Bestätigung einer alten Theorie 26.08.2026, 15:30 Uhr

Was in Sternen passiert, zeigt sich erstmals in rotierendem Gallium

Forschende lassen flüssiges Gallium rotieren und weisen erstmals einen Strömungszustand nach, den Modelle für Sterne und Planeten vorhersagen.

glühender Stern

Im Inneren schnell rotierender Sterne entstehen komplexe Strömungsmuster. Einen für solche Himmelskörper charakteristischen Strömungszustand konnte ein internationales Forschungsteam nun erstmals experimentell nachweisen. Die künstlerische Visualisierung zeigt einen von turbulenten Strukturen geprägten Stern.

Foto: B. Schröder/HZDR

Ein 40 cm hoher Zylinder, knapp 20 cm breit und gefüllt mit flüssigem Gallium: Mit diesem vergleichsweise kleinen Versuchsaufbau haben Forschende einen Strömungszustand erzeugt, den Modelle seit Jahrzehnten für schnell rotierende Sterne und Planeten vorhersagen. In klassischen Laborversuchen ließ sich dieser Zustand bislang nicht eindeutig nachweisen.

Ein internationales Team unter Leitung der University of California, Los Angeles (UCLA) hat diese experimentelle Lücke nun geschlossen. Beteiligt war auch das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Die Studie erschien am 24. August 2026 in den Physical Review Letters.

Warum Strömungen in Sternen schwer nachzubilden sind

Im Inneren von Sternen und in den flüssigen Bereichen von Planeten wird Wärme unter anderem durch Konvektion transportiert. Wärmeres Material steigt auf, kühleres sinkt ab. Gleichzeitig rotieren die Himmelskörper. Dadurch entstehen komplexe Strömungen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
TenneT-Firmenlogo
Senior Projektleiter Data Center (m/w/d) TenneT
Lehrte bei Hannover Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur in der Bauwerksprüfung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung / Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* TGA - Heizungs-, Klima-, Kälte- & Lüftungstechnik DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Service-Projektingenieur (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
DTU Nanolab-Firmenlogo
Head of Thin Film Processing (f/m/d) DTU Nanolab
Kongens Lyngby Zum Job 
Hofmann Maschinen- und Anlagenbau GmbH-Firmenlogo
Zerspanungsmechaniker (m/w/d) Fachrichtung Schleiftechnik Hofmann Maschinen- und Anlagenbau GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Projektingenieur*in (TGA) im Bereich Elektrotechnik (w/m/d) Abteilung 53 - Technisches Gebäudemanagement Universität zu Köln
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau/ Brückenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen (nahe Siegen) Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
A.S.T. Angewandte System Technik GmbH Energie & Umwelttechnik-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik / Energietechniker (w/m/d) A.S.T. Angewandte System Technik GmbH Energie & Umwelttechnik
Wolnzach Zum Job 
Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse | Beratende Ingenieure PartG mbB-Firmenlogo
Fachplaner Versorgungstechnik / HKLS / TGA (m/w/d) Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse | Beratende Ingenieure PartG mbB
Karlsruhe Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
Ingenieurbüro Fast und Partner-Firmenlogo
Ingenieur/in für Straßen- und Tiefbau (m/w/d) Ingenieurbüro Fast und Partner
Mannheim Zum Job 
Lederer GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter m/w/d für den Bereich Technischer Support Lederer GmbH
Ennepetal Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Verkehrszentrale und Telematik Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg-Fischbach Zum Job 
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)-Firmenlogo
Gruppenleiter:in Betriebsorganisation und Infrastruktur (w/m/d) Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für die Projektleitung im Konstruktiven Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 

Solche Prozesse spielen auch bei der Entstehung planetarer Magnetfelder eine Rolle. Wie wichtig Strömungen im Inneren eines Planeten sind, zeigt etwa die Forschung zum Erdmagnetfeld ohne festen inneren Kern.

Für sehr schnell rotierende Systeme sagen theoretische Modelle einen besonderen Grenzfall voraus: die diffusivitätsfreie rotierende Konvektion. Der Begriff klingt komplizierter, als das Prinzip ist. Viskosität und Wärmeleitung verschwinden dabei nicht. Für die großräumige Strömung sollen sie aber immer weniger bestimmend werden. Stattdessen prägen vor allem Rotation und Auftrieb das Verhalten der Flüssigkeit. Im Labor ließ sich dieser Zustand bislang nur schwer nachweisen.

Warum normale Versuche an ihre Grenzen kommen

Für solche Experimente wird häufig eine Flüssigkeit von unten erwärmt und von oben gekühlt. Gleichzeitig rotiert das Gefäß um seine vertikale Achse. Das Problem entsteht an den Begrenzungsflächen. Dort bilden sich dünne Grenzschichten, in denen Reibung und Wärmeleitung besonders stark wirken. Diese Effekte beeinflussen den Wärmetransport und können den gesuchten Strömungszustand überdecken.

Das Team um Jewel Abbate von der UCLA wählte deshalb einen anderen Strömungszustand. Das Gallium bewegt sich dabei nicht gleichmäßig, sondern die Strömung pulsiert beziehungsweise schwingt. Dieser Effekt tritt besonders bei schnell rotierenden Flüssigkeiten auf, in denen sich Wärme deutlich schneller ausbreitet als Bewegungsimpulse. Flüssige Metalle wie Gallium eignen sich dafür besonders gut.

Für die Forschenden hatte diese schwingende Strömung einen wichtigen Vorteil: Sie wird stärker durch die Temperaturunterschiede im Inneren der Flüssigkeit geprägt als durch die Vorgänge direkt an den Begrenzungsflächen. Dadurch ließ sich der theoretisch vorhergesagte Bereich erstmals deutlich untersuchen.

Ein rotierender Zylinder voller Gallium

Für die Experimente nutzte das Team die RoMag-Anlage an der UCLA. Die Versuchszelle besteht aus einem Edelstahlzylinder zwischen zwei Kupferblöcken. Der Zylinder ist 40 cm hoch und hat einen Durchmesser von knapp 20 cm. Von unten wird Wärme zugeführt, während ein Wärmetauscher die Oberseite kühlt. Die gesamte Versuchszelle rotiert um ihre vertikale Achse.

Temperatursensoren erfassten das Temperaturgefälle zwischen Ober- und Unterseite sowie Schwankungen im Inneren des Galliums. Zusätzlich bestimmten die Forschenden mit Ultraschall, wie schnell sich die Flüssigkeit vertikal bewegte.

So konnten sie nicht nur messen, wie viel Wärme durch das Gallium transportiert wurde, sondern gleichzeitig beobachten, wie sich Strömung und Temperatur im Inneren veränderten.

Forscher vom HZDR war an den Experimenten beteiligt

Während zweier Forschungsaufenthalte an der UCLA war Dr. Tobias Vogt vom HZDR-Institut für Fluiddynamik an den Experimenten und Messungen beteiligt.

Für den Nachweis verglich das Team drei voneinander unabhängige Kenngrößen mit den theoretischen Vorhersagen:

  • den Wärmetransport,
  • die Strömungsgeschwindigkeit,
  • die Temperaturschwankungen im Inneren der Flüssigkeit.

Alle drei stimmten quantitativ mit den Modellen überein. Hochauflösende numerische Simulationen bestätigten die Ergebnisse zusätzlich.

Vogt fasst die Bedeutung der Arbeit so zusammen:

„Die besondere Stärke unserer Arbeit liegt darin, dass Theorie, Experiment und numerische Simulationen nun quantitativ übereinstimmen. Damit konnten wir experimentell bestätigen, dass die zugrunde liegenden physikalischen Modelle den beobachteten Wärmetransport sehr gut beschreiben. Dadurch können wir solche Modelle nun mit deutlich größerem Vertrauen auch auf das Innere von Planeten und Sternen anwenden.“

Frühere Messungen ergänzen die neuen Daten

Für ihre Auswertung griffen die Forschenden nicht nur auf die aktuelle Messkampagne zurück. Sie bezogen auch frühere Experimente mit anderen Abmessungsverhältnissen der Versuchszelle ein.

Dabei zeigte sich, dass sich die gemessenen Strömungen unter bestimmten Geometrien noch stärker den theoretischen Vorhersagen annäherten. Der Vergleich stärkt damit die Annahme, dass die beobachteten Skalierungsgesetze kein Sonderfall eines einzelnen Versuchsaufbaus sind.

Was sich aus dem Experiment ableiten lässt

Der Gallium-Zylinder bildet weder einen Stern noch den Erdkern im verkleinerten Maßstab nach. Sein Nutzen liegt darin, physikalische Modelle unter kontrollierten Bedingungen zu überprüfen.

Bei Sternen und Planeten herrschen Bedingungen, die sich im Labor nicht direkt herstellen lassen. Forschende müssen deshalb aus Experimenten und Simulationen ableiten, wie sich Strömungen bei wesentlich größeren Dimensionen und stärkeren Rotationen verhalten.

Auch beim Erdinneren sind solche Modelle unverzichtbar. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass sich Strömungen im äußeren Erdkern verändern und sogar ihre Richtung wechseln können. Darüber berichtet ingenieur.de im Beitrag zur Strömungsumkehr im äußeren Erdkern.

Quellen

  • Physical Review Letters, 24.08.2026: Originalstudie „Diffusivity-Free Turbulence in Liquid Metal Rotating Rayleigh-Bénard Convection Experiments“ – experimenteller Nachweis, Messgrößen, Simulationen und Autoren. Zur Studie
  • Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf / Informationsdienst Wissenschaft, 26.08.2026: Presseinformation zur deutschen Beteiligung von Tobias Vogt und zur Bedeutung der Ergebnisse für geophysikalische und astrophysikalische Modelle. Zur Presseinformation
  • arXiv: Volltextfassung mit Angaben zum RoMag-Versuchsaufbau, zu Abmessungen, Messverfahren, Prandtl-Zahl und Zellgeometrien. Zum Preprint

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.