Protest aus Ägypten 22.11.2013, 15:49 Uhr

Deutsche Amateur-Archäologen kratzen Steinsplitter aus der Cheops-Pyramide

Zwei deutsche Amateur-Archäologen haben in einer Kammer der Cheops-Pyramide Farbe von der Wand gekratzt und zur Untersuchung in ein Labor nach Dresden gebracht. Das ägyptische Ministerium für Altertümer protestiert scharf gegen die ungenehmigte Probenentnahme.

Ein ägyptischer Polizist auf einem Kamel reitet vor den Pyramiden von Gizeh. Aus einer Kammer der Cheops-Pyramide haben deutsche Amateur-Archäologen ohne Genehmigung Farbe von der Wand gekratzt. Das ägyptische Ministerium für Altertümer will sie deshalb international zur Fahndung ausschreiben.

Ein ägyptischer Polizist auf einem Kamel reitet vor den Pyramiden von Gizeh. Aus einer Kammer der Cheops-Pyramide haben deutsche Amateur-Archäologen ohne Genehmigung Farbe von der Wand gekratzt. Das ägyptische Ministerium für Altertümer will sie deshalb international zur Fahndung ausschreiben.

Foto: dpa/Khaled Elfiqi

Damit haben die beiden selbsternannten Experten Dominique Görlitz und Stefan Erdmann aller Voraussicht nach weder sich noch den deutschen Profi-Ägyptologen einen Gefallen getan. In der obersten Entlastungskammer der großen Pyramide von Gizeh hackten sie Spuren einer roten Inschrift heraus und schafften die Proben nach Deutschland, wo sie untersucht werden sollen. Auch wenn es sich „nur“ um millimetergroße Stücke handelt, reagierte Mohammed Ibrahim, der Minister für Altertümer, in Kairo äußerst empfindlich auf die rabiate Art der Forschung.

„Geheimnis der Cheops Pyramide lüften“

Das Projekt, das den sogenannten Experimentalarchäologen und studierten Biologen Görlitz und den Buchautor Erdmann nach Ägypten führte, nennen die beiden das „Cheops Projekt“. Es soll das „Geheimnis der Cheops Pyramide lüften“. 1837 hatte der britische Forscher Howard Vyse in den oberen Kammern der Pyramide Arbeiter-Graffiti entdeckt, in denen auch der Name des Cheops (Regierungszeit etwa 2620 bis 2580 v. Chr.) in roter Farbe aufgemalt war. Die Vermutung, dass Vyse selbst die Hieroglyphen dort angebracht hatte, um seine Entdeckung bedeutsamer erscheinen zu lassen, hat es immer wieder gegeben.

Wollen das Geheimnis der Cheops-Pyramide lüften: Dominique Görlitz und Stefan Erdmann (v.l.n.r.).

Wollen das Geheimnis der Cheops-Pyramide lüften: Dominique Görlitz und Stefan Erdmann (v.l.n.r.).

Foto: indiegogo/Görlitz

Görlitz und Erdmann haben es sich nach eigenen Aussagen „zur Aufgabe gemacht, die Echtheit der Kartusche auf Basis neuester Untersuchungs- und Datierungsmethoden zu bestimmen“. Im April reisten sie nach Ägypten, verschafften sich Zugang zu den Kammern der Cheops-Pyramide, die normalerweise nicht-öffentlich sind und kratzten Spuren der Deckenbemalung ab. Dem Nachrichtenmagazin Spiegel online erklärten sie jetzt, das Abkratzen sei eine „spontane Entscheidung“ gewesen. Was Minister Ibrahim allerdings nicht davon abgehalten hat, den Generalstaatsanwalt aufzufordern, gegen die Deutschen zu ermitteln. Die Pyramide sei eben kein Steinbruch, in dem sich jeder Hobbyforscher nach Lust und Laune etwas mitnehmen könne.

Herausgekommen war die unwissenschaftliche Aktion durch ein Video, das Görlitz und Erdmann zeigt, wie sie mit Hammer und Meißel in der Kammer der Cheops-Pyramide zugange sind. Das Video, das auch auf YouTube zu sehen war, ist inzwischen nicht mehr verfügbar. Eigentlich sollte es zu Werbezwecken dienen, denn Görlitz und Erdmann wollen einen Dokumentarfilm über das „Cheops Projekt“ drehen. Der Versuch, die Finanzierung des Filmes über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo zu sichern, ist allerdings gescheitert. Von den angestrebten 46.000 Euro waren bis zum Ende der Kampagne am 31. Oktober dieses Jahres gerade einmal 928 Euro zusammengekommen.

Zu wenig Kohlenstoff für die Radiokarbonmethode

Nun liegen die Farbsplitter beim Fresenius-Institut, das ebenfalls ein Problem damit hat. Die Krümel seien so klein, dass es schwierig sei, die Radiokarbonmethode zur Altersbestimmung anzuwenden. Der Kohlenstoffanteil sei zu gering.

Die Materialprobe.

Die Materialprobe.

Foto: indiegogo/Görlitz

Die aufgrund des Reiseverbots der Nofretete-Büste ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Deutschland und der ägyptischen Altertümer-Verwaltung wird dieser Vorfall sicher nicht verbessern. Professionelle Ägyptologen werden sich ebenfalls die Haare raufen. Für ihre Forschungsprojekte werden die lange vorher gestellten Anträge von ägyptischer Seite genauestens geprüft. Eventuell genehmigte und dann entnommene Proben müssen in Ägypten selbst untersucht werden. Nur, wenn sich bestimmte Tests im Lande nicht durchführen lassen, dürfen die Proben mit Sondergenehmigung ins Ausland kommen. Minister Mohammed Ibrahim hat inzwischen ein generelles Verbot für private Besuche an allen archäologischen Stätten, die nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, erlassen.

Von Gudrun von Schoenebeck

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