Kryptografie 27.05.2026, 18:55 Uhr

Diese Quanten-Zufallszahlen sollen niemals berechenbar sein

Forschende der ETH Zürich erzeugen mithilfe verschränkter Qubits Zufallszahlen, die dauerhaft unvorhersagbar bleiben sollen.

ndreas Wallraff und Renato Renner (v.l.n.r.) neben der 30 Meter langen Verbindung zwischen zwei Quantenchips

Andreas Wallraff und Renato Renner (v.l.n.r.) neben der 30 Meter langen Verbindung zwischen zwei Quantenchips. Mit diesem Experiment erzeugten Forscher der ETH erstmals zertifizierte perfekte Zufälligkeit.

Foto: Kilian Kessler / ETH Zurich

Computer können vieles zuverlässig berechnen. Wirklich zufällige Zahlen gehören allerdings nicht dazu. Genau das wird zunehmend zum Problem. Denn moderne Verschlüsselungssysteme hängen davon ab, dass sich bestimmte Zahlenfolgen nicht vorhersagen lassen.

Forschende der ETH Zürich haben nun gezeigt, wie sich Zufälligkeit mithilfe der Quantenphysik deutlich robuster erzeugen lässt. Das Team um Renato Renner und Andreas Wallraff entwickelte dafür ein Verfahren, das statistische Schwächen einer Zufallsquelle nachweisbar reduziert. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Nature.

Warum perfekter Zufall so schwierig ist

Viele Zufallszahlengeneratoren wirken auf den ersten Blick zuverlässig. Tatsächlich zeigen sie jedoch oft kleine statistische Verzerrungen. Manche Zahlen treten geringfügig häufiger auf als andere.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG
Düsseldorf Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales and Project Management (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Maschinenbauingenieur (m/w/d) im Bereich Digitale LED-Anlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Universitätsklinikum Leipzig-Firmenlogo
Projektleitung / Fachingenieur (m/w/d) - Schwachstromtechnik im Bereich 5 - Bau und Gebäudetechnik Universitätsklinikum Leipzig
Leipzig Zum Job 
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)-Firmenlogo
Projektleitung (m/w/d) für Hochbaumaßnahmen (Architekt/in o. Ingenieur/in) Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)
Frankfurt (Oder) Zum Job 
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 

Für einfache Anwendungen spielt das kaum eine Rolle. In der Kryptografie können solche Abweichungen jedoch gefährlich werden. Angreifende suchen gezielt nach Mustern, um Schlüssel oder verschlüsselte Daten besser vorhersagen zu können.

„Es mag seltsam erscheinen, aber es ist fast unmöglich, eine perfekte Münze oder einen perfekten Würfel herzustellen“, sagt Renner.

Selbst quantenbasierte Zufallszahlengeneratoren sind davon nicht automatisch ausgenommen. „Selbst moderne Zufallszahlengeneratoren, die auf quantenmechanischen Effekten wie der Reflexion von Photonen an Strahlteilern basieren, sind nicht völlig immun gegen einen solchen systematischen Fehler oder ‚Bias‘“, erklärt Wallraff.

Zwei Qubits liefern den Rohstoff für Zufall

Die ETH-Forschenden setzen deshalb auf ein Verfahren namens „Randomness Amplification“. Dabei entsteht aus einer unvollkommenen Zufallsquelle eine deutlich stärkere und mathematisch überprüfbare Zufälligkeit.

Herzstück des Experiments sind zwei supraleitende Quantenchips. Beide werden auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt gekühlt. Ein 30 Meter langer gekühlter Schlauch verbindet die Systeme miteinander.

Zwischen den Chips tauschen Mikrowellenphotonen Informationen aus. Dadurch entsteht eine sogenannte Quantenverschränkung. Vereinfacht gesagt bleiben beide Quantensysteme physikalisch miteinander verbunden, obwohl sie räumlich getrennt sind. Die Forschenden messen anschließend die Zustände der beiden Qubits. Dabei entstehen Folgen aus Nullen und Einsen.

Entscheidend ist dabei der Abstand zwischen den beiden Messstationen. Während der Messung soll ausgeschlossen werden, dass Informationen rechtzeitig zwischen den Qubits ausgetauscht werden können. Genau das ist wichtig, um versteckte klassische Einflüsse auszuschließen.

Verbesserter Bell-Test als Grundlage

Das Experiment basiert auf einem sogenannten Bell-Test. Solche Tests gelten seit Jahrzehnten als wichtige Methode, um quantenmechanische Effekte experimentell nachzuweisen. Neu an der Arbeit der ETH Zürich ist vor allem die Kombination aus hoher Messqualität und hoher Geschwindigkeit.

„Möglich wurde dies durch einen verbesserten sogenannten Bell-Test mit gleichzeitig hoher Qualität und hoher Datenrate“, sagt Wallraff. Die eigentliche Verstärkung übernimmt anschließend ein spezieller mathematischer Algorithmus. Er extrahiert aus den Messdaten eine Zahlenfolge, deren Zufälligkeit sich statistisch zertifizieren lässt.

„Die resultierende Folge aus Nullen und Einsen ist nun wirklich vollkommen zufällig, und das können wir sogar zertifizieren“, sagt Renner.

Ganz absolut verstehen Forschende solche Aussagen allerdings nicht. Gemeint ist vielmehr, dass sich innerhalb der physikalischen Annahmen und Messgrenzen keine verwertbaren Muster mehr erkennen lassen.

Warum das für Verschlüsselung wichtig ist

Die Arbeit könnte langfristig für viele Bereiche relevant werden:

  • sichere digitale Kommunikation
  • Schutz digitaler Identitäten
  • quantensichere Kryptografie
  • Zufallsdienste für digitale Anwendungen
  • bestimmte Blockchain- und Sicherheitsanwendungen

Der Hintergrund ist einfach: Jede Verschlüsselung ist nur so stark wie ihre Zufallszahlen. Schwache Zufallsquellen können selbst moderne Sicherheitssysteme angreifbar machen.

Langfristig könnten zertifizierte Quantenzufallsquellen eine ähnliche Rolle übernehmen wie Atomuhren bei der Zeitmessung. Sie würden dann als physikalisch überprüfbare Referenz für digitale Sicherheit dienen.

Bis dahin bleibt allerdings noch viel Entwicklungsarbeit. Der aktuelle Aufbau benötigt supraleitende Qubits, komplexe Messtechnik und extreme Kühlung. Für den Einsatz in Alltagsgeräten ist das Verfahren derzeit noch nicht geeignet.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.