Drohne zieht Fahne 15.10.2014, 12:57 Uhr

EM-Qualifikation: Drohne im Stadion von Belgrad führt zu Spielabbruch

Beim EM-Qualifikationsspiel Serbien gegen Albanien schwebte plötzlich eine Drohne ins Belgrader Partizan-Stadion, an der eine Flagge von „Großalbanien“ hing. Es kam zu Tumulten und Prügeleien, der Schiedsrichter musste die Partie abbrechen. Wer die Fahne wie in die Arena steuerte, ist nicht ganz eindeutig.

Der serbische Spieler Stefan Mitrovic, Innenverteidiger beim deutschen Bundesligisten SC Freiburg, bekommt die albanische Fahne zu fassen und reißt sie zu Boden. 

Der serbische Spieler Stefan Mitrovic, Innenverteidiger beim deutschen Bundesligisten SC Freiburg, bekommt die albanische Fahne zu fassen und reißt sie zu Boden. 

Foto: dpa/Srdjan Suki

Es ist die 41. Minute im Spiel zwischen Serbien und Albanien. Wenige Meter über dem Spielfeld schwebt plötzlich eine Fahne, die „Großalbanien“ zeigt: Die Umrisse schließen das mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo ein, das sich 2008 von Serbien abgespalten hatte – das viele Serben aber weiterhin als Teil ihres Staatsgebietes betrachten.

Der serbische Spieler Stefan Mitrovic, Innenverteidiger beim deutschen Bundesligisten SC Freiburg, bekommt die Fahne schließlich zu fassen und reißt sie zu Boden. Daraufhin wird er von albanischen Spielern angegriffen, Zuschauer stürmen auf den Platz und beteiligen sich an der Prügelei. Nach einer längeren Unterbrechung wird die Partie abgebrochen.

Fernsteuerung ohne Sichtkontakt möglich

Wie aber kam die Fahne überhaupt ins Stadion? Auf den wenigen Bildern vom Nachthimmel über Belgrad ist zu erkennen, dass die Fahne an zwei langen Seilen hängt, getragen von einer kleinen Drohne mit vier Rotoren. Solche Geräte können über eine Distanz von einigen hundert Metern ferngesteuert werden.

Eine Drohne zog beim EM-Qualifikationsspiel am 14. Oktober 2014 zwischen Serbien und Albanien eine Fahne für Groß-Albanien durchs Stadion in Belgrad. Daraufhin gab es Tumulte, das Spiel wurde abgebrochen.

Eine Drohne zog beim EM-Qualifikationsspiel am 14. Oktober 2014 zwischen Serbien und Albanien eine Fahne für Groß-Albanien durchs Stadion in Belgrad. Daraufhin gab es Tumulte, das Spiel wurde abgebrochen.

Foto: dpa/Srdjan Suki

Eine Videokamera an der Drohne, die in Echtzeit Bilder überträgt, könnte die Fernsteuerung auch ohne direkten Sichtkontakt erlauben, so dass sie von außerhalb des Stadions gestartet sein kann. Näheres dazu ist allerdings bislang nicht bekannt.

Bruder des albanischen Regierungschefs beteiligt?

Drohnen wie die, die auf den Bildern zu sehen ist, sind frei verkäuflich und mit ein bisschen Modellflugerfahrung leicht zu manövrieren. Im Prinzip könnte also jeder das Fluggerät ins Stadion gesteuert haben. Serbische Medien berichteten, der Bruder des albanischen Regierungschefs Edi Rama, Olsi Rama, sei noch im Stadion in der VIP-Loge vorübergehend festgenommen worden, weil bei ihm eine passende Fernsteuerung gefunden worden sei.

Albanische Regierungskreise haben das inzwischen dementiert. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will den Vorfall gründlich untersuchen und prüft Konsequenzen für die beteiligten nationalen Verbände.

Zwischen Serbien und Albanien herrscht eine jahrzehntelange Feindschaft. Deshalb hatten sich die Fußballverbände der beiden Länder vorab darauf geeinigt, dass jeweils keine Gästefans zu den Spielen der EM-Qualifikation reisen sollten. Einige albanische Anhänger waren aber offenbar doch im Stadion.

Für die kommende Woche war der erste Besuch eines albanischen Regierungschefs Edi Rama in Serbien seit 68 Jahren geplant. Ob der sozialistische Ministerpräsident nun tatsächlich nach Belgrad reisen wird, ist nach den Vorfällen wohl fraglich.

Von Werner Grosch Tags:

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