Autoskulptur auf Art Fair 31.10.2014, 09:36 Uhr

4 Tonnen schwere Cadillac-Schaukel mit 33 TV-Geräten

Es ist ja schon ein grandioses Gefühl, in einem Cadillac zu fahren. Welche Gefühle erzeugt da erst eine Cadillac-Schaukel? Der hängende Straßenkreuzer war die größte und teuerste Kunstinstallation der gerade zu Ende gegangenen Art Fair in Köln. Der Blickfang der Ausstellung könnte auch Ingenieure zu Kunstfans machen.

Wie eine Schiffschaukel schwankt der 6,50 Meter lange, schwarze Cadillac Fleetwood Brougham des Künstlers Wolf Vostell an einer etwa zehn Meter hohen Stahlkonstruktion. 

Foto: Art Fair/Achim Hehn

Die Unterseite des Cadillacs ist mit 33 Fernsehern bedeckt, die die Weltnachrichten zeigen.

Foto: Ingenieur.de/Petra Funk

Fernseher der ersten Stunde in der Ausstellung Art Fair in Köln.

Foto: Art Fair/Achim Hehn

Wer die Art Fair in den Kölner Messehallen besuchte, wurde von einer Schaukel der besonderen Art begrüßt: Wie eine Schiffschaukel schwankt der 6,50 Meter lange, schwarze Cadillac Fleetwood Brougham an einer etwa zehn Meter hohen Stahlkonstruktion. Der Cadillac ist nicht irgendein Cadillac, sondern gehörte dem bekannten Künstler und Autonarr Wolf Vostell.

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Am Unterboden des Straßenkreuzers montiert sind 33 flimmernde Fernsehgeräte, die Nachrichten aus der ganzen Welt in den Messehallen verbreiteten. Ein Motor ließ das riesige Fahrzeug und die Meldungen gleichmäßig und quietschend hin und her schaukeln. Vier Tonnen brachte das größte und mit einer Million Euro auch eines der teuersten Werke der Kölner Art Fair auf die Waage.

Idee der Cadillac-Schaukel stammt von Fluxus-Künstler Vostell

Die riesige Auto-Installation gehört zur Sammlung Bernd Reiters. Er war es auch, der dieses Kunstwerk nach dem Tod Vostells realisierte. Zwar stammen Idee und Entwurf aus der Hand Vostells. 1996 konnte Vostell noch ein Modell konzipieren, bevor er plötzlich starb. Bernd Reiter, Sammler und Freund des Künstlers, kaufte den Cadillac Fleetwood Brougham samt Entwurf und setzte die Idee 1999 um.

Das Auto und das Fernsehgerät – diese zwei die Welt verändernden Erfindungen des vergangenen Jahrhunderts – bringt Vostell in der Installation zusammen. Vostell war Autoliebhaber – gleichzeitig aber auch ein leidenschaftlicher Kritiker. Vor allen Dingen kritisierte er sich selbst.

Vostell war nicht nur Maler, Bildhauer und Happeningkünstler. Er war Mitglied und Mitbegründer der deutschen Fluxusbewegung – einer besonderen Art der Aktionskunst, die auch mit Dekonstruktion verbunden ist. Anders als bei seinen anderen Werken spielen jedoch bei der Cadillac-Schaukel weder Zerstörung, noch Beton eine Rolle. „Niemand kann den Fortschritt aufhalten“, prophezeite Vostell, „dieser kann sogar das Ende der Zivilisation heraufbeschwören“.

Vostell hatte ein Faible für Autoskulpturen und schaffte zu Lebzeiten von 1963 bis 1999 viele Happenings und Arbeiten mit Autos. Bekannt ist auch das einbetonierte Auto am Hohenzollernring in Köln. Zwischen bereits parkenden Autos übergoss Vostell 1969 sein erstes Auto und nannte es „Ruhender Verkehr“.

Vostell gehörte zu den ersten Künstlern, die das Mixed Media – die Kombination von visueller Kunst mit nicht-visuellen Elementen – für sich entdeckten. Er integrierte Bildschirme in andere Materialien wie hier bei der Cadillac-Schaukel.

 

Ein Beitrag von:

  • Petra Funk

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