Kampf gegen Aufständische 19.06.2014, 08:00 Uhr

Drohne Stinktier schießt mit Gummigeschossen, Farbbeuteln und Tränengas

Sie fliegt über eine aggressive Menschenmenge und schießt aus vier Gewehrläufen 80 Tränengaskugeln pro Minute: die Drohne Stinktier der südafrikanischen Firma Desert Wolf. Sie kostet 35.000 Euro, fliegt mit acht Propellern und kann auch Farbbeutel und Gummigeschosse laden.

Der Skunk Riot Control Copter beschießt Demonstranten mit Tränengaskugeln. Zu den Abnehmern der Drohne zählen derzeit besonders Minenbetreiber in Afrika, die es oftmals mit streikenden und gewaltbereiten Arbeitern zu tun haben.

Der Skunk Riot Control Copter beschießt Demonstranten mit Tränengaskugeln. Zu den Abnehmern der Drohne zählen derzeit besonders Minenbetreiber in Afrika, die es oftmals mit streikenden und gewaltbereiten Arbeitern zu tun haben.

Foto: Desert Wolf

„Der Helikopter ‚Stinktier‘ wurde entwickelt, um widerspenstige Menschenmengen zu kontrollieren, ohne das Leben von Sicherheitspersonal zu gefährden.“ So wirbt das südafrikanische Unternehmen Desert Wolf für seinen Skunk Riot Control Copter. Die ferngesteuerte Drohne, die im Mai auf einer Sicherheitsmesse in Johannesburg vorgestellt wurde, hat tatsächlich einiges an Bord, mit dem eine Menschenmenge wirksam in Schach gehalten werden kann.

Stinktier schießt 20 Farbbeutel oder 80 Tränengaskugeln pro Sekunde

Da sind zunächst die passiven Mittel, wie zwei hochauflösende Tageslichtkameras sowie eine Wärmelichtkamera, die auch bei Nacht Aufnahmen gestattet. Über einen eingebauten Lautsprecher in der Drohne kann mit der Menge gesprochen werden. Auch helle Stroboskoplichter und blendende Laser sollen warnende Wirkung haben. Falls der Aufstand sich auf diese Weise nicht beilegen lässt, kommen schärfere Geschütze zum Einsatz.

Aus den vier Gewehrläufen können wahlweise 20 Farbbeutel pro Sekunde oder 80 mit Tränengas gefüllte Kugeln abgefeuert werden. Damit sollen einzelne Personen markiert oder die Menschenmenge auseinander getrieben werden. Die Luftdruckwaffe kann auch mit Hartgummigeschossen befüllt werden. Gegenwärtig hat das Fluggerät eine Kapazität von 4000 Geschossen und kann auch in Formation fliegen. „Das wird jede Menschenmenge aufhalten“, ist sich Hennie Kieser, Direktor von Desert Wolf, sicher.

Die Drohne fliegt mit acht Propellern mit jeweils 40 Zentimetern Durchmesser. Das ermöglicht genügend Auftrieb, um 4000 Geschossen zu laden. 

Die Drohne fliegt mit acht Propellern mit jeweils 40 Zentimetern Durchmesser. Das ermöglicht genügend Auftrieb, um 4000 Geschossen zu laden. 

Foto: Desert Wolf

Insgesamt könne das Stinktier mit rund 45 Kilogramm Traglast abheben, verspricht das südafrikanische Unternehmen. Angetrieben wird die Drohne von acht elektrischen Motoren mit Propellern, die jeweils einen Durchmesser von 40 Zentimetern haben. Grundsätzlich kann das Fluggerät zwar auch von einem einzelnen Piloten bedient werden, aber normalerweise gehört noch eine weitere Person zum Team, die die Nutzlast des Stinktiers bedient. Wie sich die Piloten im Einsatz verhalten, werde per Kamera und Mikrofon aufgezeichnet, betont Kieser: „Menschen tendieren dazu, weniger aggressiv zu handeln, wenn sie überwacht werden.“

25 Drohnen werden ab Juli an südafrikanische Minenbetreiber geliefert

Die ersten Käufer für den Skunk Riot Control Copter sind auch schon gefunden. 25 Stinktiere sollen im Juli für südafrikanische Minenbetreiber in den Dienst treten. Er finde es „traurig, dass die Minen derzeit durch die Gewalt während der Streiks in einer schlimmen Lage sind“, sagte Kieser. Deshalb sei die Minenindustrie derzeit der größte Markt für die Drohne, die als voll ausgerüstetes System inklusive Bodenstation umgerechnet rund 34.000 Euro kostet. Nach ihrem Einsatz in Südafrika erhofft sich Kieser weitere Aufträge aus anderen afrikanischen Ländern.

Der Bergbau spielt für Südafrikas Wirtschaft eine bedeutende Rolle und gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern und Devisenquellen. Rund 80 Prozent der weltweit bekannten Platinvorkommen befinden sich in Südafrika. Seit Januar dieses Jahres streiken die rund 70.000 Mitglieder der Gewerkschaft AMCU für Lohnerhöhungen. In den Minen hat der monatelange Streik zu den niedrigsten Förderquoten der letzten 50 Jahre geführt und die Minenunternehmen finanziell getroffen.

Inzwischen ist zwar ein Ende des Arbeitskampfes in Sicht, aber die Sorge vor gewalttätigen Ausschreitungen ist allgegenwärtig. Insbesondere nach den Ereignissen vom August 2012. Damals hatte das gewaltsame Vorgehen der Polizei während eines Arbeitskampfes in der Lonmin-Mine weltweites Entsetzen ausgelöst. Bei dem Versuch, eine Protestversammlung der Streikenden aufzulösen, wurden am 16. August 34 Bergleute durch Schüsse der Polizei getötet.

Von Gudrun von Schoenebeck

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