Vergangenheit trifft Zukunft 08.01.2025, 14:15 Uhr

Drohnen lüften Geheimnisse einer riesigen Festung aus der Bronzezeit

Was vom Boden aus nicht möglich war, haben Forschende aus der Luft geschafft: Sie entdeckten verschiedene Geheimnisse einer Mega-Festung im Kaukasus.

Festung Kaukasus

Blick von oben auf die Festungsanlage: Im Vordergrund sind die Ausgrabungen der inneren Festung aus dem Jahr 2023 zu sehen.

Foto: Nathaniel Erb-Satullo

Mit Hilfe moderner Drohnentechnologie ist es Wissenschaftlern gelungen, eine bronzezeitliche Festung im Kaukasus in völlig neuem Licht zu sehen. Dr. Nathaniel Erb-Satullo von der Cranfield University in Großbritannien und Dimitri Jachvliani vom Georgischen Nationalmuseum arbeiten seit 2018 daran, die Festungsanlage „Dmanisis Gora“ zu erforschen. Die Stätte, die ursprünglich viel kleiner eingeschätzt wurde, entpuppte sich als riesige Siedlung mit einer Fläche, die über 40-mal größer ist als bisher angenommen.

Eine Festung zwischen Kulturen und Zeiten

Die Region des Südkaukasus, an der Schnittstelle von Europa, der eurasischen Steppe und dem Nahen Osten, war bereits in der Bronzezeit ein kultureller Knotenpunkt. Zwischen 1500 und 500 v. Chr. entstanden hier zahlreiche Festungssiedlungen, die sich durch ihre Größe und Komplexität auszeichnen. Dmanisis Gora, eine Festung auf einem strategisch gelegenen Felsvorsprung zwischen zwei tiefen Schluchten, ist ein Paradebeispiel für diese beeindruckenden Bauwerke.

„Diese Stätte hat das Potenzial, unser Verständnis von Urbanisierung und gesellschaftlicher Entwicklung in der Bronzezeit grundlegend zu verändern“, erklärt Dr. Erb-Satullo.

Drohnen eröffnen neue Perspektiven

Bei ersten Grabungen auf dem Gelände wurde schnell klar, dass die Festung weit größer war als angenommen. Vom Boden aus war es jedoch nahezu unmöglich, das gesamte Gelände zu erfassen. Die Lösung: der Einsatz einer Drohne. Mit einer DJI Phantom 4 RTK-Drohne, die hochauflösende Luftbilder mit einer Positionsgenauigkeit von unter 2 cm liefert, kartierte das Team die gesamte Stätte.

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Die Drohne erstellte rund 11.000 Bilder, die mithilfe spezieller Software zu präzisen Höhenmodellen und Orthofotos zusammengesetzt wurden. Diese Daten ermöglichten es den Forschern, nicht nur die Ausmaße der Festung, sondern auch subtile topografische Merkmale wie Befestigungsmauern, Gräber und alte Feldsysteme zu identifizieren. Eine der überraschendsten Entdeckungen war eine über einen Kilometer lange Außenmauer, die eine große Siedlung um die innere Festung umschließt.

Ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft

Um die Veränderungen in der Landschaft über die Jahrhunderte zu verstehen, verglich das Team die Drohnenaufnahmen mit Fotos aus den 1960er Jahren, die von einem Spionagesatelliten während des Kalten Krieges aufgenommen wurden. Diese Analyse zeigte, welche Teile der Stätte durch moderne landwirtschaftliche Praktiken beschädigt wurden und welche Merkmale aus der Bronzezeit stammen.

„Drohnen haben es uns ermöglicht, die Bedeutung dieser Stätte umfassend zu erfassen und zu dokumentieren – etwas, das vom Boden aus niemals möglich gewesen wäre“, betont Dr. Erb-Satullo.

Erkenntnisse über eine komplexe Gesellschaft

Die umfassende Kartierung und Analyse eröffnet neue Einblicke in die Funktionsweise dieser antiken Gesellschaft. Laut den Forschern könnte die große Außensiedlung saisonal bewohnt worden sein und durch die Interaktion mit mobilen Hirten expandiert und geschrumpft sein. Zukünftige Studien sollen Details zu Bevölkerungsdichte, Viehhaltung und landwirtschaftlichen Praktiken liefern.

Zusätzlich zu den Luftaufnahmen haben Ausgrabungen auf dem Gelände bereits Tausende von Artefakten wie Tonscherben und Tierknochen zutage gefördert, die weitere Hinweise auf das Leben in dieser bronzezeitlichen Gemeinschaft geben. Die Forschung wurde unter anderem von der Düsseldorfer Gerda Henkel Stiftung finanziert.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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