Analyse eines römischen Wracks 24.04.2026, 06:59 Uhr

Pollen im Pech: So dichteten die Römer ihre Schiffe wirklich ab

Wie dichteten Römer ihre Schiffe ab? Pollenanalyse liefert überraschend präzise Antworten aus einem 2200 Jahre alten Wrack.

Blick auf die Ausgrabungsstätte im Bugbereich des Schiffswracks „Ilovik-Paržine 1“

Blick auf die Ausgrabungsstätte im Bugbereich des Schiffswracks „Ilovik-Paržine 1“. Im Vordergrund ist die Ladung aus Baumstämmen und Amphoren zu sehen. Archäologen arbeiten in der Nähe der Struktur des Bugkomplexes.

Foto: Adriboats © L. Damelet, CNRS/CCJ

Schiffsrümpfe mussten schon in der Antike dicht bleiben. Salzwasser, Mikroorganismen und holzbohrende Tiere griffen das Material permanent an. Trotzdem richtete sich die Forschung lange fast ausschließlich auf das Holz antiker Wracks. Die Beschichtungen des Rumpfes spielten nur eine Nebenrolle. Genau dort setzt eine aktuelle Studie an.

Ein Forschungsteam aus Frankreich und Kroatien untersuchte das Wrack „Ilovik–Paržine 1“. Das Schiff aus der Zeit der Römischen Republik sank vor rund 2200 Jahren vor der heutigen kroatischen Küste. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Frontiers in Materials, zeigen, wie gezielt römische Schiffbauer Materialien auswählten und einsetzten – und wie sich Reparaturen entlang der Route nachweisen lassen.

Harz als technische Basis

Für die Analyse nutzten die Forschenden Massenspektrometrie. Die Methode erlaubt es, organische Stoffe bis auf Molekülebene zu identifizieren. Insgesamt nahmen sie zehn Proben von der Außenhaut des Wracks.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
RSE+ Architekten Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Bauleiter Hochbau, Baumanagement - LPH 6-9, Industrie & Gewerbe (m/w/d) RSE+ Architekten Ingenieure GmbH
Stuttgart, Kassel, Göttingen Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement Universität zu Köln
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte wpd infrastruktur GmbH
wpd construction GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) wpd construction GmbH
Bietigheim-Bissingen Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung Universität zu Köln
BS+P INGENIEURE-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) für Statik und Tragwerksplanung BS+P INGENIEURE
Stuttgart Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Ingenieur oder Techniker (m/w/d) HKLS im Bundesbau Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 

In allen Proben dominiert ein Stoff: erhitztes Nadelbaumharz. Dieses sogenannte Pech bildete die Grundlage der Abdichtung. Es schützt das Holz vor Wasser und wirkt gleichzeitig als Barriere gegen biologische Angriffe.

Eine Probe zeigt eine Abweichung. Dort mischten die Schiffbauer dem Harz zusätzlich Bienenwachs bei. Solche Kombinationen sind aus antiken Quellen bekannt. In der Fachliteratur wird diese Mischung als „Zopissa“ bezeichnet.

Und so funktioniert sie: Das Wachs macht die Beschichtung elastischer, verbessert die Haftung auf dem Holz und erleichtert das Auftragen im erhitzten Zustand. Es handelt sich also nicht um eine improvisierte Lösung, sondern um eine gezielte Materialoptimierung.

Dr. Armelle Charrié, Archäometristin in Straßburg und Erstautorin der Studie, sagt: „In der Archäologie wird organischen Abdichtungsmaterialien wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei sind sie für die Schifffahrt auf See oder auf Flüssen unverzichtbar und echte Zeugen vergangener Schifffahrtstechnologien.“

Pollen als geographische Spur

Die chemische Analyse liefert nur einen Teil der Information. Entscheidend wird die Kombination mit der Pollenanalyse. Pech wirkt wie ein Speicher: Während der Verarbeitung bindet es Partikel aus der Umgebung. Dazu gehört auch Blütenstaub.

In den untersuchten Proben findet sich eine breite Mischung unterschiedlicher Pflanzen:

  • Steineichen und Kiefern
  • Oliven- und Haselsträucher
  • Erlen und Eschen aus Uferzonen
  • geringe Anteile von Tanne und Buche

Diese Kombination ist typisch für mediterrane Buschlandschaften, das sogenannte Matorral, ergänzt durch Küsten- und Flussbereiche. Gleichzeitig deuten einzelne Pollen auf höher gelegene Regionen im Hinterland hin.

Interessant wird der Vergleich zwischen den Proben. Die chemische Zusammensetzung bleibt weitgehend gleich. Die Pollen unterscheiden sich jedoch deutlich. Genau daraus lässt sich ableiten, dass das Material zwar ähnlich aufgebaut ist, aber an verschiedenen Orten verarbeitet wurde.

Reparaturen entlang der Route

Auch die Struktur der Beschichtung liefert Hinweise auf die Nutzung des Schiffs. Am Rumpf lassen sich vier bis fünf Schichten unterscheiden. Heck und Mittelteil tragen eine einheitliche Beschichtung. Am Bug liegen mehrere unterschiedliche Lagen übereinander. Der vordere Bereich eines Schiffs ist mechanisch stärker belastet. Schäden treten dort häufiger auf.

Die unterschiedlichen Schichten passen zu wiederholten Reparaturen. Die Besatzung hat den Rumpf im laufenden Betrieb ausgebessert – vermutlich immer dort, wo es notwendig war.

Frühere Analysen des Ballasts verorten den Bau des Schiffs im heutigen Brindisi. Ein Teil der Beschichtung dürfte dort entstanden sein. Andere Schichten wurden später ergänzt. Die Pollen deuten auf Orte entlang der nordöstlichen Adriaküste hin, also in der Region, in der das Wrack gefunden wurde.

Dr. Charrié ordnet das ein: „Es scheint zwar offensichtlich, dass Schiffe, die lange Strecken zurücklegen, Reparaturen benötigen, doch ist es einfach nicht leicht, dies nachzuweisen. Pollen waren sehr hilfreich bei der Identifizierung verschiedener Beschichtungen, deren molekulare Profile identisch waren.“

Mehr als nur Abdichtung

Die Untersuchung zeigt, dass römische Schiffbauer ihre Materialien gezielt auswählten und kombinierten. Harz und Wachs wurden nicht zufällig eingesetzt. Die Eigenschaften der Mischung waren bekannt und wurden praktisch genutzt.

Gleichzeitig erweitert die Methode den Blick auf antike Schiffe. In den Beschichtungen stecken Informationen, die bisher kaum genutzt wurden:

  • Orte der Verarbeitung
  • zeitliche Abfolge von Reparaturen
  • regionale Unterschiede im Schiffbau
  • Bewegungen entlang von Handelsrouten

Die Beschichtung wird damit zur Datenquelle. Sie ergänzt die Informationen, die sich aus Holz, Konstruktion oder Ladung gewinnen lassen. Gerade bei Schiffen, die über lange Zeiträume genutzt wurden, entsteht so ein deutlich vollständigeres Bild ihrer Geschichte.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.