Fenster zur Urzeit 04.08.2025, 15:30 Uhr

Rätsel um langhalsiges Reptil gelöst – neue Art identifiziert

Neue Meeresreptilien-Art aus Holzmaden entdeckt: Fund liefert Hinweise auf die frühe Evolution der Plesiosaurier vor 183 Millionen Jahren.

Plesionectes longicollum

In Holzmaden wurde ein bisher unbekannter Plesiosaurier gefunden – das Fossil stammt aus der Jura-Zeit und wurde jetzt neu klassifiziert.

Foto: Peter Nickolaus

Paläontologen haben im süddeutschen Holzmaden eine neue Art prähistorischen Meeresreptils identifiziert. Der Fund stammt aus dem Posidonienschiefer und erweitert das Wissen über die frühe Evolution der Plesiosaurier. Das Tier lebte vor rund 183 Millionen Jahren in einem Ozean, der große Umweltveränderungen erlebte. Die neue Art trägt den Namen Plesionectes longicollum und stellt eine bislang unbekannte Form innerhalb der Plesiosaurier-Verwandtschaft dar.

Jahrzehnte übersehen – nun als neue Art erkannt

Zwar war das Fossil in der Fachwelt bereits bekannt und in früheren Studien abgebildet worden. Eine detaillierte Untersuchung der anatomischen Merkmale hatte aber nie stattgefunden. Diese Lücke haben nun der Paläontologe Sven Sachs vom Naturkundemuseum Bielefeld und Dr. Daniel Madzia von der Polnischen Akademie der Wissenschaften geschlossen. Sie verglichen die Merkmale des Skeletts mit anderen Plesiosauriern – einer Gruppe von Meeresreptilien mit typischem langen Hals und paddelartigen Gliedmaßen.

„Dieses Exemplar befindet sich seit Jahrzehnten in Sammlungen, aber frühere Studien haben seine besondere Anatomie nie vollständig untersucht“, sagt Sven Sachs. „Unsere detaillierte Untersuchung ergab eine ungewöhnliche Kombination von Skelettmerkmalen, die ihn deutlich von allen bisher bekannten Plesiosauriern unterscheiden.“

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Das Skelett ist nahezu vollständig erhalten und enthält sogar Reste von Weichgewebe – ein seltener Glücksfall für die Paläontologie. Die Forschenden ordneten das Fossil einer bislang unbekannten Linie innerhalb der Plesiosauroidea zu.

Außergewöhnlich langer Hals

Der rund 3,2 Meter lange Meeressaurier zeichnet sich durch einen außergewöhnlich langen Hals mit mindestens 43 Halswirbeln aus. Diese Anzahl übertrifft viele bekannte Vertreter seiner Gruppe. Die Wirbel zeigen außerdem V-förmige Fugen zwischen Wirbelkörper und Wirbelbogen – sogenannte neurozentrale Suturen. Diese lassen Rückschlüsse auf das Alter des Tiers zu.

Hinzu kommen spezielle Ausbildungen der Rippenansätze und eher niedrige Neuralstacheln – das sind aufrechte Knochenfortsätze, die entlang der Wirbelsäule verlaufen. Die Kombination dieser Merkmale findet sich bei keiner anderen bekannten Art.

Obwohl das Skelett einige Merkmale eines noch nicht voll entwickelten Tiers zeigt – etwa nicht vollständig verwachsene Gliedmaßen und neuralbogige Strukturen – gehen die Forschenden davon aus, dass die relevanten anatomischen Eigenschaften altersunabhängig stabil sind. Fachsprachlich nennt man das „ontogenetisch stabil“.

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Interessante Evolutionsgeschichte

Eine phylogenetische Analyse, also die Untersuchung der stammesgeschichtlichen Verwandtschaftsverhältnisse, zeigte, dass Plesionectes longicollum relativ basal innerhalb der Plesiosauroidea steht. Das bedeutet: Er gehört zu den eher ursprünglichen Vertretern dieser Reptiliengruppe. In verschiedenen Analysevarianten erscheint er entweder als Schwesterart von Franconiasaurus brevispinus oder als naher Verwandter von Plesiopharos moelensis.

„Diese Entdeckung fügt dem Puzzle der Entwicklung des marinen Ökosystems in einer kritischen Phase der Erdgeschichte ein weiteres Teilchen hinzu“, erklärt Dr. Daniel Madzia. „Die frühe Toarcium-Periode, in der dieses Tier lebte, war geprägt von bedeutenden Umweltveränderungen, darunter ein großes ozeanisches Anoxieereignis, das das Leben im Meer weltweit beeinträchtigte.“

Ein solches Anoxieereignis beschreibt den drastischen Rückgang des Sauerstoffgehalts im Wasser – mit teils verheerenden Folgen für marine Lebewesen.

Holzmaden bleibt ein Fenster in die Urzeit

Der Posidonienschiefer rund um Holzmaden ist für Fossilien aus dem Jura weltberühmt. Dort wurden bereits zahlreiche Meeresreptilien entdeckt – darunter Fischsaurier (Ichthyosaurier), urzeitliche Krokodile und verschiedene Plesiosaurier-Arten. Fünf Vertreter dieser Gruppe waren bislang bekannt, darunter etwa Seeleyosaurus guilelmiimperatoris oder Plesiopterys wildi. Plesionectes longicollum erweitert diese Liste nun um eine weitere, früh abzweigende Form.

Dass dieser Fund trotz jahrzehntelanger Lagerung in Museumssammlungen bisher nicht als eigenständige Art erkannt worden war, zeigt, wie wichtig erneute und gründliche Analysen historischer Fossilien sind. Die Erkenntnisse geben nicht nur Einblick in die Evolution der Meeresreptilien, sondern helfen auch dabei, die Dynamiken vergangener Umweltveränderungen besser zu verstehen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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