Bis zu 90 % der Sonne verschwinden 09.08.2026, 20:56 Uhr

Sonnenfinsternis am 12. August: So beobachten und fotografieren Sie das Ereignis mit dem Smartphone

Die Sonnenfinsternis am 12. August fasziniert – doch ohne Schutz ist Beobachtung gefährlich. So sehen und fotografieren Sie das Ereignis sicher mit dem Smartphone.

Sonnenfinsternis über Amsterdam

Sonnenfinsternis über Amsterdam. Am 12. August 2026 ist das Himmelsspektakel erneut zu bestaunen:

Foto: Smarterpix / Lindrik

Am Mittwoch, 12. August 2026, schiebt sich der Mond vor die Sonne. In Deutschland bleibt die Sonnenfinsternis zwar partiell, sie fällt aber ungewöhnlich stark aus: Je nach Standort werden etwa 84 % bis mehr als 90 % der Sonnenscheibe verdeckt. Noch spektakulärer wird es für viele Urlauber. Wer sich derzeit in Spanien, auf Mallorca oder in Teilen Portugals und Islands aufhält, kann sogar eine totale Sonnenfinsternis erleben.

Allerdings findet die Finsternis am Abend statt. Die Sonne steht dann bereits tief. Neben einer geeigneten Sonnenfinsternisbrille ist deshalb ein freier Blick zum westlichen Horizont wichtig. Wer das Ereignis mit dem Smartphone festhalten möchte, sollte außerdem einen entscheidenden Punkt beachten: Das Smartphone ist kein Ersatz für eine Sonnenfinsternisbrille. Auch vor die Kamera gehört während der partiellen Phase ein geeigneter Sonnenfilter.

Wann ist die Sonnenfinsternis am 12. August in Deutschland zu sehen?

In Deutschland beginnt die partielle Sonnenfinsternis je nach Standort am frühen Abend. Laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) setzt sie auf Sylt bereits gegen 19:12 Uhr MESZ ein. Das Ende fällt vielerorts mit dem Sonnenuntergang zusammen. In Kleve geht die Sonne beispielsweise gegen 21:04 Uhr unter.

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Wie stark die Sonne verdeckt wird, hängt vom Standort ab. Grundsätzlich gilt: Je weiter südwestlich man sich befindet, desto größer ist die Bedeckung. Im Nordosten Deutschlands liegt sie bei rund 84 %, im Hochschwarzwald werden mehr als 90 % erreicht. Entlang einer Linie von Freiburg bis Konstanz nennt das DLR Werte um 90 %.

Für Köln gibt das DLR ein Maximum von 88,3 % gegen 20:13 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne dort nur noch etwa 6° über dem Horizont. Für Berlin nennt die NASA ein Maximum gegen 20:08 Uhr bei rund 85 % Bedeckung. Dort geht die Sonne noch während der Finsternis unter.

Damit wird der Standort fast ebenso wichtig wie die Wolkenlage. Ein Haus, eine Baumreihe oder ein Hügel im Westen kann ausreichen, um die tief stehende Sonne zu verdecken. Wer die Finsternis beobachten möchte, sollte sich deshalb vorher einen Platz mit möglichst freier Sicht in Richtung Westen suchen.

Warum die Finsternis trotz 90 % Bedeckung nicht total ist

90 % klingen zunächst beinahe nach einer totalen Sonnenfinsternis. Der Unterschied ist dennoch erheblich. Solange auch nur ein Teil der hellen Sonnenoberfläche sichtbar bleibt, handelt es sich um eine partielle Finsternis.

Die verbleibende Sonnensichel ist noch so hell, dass sie ohne geeigneten Augenschutz nicht direkt betrachtet werden darf. In Deutschland gibt es am 12. August zu keinem Zeitpunkt eine Phase, in der die Sonnenfinsternis gefahrlos mit bloßem Auge betrachtet werden kann.

Erst innerhalb der schmalen Totalitätszone bedeckt der Mond die sichtbare Sonnenscheibe vollständig. Während dieser kurzen Phase wird die wesentlich lichtschwächere Korona sichtbar. Nur während der vollständigen Totalität darf die Sonne kurz ohne Filter betrachtet werden. Sobald auch nur der erste helle Teil der Sonne wieder erscheint, ist der Schutz wieder erforderlich.

Sonnenfinsternis im Urlaub: Spanien hat diesmal einen Logenplatz

Für viele Deutsche fällt die Sonnenfinsternis mitten in den Sommerurlaub. Das macht den 12. August besonders interessant: Die Totalitätszone verläuft durch die nördliche Hälfte Spaniens und weiter über die Balearen. Außerdem erreicht sie einen kleinen Teil im Nordosten Portugals. Zuvor zieht der Kernschatten über Grönland und Island.

In Spanien wandert der Kernschatten von Nordwesten nach Osten über das Land. Zu den Städten innerhalb oder unmittelbar an der Totalitätszone gehören unter anderem A Coruña, León, Burgos, Valladolid, Zaragoza und Valencia. Auch Teile Mallorcas liegen in der Zone.

In León beginnt die partielle Phase laut NASA gegen 19:32 Uhr. Die Totalität setzt etwa um 20:28 Uhr ein und endet gegen 20:30 Uhr. In Zaragoza liegt die totale Phase etwa zwischen 20:29 und 20:30 Uhr, in Valencia zwischen ungefähr 20:32 und 20:33 Uhr. Die genauen Zeiten unterscheiden sich bereits innerhalb einer Region und sollten deshalb immer für den konkreten Standort geprüft werden.

Mallorca: Totale Sonnenfinsternis kurz vor Sonnenuntergang

Besonders interessant dürfte die Situation auf Mallorca sein. Dort fällt die totale Finsternis praktisch mit dem Sonnenuntergang zusammen. In Palma beginnt die Finsternis nach Angaben des spanischen Instituto Geográfico Nacional gegen 19:38 Uhr. Das Maximum wird gegen 20:32 Uhr erreicht.

Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne nur noch etwa 2° über dem Horizont. Ein Strand mit Blick nach Westen kann deshalb wesentlich besser geeignet sein als ein Standort hinter Gebäuden oder in bergigem Gelände. Gerade die Serra de Tramuntana kann den Blick auf die tief stehende Sonne je nach Standort frühzeitig versperren. Das DLR empfiehlt deshalb ausdrücklich, den Beobachtungsplatz auf den Balearen vorher zu prüfen.

Barcelona und Madrid: 99 % sind noch keine Totalität

Besondere Vorsicht ist bei pauschalen Aussagen zu einzelnen spanischen Städten angebracht. Die Grenze der Totalitätszone ist scharf. Wenige Kilometer können darüber entscheiden, ob die Sonne vollständig verschwindet oder eine extrem schmale Sichel stehen bleibt.

Für Barcelona nennt die NASA beispielsweise rund 99 % Bedeckung, für Madrid ebenfalls rund 99 %. Das ist optisch spektakulär, aber eben keine Totalität. In Teilen des Großraums Madrid kann die Grenze der Totalitätszone allerdings erreicht werden. Wer gezielt eine totale Sonnenfinsternis sehen möchte, sollte sich daher nicht auf den Stadtnamen verlassen, sondern die Position des Beobachtungsortes mit einer Finsterniskarte prüfen.

Was sieht man in Portugal, Frankreich und Italien?

Auch außerhalb der Totalitätszone ist die Finsternis in vielen beliebten Urlaubsregionen deutlich stärker als in Deutschland. Ein kleiner Bereich im äußersten Nordosten Portugals liegt sogar innerhalb der Totalitätszone. Für Lissabon gibt die NASA rund 95 % Bedeckung an.

Auch in Teilen Südfrankreichs werden nach Angaben des DLR mehr als 95 % erreicht. Weiter östlich nimmt die Bedeckung ab, bleibt aber vielerorts eindrucksvoll. Für Mailand nennt die NASA beispielsweise rund 92 %.

Die Kanarischen Inseln liegen dagegen ungünstiger, als ihre Lage im Süden zunächst vermuten lässt. Die ESA gibt dort je nach Insel nur Werte zwischen etwa 66 und 74 % an. Für die Sonnenfinsternis ist also nicht entscheidend, wie weit südlich ein Urlaubsort liegt, sondern wie nah er an der Bahn des Mondschattens liegt.

Sonnenfinsternis mit dem Smartphone beobachten: Reicht die Kamera?

Nein. Das Smartphone sollte nicht als Ersatz für eine Sonnenfinsternisbrille verwendet werden.

In älteren Empfehlungen wurde teilweise vorgeschlagen, sich mit dem Rücken zur Sonne zu stellen und das Ereignis über die Frontkamera auf dem Display zu verfolgen. Für die sichere Beobachtung ist das keine überzeugende Lösung. NASA und American Astronomical Society empfehlen für Aufnahmen der partiell verfinsterten Sonne ausdrücklich einen geeigneten Sonnenfilter vor der Kamera.

Das hat zwei Konsequenzen:

  • Wer selbst zur Sonne schaut, benötigt eine geeignete Sonnenfinsternisbrille.
  • Wer die Sonne mit Smartphone, Kamera, Fernglas oder Teleskop aufnimmt oder beobachtet, benötigt einen für das jeweilige optische Gerät geeigneten Sonnenfilter vor der Optik.

Eine normale Sonnenbrille reicht nicht. Auch besonders dunkle Sonnenbrillen bieten keinen ausreichenden Schutz. Die NASA verweist bei Sonnenfinsternisbrillen auf Produkte, die der internationalen Norm ISO 12312-2 entsprechen.

So fotografieren Sie die Sonnenfinsternis mit dem Smartphone

Ein Smartphone kann den Verlauf der Finsternis dokumentieren. Ohne zusätzliche Optik bleibt die Sonne auf vielen Aufnahmen allerdings relativ klein. Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich die Bildqualität verbessern.

1. Sonnenfilter vor der Kamera befestigen

Während der partiellen Phase gehört ein geeigneter Sonnenfilter vor das Kameraobjektiv. Er muss sicher sitzen und darf während der Aufnahme nicht verrutschen. Die American Astronomical Society empfiehlt ausdrücklich einen Filter vor der Smartphone-Kamera, wenn die teilweise verfinsterte Sonne fotografiert werden soll.

2. Optischen Telebereich nutzen

Besitzt das Smartphone eine separate Telekamera, ist sie für Detailaufnahmen sinnvoller als die Weitwinkelkamera. Reiner Digitalzoom vergrößert dagegen hauptsächlich bereits vorhandene Bildpunkte und liefert kaum zusätzliche Details.

3. Smartphone stabilisieren

Ein kleines Stativ oder eine feste Auflage erleichtert die Aufnahme. Das ist besonders während der Finsternis am 12. August hilfreich, weil die Sonne sehr tief steht und sich interessante Motive mit Gebäuden, Landschaft oder Meer ergeben.

4. Belichtung kontrollieren

Automatische Kamerasysteme können mit dem extrem hellen Motiv Schwierigkeiten haben. Falls die Kamera-App eine Belichtungskorrektur oder manuelle Steuerung erlaubt, sollte die Belichtung so reduziert werden, dass die Sonnensichel klar abgegrenzt bleibt.

5. Fokus und Belichtung speichern

Bei vielen Smartphones lassen sich Fokus und Belichtung durch längeres Antippen des Displays fixieren. Dadurch versucht die Kamera nicht bei jeder Aufnahme, die Belichtung neu auf den dunklen Himmel oder die Landschaft abzustimmen.

6. Nicht nur die Sonne fotografieren

Gerade am Abend können Aufnahmen der Umgebung interessanter sein als ein stark vergrößerter Sonnenkreis. Die tief stehende Sonnensichel über einer Landschaft, einem Gebäude oder dem Meer lässt sich auch mit einem Smartphone gut dokumentieren. Während einer Totalität verändern sich zudem Lichtstimmung und Helligkeit der Umgebung deutlich.

Darf der Filter während der Totalität abgenommen werden?

Das gilt nur für Beobachter innerhalb der tatsächlichen Totalitätszone.

Wenn der Mond die helle Sonnenscheibe vollständig bedeckt, kann die Korona für kurze Zeit ohne Sonnenfilter beobachtet und fotografiert werden. Die NASA weist jedoch darauf hin, dass der Schutz sofort wieder verwendet werden muss, sobald auch nur ein kleiner heller Teil der Sonne wieder erscheint.

Für Beobachter in Deutschland, Barcelona, Lissabon oder anderen Orten außerhalb der Totalitätszone stellt sich diese Frage nicht: Dort bleibt der Filter während der gesamten Finsternis notwendig.

Fernglas und Teleskop nur mit geeignetem Filter

Besonders gefährlich wird der ungeschützte Blick durch optisch vergrößernde Geräte. Kameraobjektive, Ferngläser und Teleskope bündeln das Sonnenlicht. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen schützt dann nicht ausreichend.

Der Filter muss stattdessen vor der Eintrittsöffnung des optischen Geräts angebracht sein. Die NASA warnt ausdrücklich davor, mit einer Finsternisbrille durch ein ungefiltertes Fernglas, Teleskop oder Kameraobjektiv zu schauen. Die konzentrierte Strahlung kann den Filter beschädigen und schwere Augenverletzungen verursachen.

Sonnenfinsternis ohne Brille beobachten: Die Lochkamera funktioniert

Wer keine geeignete Sonnenfinsternisbrille besitzt, kann die Finsternis indirekt beobachten. Eine der einfachsten Möglichkeiten ist eine Lochkamera.

Dafür reicht beispielsweise ein kleines Loch in einem Stück Karton. Das Sonnenlicht fällt durch die Öffnung auf eine zweite helle Fläche und erzeugt dort ein Bild der Sonnenscheibe. Während der Finsternis wird darauf die zunehmend schmale Sonnenform sichtbar.

Wichtig: Man schaut nicht durch das Loch in Richtung Sonne. Die Sonne befindet sich beim Beobachten im Rücken. Die NASA empfiehlt dieses Projektionsverfahren ausdrücklich als sichere Alternative für die partielle Phase. Selbst die kleinen Zwischenräume zwischen den Blättern eines Baumes können wie zahlreiche Lochkameras wirken und die Sonnensichel auf den Boden projizieren.

So entsteht eine Sonnenfinsternis. Foto: Smarterpix / vampy1

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis?

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Mond zwischen Erde und Sonne steht. Von der Erde aus erscheinen Sonne und Mond zufällig nahezu gleich groß. Deshalb kann der wesentlich kleinere Mond die rund 400-mal größere Sonne vollständig verdecken.

Der Kernschatten des Mondes trifft dabei nur auf einen relativ schmalen Bereich der Erdoberfläche. Beobachter innerhalb dieses Streifens erleben eine totale Sonnenfinsternis. Außerhalb davon erreicht lediglich der Halbschatten des Mondes die Erde. Dort bleibt die Finsternis partiell.

Am 12. August 2026 verläuft der Kernschatten unter anderem über Grönland, Westisland, die nördliche Hälfte Spaniens und einen kleinen Teil Portugals. In den meisten anderen Teilen Europas bleibt die Sonnenfinsternis partiell. Die maximale Totalität dauert auf der gesamten Finsternisbahn rund 2 Minuten und 18 Sekunden.

Eine so starke Sonnenfinsternis ist in Deutschland lange nicht mehr zu sehen

Die Finsternis vom 12. August 2026 ist auch für Deutschland außergewöhnlich. Nach Angaben des DLR wird hier erst am 13. Juli 2075 wieder ein ähnlich hoher Bedeckungsgrad erreicht.

Die letzte totale Sonnenfinsternis über Teilen Deutschlands fand am 11. August 1999 statt. Damals verlief die Totalitätszone unter anderem über Süddeutschland. Am 12. August 2026 bleibt Deutschland dagegen knapp außerhalb des Kernschattens.

Für Urlauber in Nordspanien, auf Teilen der Balearen oder im Westen Islands bietet sich dagegen schon jetzt die Gelegenheit, die Sonne für kurze Zeit vollständig hinter dem Mond verschwinden zu sehen. Voraussetzung sind freie Sicht, passendes Wetter – und bis zur Totalität der richtige Sonnenschutz.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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