Frühe Primatenverwandte 03.03.2026, 12:00 Uhr

65,9 Millionen Jahre alt: Neue Spur zu unseren ältesten Verwandten

Neue Fossilien aus Colorado zeigen, wie sich frühe Primatenverwandte nach dem Dino-Aussterben ausbreiteten.

Purgatorius

So könnte Purgatorius ausgesehen haben. Funde aus Colorado liefern neue Daten zur frühen Ausbreitung primatenaher Säugetiere nach dem Asteroideneinschlag.

Foto: Andrey Atuchin, CC BY 4.0

Im Stammbaum des Menschen taucht ein unscheinbares Tier auf: Purgatorius. Es lebte vor rund 65,9 Millionen Jahren – kurz nach dem Asteroideneinschlag, der die Dinosaurier auslöschte. Neue Fossilien aus dem Denver Basin in Colorado erweitern nun sein bekanntes Verbreitungsgebiet deutlich nach Süden. Die Funde stammen aus dem Gebiet Corral Bluffs und wurden im Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht.

Bislang kannte man Purgatorius vor allem aus Montana und dem Südwesten Kanadas. Weiter südlich fehlten Belege aus genau diesem frühen Zeitfenster. Zwar wurden im Südwesten der USA spätere primatennahe Formen gefunden, diese sind jedoch etwa zwei Millionen Jahre jünger. Es entstand der Eindruck einer geographischen Lücke.

Kein echter Primat – aber nah dran

Purgatorius gehört zu den sogenannten Plesiadapiformes. Das ist eine ausgestorbene Säugetiergruppe, die nahe am Ursprung der Primaten steht, aber noch nicht zu den „echten“ Primaten zählt. Diese frühen Formen gelten als wichtige Seitenlinie im Übergang zu den späteren Primaten.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadt Freiburg-Firmenlogo
Ingenieur*in / Techniker*in / Meister*in Elektrotechnik als Projektleitung Stadt Freiburg
Freiburg Zum Job 
Staatliches Baumanagement Hannover-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Hannover
Hannover Zum Job 
Koehler Paper-Firmenlogo
Produktionsingenieur (m/w/d) Papier Koehler Paper
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur - Oberbauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Stuttgart Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY-Firmenlogo
Scientist for FPGA-based RF signal processing and control (m/f/d) Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY
Hamburg Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
Landkreis Reutlingen-Firmenlogo
Leitung (w/m/d) des Kreisbauamtes Landkreis Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Markt Bad Abbach-Firmenlogo
Sachgebietsleitung Hochbau und Gebäudeunterhaltung (w/m/d) Markt Bad Abbach
Bad Abbach Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 

Das Tier war klein, vermutlich baumbewohnend, und wog nur wenige Dutzend Gramm. Zahnmerkmale deuten auf eine omnivore Ernährung hin, also eine Mischung aus Pflanzen- und Insektenkost. Solche Eigenschaften könnten nach dem Massenaussterben ein Vorteil gewesen sein. Kleine, flexible Arten hatten bessere Chancen, sich in neu entstehenden Ökosystemen zu behaupten.

Eine Frage der Datengrundlage

Warum fehlten bislang Funde aus südlicheren Regionen? Eine Hypothese lautete, dass die dortigen Wälder durch den Asteroideneinschlag stärker zerstört wurden. Da Purgatorius vermutlich in Bäumen lebte, hätte ihm geeigneter Lebensraum gefehlt.

„Die Knöchelknochen von Purgatorius weisen Merkmale auf, die darauf hindeuten, dass er in Bäumen lebte. Daher dachten wir zunächst, dass sein Fehlen südlich von Montana mit der weitreichenden Zerstörung der Wälder durch den Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren zusammenhängen könnte“, sagt Dr. Stephen Chester vom Brooklyn College.

Paläobotanische Daten widersprechen dieser Annahme. Pflanzen und Wälder erholten sich regional schneller als lange vermutet. Damit wurde eine andere Erklärung plausibel: ein Stichprobenproblem.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass kleine Fossilien leicht übersehen werden können“, so Chester. „Mit intensiveren Suchmaßnahmen, insbesondere unter Verwendung von Siebwaschtechniken, werden wir zweifellos noch viele weitere wichtige Exemplare entdecken.“

Technik entscheidet über Erkenntnis

Im Denver Basin setzten die Forschenden systematisch auf Siebwaschtechniken. Dabei lösen sie Sedimente in Wasser auf und spülen sie durch feine Siebe. Übrig bleiben auch millimetergroße Fossilien. Klassische Oberflächenprospektion bevorzugt dagegen größere, sichtbare Knochenreste. Das erzeugt einen systematischen Größen-Bias in der Datensammlung.

Finanziert wurde das Projekt durch einen Förderzuschuss der National Science Foundation von knapp 3 Millionen Dollar. Das größere Forschungsprogramm unter Leitung von Dr. Tyler Lyson vom Denver Museum of Nature & Science untersucht, wie sich Ökosysteme nach dem Massenaussterben stabilisierten.

Zwischen Fossilien von Fischen, Krokodilen und Schildkröten fanden die Teams schließlich mehrere winzige Zähne von Purgatorius. Sie sind kaum größer als ein Stecknadelkopf.

Möglicherweise eine neue Art

Die neuen Exemplare zeigen eine besondere Merkmalskombination. „Die Exemplare weisen im Vergleich zu bekannten Arten von Purgatorius eine einzigartige Kombination von Merkmalen auf, aber wir warten noch auf die Bergung von zusätzlichem Material, um beurteilen zu können, ob diese Fossilien eine neue Art darstellen“, erklärt Dr. Jordan Crowell vom Denver Museum of Nature & Science.

Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würde das auf eine frühe Diversifizierung der primatenahen Säugetiere hindeuten – nur wenige hunderttausend Jahre nach dem globalen Einschnitt am Ende der Kreidezeit. In geologischen Maßstäben ist das eine kurze Zeitspanne.

Ausbreitung statt Ursprung

War Colorado also die Wiege unserer frühesten Vorfahren? Die aktuellen Daten sprechen eher dagegen. Sie stützen die Annahme, dass sich frühe primatennahe Säugetiere zunächst weiter nördlich entwickelten und anschließend nach Süden ausbreiteten.

„Das Vorkommen dieser Fossilien in Colorado deutet darauf hin, dass archaische Primaten ihren Ursprung im Norden hatten und sich dann nach Süden ausbreiteten, wo sie sich kurz nach dem Massensterben am Ende der Kreidezeit diversifizierten“, sagt Chester.

Die Bedeutung der Funde liegt damit weniger in einer neuen Ursprungsregion, sondern in einer präziseren Kartierung der frühen Ausbreitungsdynamik. Entscheidend war nicht eine neue Theorie, sondern eine höhere Auflösung der Datenerhebung.

Co-Autor Lyson betont: „Dank unserer langjährigen Partnerschaft mit der Stadt Colorado Springs … bauen wir einige unglaubliche Datensätze auf, die Einblicke darin geben, wie sich das Leben, einschließlich unserer frühesten primitiven Primatenvorfahren, nach dem schlimmsten Tag für das Leben auf der Erde wieder erholt hat.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.