Galaktische Strahlenbelastung 31.05.2013, 12:30 Uhr

Krebsrisiko für Astronauten geringer als für Raucher

Die Strahlenbelastung für Astronauten während eines Fluges zum Mars wäre stark gesundheitsbelastend. Das ist das Ergebnis von Messungen während des Fluges der NASA-Sonde „Curiosity“ zum Mars. Allerdings ist das Risiko für Raucher an Krebs zu erkranken höher.

Auf dem Flug zum Mars hat die Sonde Curiosity erstmals die Strahlenbelastung gemessen. Demnach wäre das Gesundheitsrisiko für Astronauten erheblich.

Auf dem Flug zum Mars hat die Sonde Curiosity erstmals die Strahlenbelastung gemessen. Demnach wäre das Gesundheitsrisiko für Astronauten erheblich.

Foto: NASA

Der Weg zum Mars ist für Astronauten mit einem sehr hohen Krebsrisiko verbunden. Dies zeigen die Messungen der NASA-Sonde „Curiosity“ während ihres 253-tägigen Fluges zum Mars. Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam berechnete die Belastung durch Strahlen. Dabei kam das Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter Leitung des Strahlenbiologen Günther Reitz auf einen Wert von 0,66 Sievert.

Strahlenbelastung entsteht aus zwei Quellen

Dieser Wert entsteht durch die Einwirkung aus zwei unterschiedlichen Quellen. Den größten Teil der Belastung bildet ein hochenergetischer Teilchenregen im All. Dieser besteht aus 85 Prozent Protonen und 14 Prozent Helium-Ionen. Die schwereren Ionen sind die eigentlich gefährlicheren für den Menschen. Da helfen auch die Schutzschilder der normalen Raumfahrzeuge nur sehr wenig. Vielmehr können sie sogar zu einer sogenannten Sekundärstrahlung führen, wenn die Abschirmungen zu dick sind.

Abhängig von der Sonnenaktivität kommen etwa fünf Prozent Belastung durch die Solarstrahlung hinzu. Auf dem Flug der Curiosity registrierte der Detektor insgesamt fünf große Ereignisse auf unserem Zentralgestirn. Bei solch großen Sonneneruptionen werden innerhalb kürzester Zeit riesige Mengen von Teilchen ins All transportiert. Diese lassen sich dank technischer Mittel gut abschirmen.

Vergleiche zum festgestellten Wert von 0,66 Sievert

Zu dem festgestellten Wert von 0,66 Sievert werden viele Vergleiche gezogen: Die Belastung auf dem Flug zum Mars sei ähnlich hoch wie eine Ganzkörper-Computertomografie, die alle fünf bis sechs Tage aufs Neue durchgeführt würde, meint Cary Zeitlin, die Leiterin der aktuellen Studie vom Southwest Research Institute in San Antono, Texas.  

In Deutschland gilt der Höchstwert von 0,4 Sievert für Berufstätige. Für Astronauten der Raumfahrtbehörden Roskosmos und ESA wurde ein medizinischer Höchstwert von 1 Sievert für die gesamte Berufslaufbahn festgelegt. Der Aufenthalt von einem Tag im Mars-Raumschiff erreicht die gleiche Strahlendosis wie die natürliche Strahlenbelastung aus natürlichen Quellen auf dem Boden innerhalb eines Jahres.

Nachdem Mars-Raumfahrer mit einem Flug von 180 Tagen rechnen müssen, kommt eine Strahlenbelastung für die Dauer von 500 Tagen Aufenthalt auf dem Roten Planeten hinzu. Während dieser langen Zeit müssen die Raumfahrer viel Zeit in Höhlen oder in dick isolierten Unterkünften verbringen, um sich vor der kosmischen Strahlung zu schützen. Ein vier Meter dickes Marsgestein hat dieselbe Abschirmwirkung wie die Erdatmosphäre, so Berechnungen von DLR-Forscher Günther Reitz. 

Die von Curiosity gemessenen Daten sind vergleichbar mit den Daten eines möglichen bemannten Marsfluges. Bisher gesammelte Daten berücksichtigen nicht das Problem der Abschirmung. „Wir liefern nun die bestmögliche Abschätzung der Strahlendosis“, sagte der Kieler Physiker Robert Wimmer-Schweingruber. Unvorhersehbar ist jedoch die Aktivität der Sonne.

Krebsrisiko steigt um fünf Prozent an

Insgesamt erhöht sich das Risiko an Krebs zu erkranken um etwa fünf Prozent, meinen die Experten. Das Risiko an Krebs zu sterben, liegt für jeden Deutschen laut Statistik bei etwa 20 Prozent.

Die Studie zeigt auf, an welchen Stellen der Mars-Flug noch intensiver vorbereitet werden muss. So sind beispielsweise stärkere Antriebe sinnvoll, um die Reise zum Mars zu verkürzen. Damit wäre die Strahlenbelastung insgesamt geringer und damit auch das Gesundheitsrisiko. 

Pläne für eine Reise zum Mars sind keine Utopie: Zwei Privatinitiativen machten bereits Pläne, um Touristen zum Mars zu fliegen. Weiterhin will ein Team um Ex-Weltraumtourist Dennis Tito den Mars umfliegen. Und völlig verrückt: Der niederländische Unternehmer Bas Lansdorp will eine Anzahl von Kolonisten auf dem Mars ansiedeln. Sie würden kein Rückflugticket erhalten.

Welche der Pläne zuerst umgesetzt werden wird, ist völlig offen. Aufgrund der extrem hohen Kosten und noch fehlender Untersuchungen wird die Umsetzung der Projekte noch dauern. Klar ist jedoch, dass eines Tages jemand den Flug zum Mars wagen wird. Die neuesten Untersuchungen zur Strahlenbelastung bringen die Umsetzung wieder einen Schritt voran.

Ein Beitrag von:

  • Petra Funk

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