Erdöfen im Einsatz 23.06.2025, 18:55 Uhr

Forscher enträtseln innovative Steinzeittechnik

Forschende entdecken: Menschen der Steinzeit nutzten Erdöfen, um Zähne unversehrt aus Kiefern zu lösen – für Schmuck, Erinnerung und Rituale.

Erdofen

Steinzeitmenschen nutzten Erdöfen, um Zähne für Schmuck vorsichtig zu lösen.

Foto: Smarterpix / brians101

Wie gewannen Menschen der Steinzeit unversehrte Tierzähne für ihren Schmuck? Eine neue Studie zeigt: Erdöfen halfen dabei, die Zähne schonend zu lösen. Forschende testeten verschiedene Techniken, um das Verfahren zu rekonstruieren – und entdeckten eine Verbindung zwischen Essenszubereitung, Handwerk und sozialem Leben.

Zahnschmuck als Spiegel der Gemeinschaft

Schon vor über 7.000 Jahren trugen Menschen Tierzähne als Schmuck. Ob um den Hals, an der Kleidung oder als Grabbeigabe – die Zähne waren mehr als nur Dekoration. In zahlreichen Gräbern aus der Mittelsteinzeit, besonders am Fundort Zvejnieki im Norden Lettlands, fanden Archäolog*innen solche Zahnanhänger in großer Zahl. Ein Doppelgrab enthielt sogar 332 Zähne von Wildschweinen, Hirschen, Elchen und weiteren Tieren.

Doch wie gelang es, die Zähne so unversehrt aus dem Kiefer zu lösen? Schließlich brechen sie leicht, wenn man sie mit Gewalt entfernen will. Eine neue Studie geht dieser Frage mit Mitteln der experimentellen Archäologie nach – und kommt zu einer unerwarteten Lösung: Der Schlüssel lag im Kochen. Genauer gesagt: im Garen ganzer Tierköpfe in Erdöfen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Innendienst (m/w/d) für die Ausschreibung und Vergabe im Schlüsselfertigbau GOLDBECK West GmbH
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 

Gräberfeld mit über 2000 Zähnen

Zvejnieki zählt zu den bedeutendsten steinzeitlichen Fundstätten Europas. Über 330 Gräber aus der Zeit zwischen 7500 und 2500 v. Chr. wurden dort untersucht. In mehr als 80 % der Bestattungen fanden sich Tierzähne – viele davon in auffälliger Anordnung im Bereich von Kopf und Brust. Die Zähne stammen von Pflanzenfressern wie Elchen oder Rehen, später auch von Raubtieren wie Hunden.

Viele dieser Zähne zeigen Spuren von Bohrungen, Politur oder Abnutzung durch Tragen. Die Frage war nur: Wie konnten diese empfindlichen Materialien überhaupt unbeschadet gewonnen werden?

Experimentelle Archäologie bringt Licht ins Dunkel

Ein internationales Team von Archäolog*innen testete sieben verschiedene Methoden, um Zähne aus echten Tierkiefern zu lösen. Darunter waren mechanische Varianten wie Schneiden, Hämmern oder das Lufttrocknen der Schädel. Auch das Kochen in Tontöpfen und das Einlegen in Wasser gehörten zu den getesteten Verfahren.

Die Resultate waren eindeutig. Direkte Hitze durch Feuer zerstörte die Zähne – sie wurden spröde und zerbrachen. Auch das Trocknen an der Luft zeigte kaum Wirkung. Nur mit Wasser und kontrollierter Hitze gelang es, die Zähne schonend zu lösen.

Steinzeitliche Zahngewinnung im Überblick

Fundort: Zvejnieki (Lettland), über 330 Gräber, 7500–2500 v. Chr.
Besonderheit: Mehr als 2.000 unversehrte Tierzähne als Schmuckbeigaben
Herausforderung: Zähne ohne Bruch aus dem Kiefer zu lösen
Effektivste Methode: Garen ganzer Tierköpfe in Erdöfen mit feuchter Hitze
Vorgehen: Heiße Steine, Tierhäute und Pflanzenmaterial zur Wärmespeicherung
Ergebnis: Zähne lösen sich nahezu rückstandslos
Zusatznutzen: Fleischverwertung, Knochen für Werkzeuge, Zähne als Schmuck
Vermutung: Zahnextraktion war Teil gemeinschaftlicher Mahlzeiten und Rituale

 

Erdöfen: Die effektivste Methode

Die überzeugendsten Ergebnisse erzielte das Garen in Erdöfen. Dabei wurden Tierköpfe mitsamt Haut und Fleisch in eine mit heißen Steinen vorbereitete Grube gelegt. Bedeckt mit Pflanzenmaterial und Erde wurden sie über Stunden gegart. Durch die feuchte Hitze lösten sich die Zähne beinahe von selbst aus dem Kiefer – ganz ohne sichtbare Spuren.

„Unsere Experimente zeigen, dass das Ziehen der Zähne ein bewusster, zeitkritischer Vorgang war, der fest in den Alltag, insbesondere in die Kochgewohnheiten, eingebettet war“, sagt Dr. Aija Macāne von der Universität Helsinki.

Mehr als nur Technik: Das soziale Element

Diese Zahngewinnung war offenbar kein separater Arbeitsschritt, sondern Teil des alltäglichen Kochens. Während das Fleisch gegart wurde, konnten die Zähne gewonnen werden – vielleicht auch gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Gemeinschaft. Dr. Aimée Little von der Universität York betont: „Diese Praxis zeigt, dass die Menschen der Steinzeit sich bewusst waren, dass es eine ‚richtige Art und Weise‘ gab, die Tierreste zu behandeln.“

Zahnschmuck war somit nicht nur Handwerk, sondern auch sozialer Ausdruck. Die gleichzeitige Nutzung von Fleisch, Knochen und Zähnen verweist auf einen ganzheitlichen Umgang mit dem Tier. Die Herstellung der Anhänger könnte Teil gemeinschaftlicher Rituale gewesen sein.

Wandel der Symbolik

Auch die Auswahl der Tiere änderte sich im Laufe der Jahrhunderte. In früheren Gräbern dominierten Pflanzenfresser wie Elche und Rehe. Später wurden häufiger Zähne von Raubtieren wie Hunden verwendet. Das lässt auf eine sich wandelnde Symbolik oder ein verändertes Tieraufkommen schließen. Denkbar ist auch, dass bestimmte Tiere mit besonderen Bedeutungen verknüpft waren – etwa Jagderfolg, Schutz oder Zugehörigkeit.

Auffällig ist, dass Zahnschmuck geschlechter- und altersübergreifend getragen wurde. Männer, Frauen und Kinder trugen ihn gleichermaßen. Besonders häufig lagen die Anhänger im Kopf- und Brustbereich der Gräber.

Technik trifft Erinnerung

Einige Gräber enthielten ganze Zahnsätze – möglicherweise von einem einzigen Tier. Das könnte darauf hinweisen, dass die Anhänger auch eine Art Erinnerung darstellten: an eine erfolgreiche Jagd oder ein gemeinsames Festmahl. Möglicherweise wurden die Zähne direkt nach dem Essen gelöst und weiterverarbeitet. Auch eine rituelle Bedeutung ist denkbar, zum Beispiel im Zusammenhang mit Bestattungen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.