Es kann also festhalten, wie es auf Wärmestrahlung reagiert. Dieser Zustand bleibt erhalten, ohne dass dauerhaft Strom fließen muss.

Für mögliche Anwendungen wäre das interessant, wenn sich thermische Emissionen gezielt schalten lassen. Die Autoren nennen unter anderem rekonfigurierbare optische Isolatoren, Infrarotsensoren und photonische Speicher. Dabei geht es um Bauelemente, die Informationen nicht über elektrische Ladung, sondern über Licht und Wärme verarbeiten könnten. Noch ist das aber ein Ausblick. Realisiert ist diese Technik damit nicht.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.