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Ausgerechnet durch Kletterschuhe: Chemikalien in Kletterhallen

29. April 2025

Chemie in Kletterschuhen
Die Luft in Boulderhallen kann durch den Abrieb von Kletterschuhen stark mit Chemikalien belastet sein.
Foto: PantherMedia / ArturVerkhovetskij
Klettern gilt als gesunder Sport – doch Forschende haben in Boulderhallen hohe Konzentrationen bedenklicher Chemikalien aus dem Abrieb von Kletterschuhen entdeckt. Was bedeutet das für die Gesundheit? Und wie reagieren Hallenbetreiber?
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Wer sich in einer Kletterhalle sportlich betätigt, rechnet meist nicht damit, schädlichen Stoffen ausgesetzt zu sein. Doch aktuelle Untersuchungen zeigen: Kletterschuhe enthalten Chemikalien, die durch den Abrieb der Sohlen in die Luft gelangen und von den Sportlerinnen und Sportlern eingeatmet werden können. In einer neuen Studie wiesen Forschende der Universität Wien und der EPFL Lausanne nach, dass die Luft in Boulderhallen teilweise stärker mit diesen Substanzen belastet ist als die Luft an vielbefahrenen Straßen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Environmental Science and Technology Air veröffentlicht und sorgen seitdem für Diskussionen.

Neben Schweiß und Magnesiumstaub ist in Kletterhallen auch ein deutlicher Gummigeruch wahrnehmbar. Die Ursache dafür liegt im Gummiabrieb der Kletterschuhe, wie Umweltwissenschaftler Thilo Hofmann und sein Team herausfanden. Die Sohlen der Kletterschuhe bestehen aus speziellen Gummimischungen, die denen von Autoreifen ähneln. Sie enthalten zahlreiche Zusatzstoffe, sogenannte Additive, die den Schuhen Flexibilität und Langlebigkeit verleihen – aber auch im Verdacht stehen, gesundheits- und umweltschädlich zu sein.

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Chemikalien aus Kletterschuhen: Unsichtbare Gefahr beim Hallensport

Anya Sherman, Erstautorin der Studie und selbst begeisterte Kletterin, wollte herausfinden, ob die gleichen Chemikalien, die Autoreifen widerstandsfähig machen, auch in Kletterschuhen stecken. Gemeinsam mit Thibault Masset von der EPFL untersuchte sie mit modernen Analyseverfahren sowohl den Gummi der eigenen Kletterschuhe als auch die Luft in mehreren Boulderhallen. Die schwarzen Rückstände an den Griffen stammen vom Sohlenabrieb und werden durch das Abwischen in die Raumluft gewirbelt. Mit einem speziellen Messgerät, das die menschliche Atmung simuliert, haben die Forschenden Luftproben in Hallen in Wien, Frankreich, Spanien und der Schweiz entnommen.

Die Auswertung ergab, dass die Belastung mit Gummizusatzstoffen in der Luft von Boulderhallen teilweise zu den höchsten jemals gemessenen weltweit gehört. In Hallen mit besonders vielen Kletterern auf engem Raum hat das Team die höchsten Konzentrationen gemessen – Werte, die mit denen an mehrspurigen Straßen in Großstädten vergleichbar sind. In insgesamt 30 untersuchten Paaren Kletterschuhe fanden die Forscher 15 verschiedene Additive. Darunter war auch 6PPD, ein Gummistabilisator, dessen Abbauprodukt mit Lachssterben in Flüssen in Verbindung gebracht wird.

Belastung durch Chemikalien: Was bedeutet das für die Gesundheit?

Was die festgestellten Chemikalien konkret für die menschliche Gesundheit bedeuten, ist noch nicht abschließend geklärt. Thilo Hofmann betont jedoch: „Diese Stoffe gehören nicht in die Atemluft. Es ist sinnvoll zu handeln, schon bevor wir alle Risiken genau kennen, gerade mit Blick auf empfindliche Gruppen wie Kinder.“ Die Forschenden empfehlen, bereits jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um die Belastung zu reduzieren. Dazu zählen eine bessere Belüftung der Hallen, häufigere Reinigung, das Vermeiden von Stoßzeiten und der gezielte Kauf von Kletterschuhen mit weniger schädlichen Zusatzstoffen.

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Die Betreiber der untersuchten Boulderhallen zeigten sich offen für Verbesserungen und arbeiteten konstruktiv mit dem Forschungsteam zusammen. Auch die Hersteller von Kletterschuhen stehen in der Verantwortung: Sie sollten verstärkt auf schadstoffärmere Sohlenmaterialien setzen, um die Belastung durch Chemikalien langfristig zu senken.

Chemikalien in Kletterschuhen: Handlungsbedarf bei Herstellern und Betreibern

Die Untersuchung zeigt, dass Kletterschuhe eine bislang unterschätzte Quelle problematischer Chemikalien darstellen. Die Forschenden fordern weitere Studien, um die Auswirkungen dieser Stoffe auf den menschlichen Körper besser zu verstehen. Ein Umstieg auf weniger belastete Sohlenmaterialien gilt als essenziell. Bis dahin bleibt die Empfehlung, die Hallen möglichst gut zu lüften und auf schadstoffärmere Kletterschuhe zu achten. Denn die Belastung durch Chemikalien aus Kletterschuhen betrifft nicht nur die Kletterer selbst, sondern auch das Personal in den Hallen, das täglich mit den Rückständen in Kontakt kommt. Trotz der nachgewiesenen Belastung bleibt die Begeisterung für den Klettersport beim Forscherteam ungebrochen. Anya Sherman betont: „Ich werde weiter klettern und bin zuversichtlich, dass unsere Forschung zu besseren Bedingungen in Kletterhallen beitragen wird.“

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