Luft- und Raumfahrt 17.06.2011, 19:54 Uhr

Die Luftfahrt sucht nach „grünen“ Lösungen für ihre Probleme

In der kommenden Woche trifft sich die internationale Luft- und Raumfahrtindustrie auf der Paris Air Show in Le Bourget bei Paris. Der Branche geht es gut – Sorge macht aber die Entwicklung des Ölpreises. Die Branche sucht deshalb nach Wegen, sich vom Öl unabhängiger zu machen.

Die Unternehmen der deutschen Luft- und Raumfahrtbranche machten im Jahr 2010 einen Umsatz von 24,7 Mrd. €, ein Anstieg von 4,5 % gegenüber dem Vorjahr. Gut 70 % ihres Umsatzes macht die Branche im Exportgeschäft.

Von den drei Teilbranchen zivile Luftfahrt, Raumfahrt und Sicherheit/Verteidigung attestierte der CEO von Airbus, Thomas Enders, zugleich Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, den ersten beiden eine „sehr gute Perspektive“, im Verteidigungssektor dagegen rechnet der BDLI mit Umsatz- und Beschäftigungsrückgängen.

Doch ob sich diese Perspektiven vor allem bei der zivilen Luftfahrt auch in Geschäfte verwandeln, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Rentabilität der Fluglinien entwickelt. Die aber könnte unter dem steigenden Ölpreis leiden. Der scheidende Chef des Internationalen Verbandes der Fluggesellschaften IATA, Giovanni Bisignani, orakelte vor Kurzem noch, die Fluggesellschaften würden 2011 nur einen Gewinn von 4 Mrd. Dollar machen, halb so viel wie ursprünglich prognostiziert und dramatisch weniger als im Vorjahr, als es noch 18 Mrd. Dollar waren.

Hauptgrund dafür ist der Ölpreis. Intensiv versuchen deshalb die Hersteller von Flugzeugen, ihre Abhängigkeit vom Öl zumindest zu reduzieren.

Dieses Thema wird auch auf der „Paris Air Show“ in Le Bourget eine wichtige Rolle spielen.

Ein Ausweg sind neue, kerosinsparende Flugzeuge und neue Triebwerke, wie der Getriebefan, den Pratt und Whitney zusammen mit MTU entwickelt. Der soll gegenüber vergleichbaren Triebwerken bis zu 15 % weniger Sprit verbrauchen.

Zugleich versuchen Boeing und Airbus, mit neuen Flugzeugen und dem massiven Einsatz von Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen die Flugzeuge leichter und wartungsärmer zu machen, um so die Gewinnmargen für ihre Kunden, die Fluglinien, zu erhöhen.

Ein direkterer Weg, sich vom Öl zu lösen, hat in letzter Zeit erheblich an Schwung gewonnen: der Ersatz von klassischem Kerosin durch alternative Flugzeugkraftstoffe. Diese Entwicklung steckt zwar noch in den Anfängen, die Zahl der Projekte, die die Entwicklung alternativer Flugzeugkraftstoffe vorantreiben, ist aber kaum zu überblicken. Eine der jüngsten Gründungen ist die „Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany“ (aireg). Sie will die deutschen Forschungsaktivitäten zum Thema Biokraftstoffe für die Luftfahrt bündeln.

Die Lösung vom Öl, sei es durch einen geringeren Kerosinverbrauch neuer Flugzeuge, sei es der Umstieg auf Biosprit, hat zudem den Vorteil, das Fliegen „grüner“ zu machen, den CO2-Ausstoß der Flugzeuge drastisch zu reduzieren. Wirtschaftliche fallen hier also mit Umwelt- und politischen Interessen zusammen.

Folglich haben Vertreter der europäischen Luftfahrtindustrie und der EU-Kommission in ihrem gemeinsamen Konzept „Flightpath 2050 – Europe“s Vision for Aviation“ ambitionierte Ziele formuliert: Bis 2050 sollen im Luftverkehr 75 % weniger CO2-Emissionen anfallen, 90 % weniger NOX und 65 % weniger Lärm. Und am Boden sollen sich die Flugzeuge völlig emissionsfrei bewegen, etwa mithilfe von Brennstoffzellen. moc

Von Wolfgang Mock

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