Lichtverschmutzung 09.04.2026, 10:38 Uhr

Satellitendaten enthüllen: Die Erde leuchtet nachts anders als gedacht

Warum wird die Erde nachts heller, während Europa dunkler wird? Eine neue Studie zeigt überraschende Trends zur Lichtverschmutzung.

nächtlicher Blick auf die Erde

Der nächtliche Blick auf die Erde erfasst anhand der künstlichen Lichtemissionen die menschlichen Aktivitäten auf der östlichen Hemisphäre des Planeten. Das Bild basiert auf Satellitenaufnahmen, die in den vergangenen zehn Jahren täglich aufgenommen wurde.

Foto: Michala Garrison/NASA Earth Observatory

Wer nachts aus dem Flugzeugfenster blickt, sieht ein faszinierendes Netz aus Lichtpunkten. Lange Zeit galt in der Wissenschaft eine einfache Formel: Wo die Bevölkerung wächst, wird es auch kontinuierlich heller. Doch ganz so simpel ist die Realität nicht, wie eine aktuelle Untersuchung nun zeigt.

Ein internationales Team um die University of Connecticut und die NASA hat gemeinsam mit Forschenden aus Deutschland einen neuen Blick auf unseren Planeten geworfen. Die Ergebnisse, die am 8. April 2026 im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden, zeichnen ein widersprüchliches Bild. Anstatt eines einheitlichen Trends treten massive regionale Gegensätze zutage: Während es an vielen Orten tatsächlich strahlender wird, versinken andere Regionen fast schon in der Dunkelheit.

Der Blickwinkel macht den Unterschied

Dass wir heute genauer hinschauen können, liegt vor allem an der Datenbasis. Bisherige Studien arbeiteten meist mit Monats- oder Jahresmittelwerten. Das Problem dabei: Solche Durchschnittswerte bügeln kurzfristige Veränderungen glatt und schlucken wichtige Details. Vor allem der Blickwinkel des Satelliten kann Messungen massiv verzerren.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Geschäftsbereichsleitung (w/m/d) Planung - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr-Firmenlogo
Energie- und Gebäudetechnik / Maschinenbau (m/w/d) Master - Traineeprogramm Maschinenwesen, Staatsbauverwaltung des Freistaats Bayern Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
Bayernweit Zum Job 
RATISBONA-Firmenlogo
Tiefbauplaner / Bauingenieur für Tiefbau & Außenanlagen (m/w/d) RATISBONA
Regensburg Zum Job 
DYWIDAG-Systems International GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker für technische Produktlösungen (alle Geschlechtsidentitäten) DYWIDAG-Systems International GmbH
Porta Westfalica Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Projektmanager* Technische Infrastruktur DFS Deutsche Flugsicherung
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Elektrotechnik TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG
Düsseldorf Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales and Project Management (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Maschinenbauingenieur (m/w/d) im Bereich Digitale LED-Anlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
ASG Abwasserentsorgung Salzgitter GmbH-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) der Abwasserentsorgung ASG Abwasserentsorgung Salzgitter GmbH
Salzgitter Zum Job 
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 

Für die aktuelle Analyse nutzten die Fachleute deshalb erstmals tägliche Satellitenbilder auf globaler Ebene. Prof. Dr. Christopher Kyba von der Ruhr-Universität Bochum erklärt den Fortschritt so: „Zum ersten Mal wurden zu diesem Zweck auf globaler Ebene tägliche Satellitenbilder verwendet.“

Der Clou ist ein neuer Algorithmus, der berechnet, aus welchem Winkel der Satellit gerade auf die Erde herabschaut. Das ist entscheidend, denn ein Wohngebiet wirkt allein durch eine schräge Perspektive oft heller, als es eigentlich ist. In dichten Innenstädten mit hohen Häuserschluchten verhält es sich meist genau umgekehrt. Erst durch diese mathematische Korrektur lässt sich sauber trennen, was eine echte Veränderung am Boden ist und was nur ein optischer Effekt der Messung war.

Globale Zunahme, aber kein einheitlicher Trend

Betrachtet man die nackten Zahlen, scheint sich das bekannte Bild zunächst zu bestätigen: Zwischen 2014 und 2022 nahm die nächtliche Beleuchtung weltweit um rund 2 % pro Jahr zu. Insgesamt leuchtet die Erde damit heute um etwa 16 % stärker. Doch dieser Mittelwert erzählt nur die halbe Geschichte. Christopher Kyba ordnet die Dynamik ein:

„Zwar ist weltweit ein Anstieg von insgesamt 16 % zu verzeichnen, doch das bedeutet nicht, dass es überall zu einer Aufhellung kommt. In den Gebieten, in denen eine Aufhellung zu beobachten ist, stiegen die Emissionen um 34 %. Dies wurde durch einen Rückgang der Emissionen um 18 % in anderen Gebieten ausgeglichen.“

Die Lichtemissionen verschieben sich also räumlich extrem stark. Wir beobachten dabei drei wesentliche Muster:

  • Wachstum: In Indien und China treibt die massive Urbanisierung das nächtliche Leuchten ungebremst nach oben.
  • Rückgang: Europa wird überraschenderweise insgesamt etwas dunkler (−4 %). Ein Extrembeispiel ist Frankreich mit einem Minus von 33 %. Dort schalten viele Kommunen die Beleuchtung nach Mitternacht konsequent ab, um Energie zu sparen.
  • Stagnation: In Deutschland halten sich die Entwicklungen fast die Waage. Während einige Regionen deutlich heller wurden (+8,9 %), verzeichneten andere einen Rückgang um 9,2 %.

Was Satelliten sehen – und was sie übersehen

Die Daten stammen vom Instrument VIIRS DNB, das auf mehreren US-Satelliten installiert ist. Doch so modern die Technik auch ist, sie hat eine Schwachstelle: Satelliten messen Licht anders als das menschliche Auge. Besonders der globale Umstieg auf LED-Technik macht die Interpretation schwierig.

LEDs strahlen oft viel blaues Licht aus. Genau in diesem Spektralbereich sind viele aktuelle Sensoren jedoch weniger empfindlich. Das führt zu zwei Effekten: Tatsächliche Helligkeitszunahmen bleiben für den Satelliten unsichtbar, während scheinbare Rückgänge lediglich technische Messgrenzen widerspiegeln. Zudem beobachten wir oft einen „Rebound-Effekt“: Weil moderne Lampen effizienter sind, werden oft einfach mehr davon installiert, was die Energieeinsparung wieder auffrisst.

Mehr als nur ein Umweltindikator

Für Ingenieurinnen und Ingenieure liefern diese Daten weit mehr als nur Informationen zur Lichtverschmutzung. Sie sind ein Indikator für Infrastruktur, wirtschaftliche Aktivität und sogar für Krisen. So lässt sich am nächtlichen Licht etwa der Rückgang der Versorgung in der Ukraine seit Kriegsbeginn fast metergenau ablesen.

Bisher verlassen wir uns dabei vor allem auf Technik aus den USA und China. Christopher Kyba sieht hier eine Lücke für Europa: „Künstliches Licht ist nachts ein wichtiger Stromverbraucher, und Lichtverschmutzung beeinträchtigt Ökosysteme. Es ist wichtig zu verstehen, wie sich beides verändert.“ Sein Team schlägt deshalb den Satelliten „Earth Explorer 13“ vor. Ein solches europäisches System könnte deutlich schärfer und empfindlicher messen – und uns endlich zeigen, was nachts wirklich auf unseren Straßen passiert.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.