Raumfahrt 18.07.2013, 09:30 Uhr

Die europäischen Raketenhersteller stehen vor einem großen Umbruch

Die europäische Trägerrakete Ariane 5 soll durch einen Nachfolger ersetzt werden. Das Konzept könnte tiefe Einschnitte für die Branche mit sich bringen.

Die technisch erfolgreiche, aber defizitäre Trägerrakete Ariane 5 soll einen Nachfolger bekommen, der sich rechnet. 

Die technisch erfolgreiche, aber defizitäre Trägerrakete Ariane 5 soll einen Nachfolger bekommen, der sich rechnet. 

Foto: ESA

Die europäische Trägerrakete Ariane 5 gilt als eines der erfolgreichsten Beispiele europäischer Technologiekooperation. 55 Starts in Serie hat sie hinter sich, von den kommerziellen Satelliten, die weltweit ins All geschossen werden, wird jeder zweite von einer Ariane transportiert.

Doch die Ariane war nur wenige Jahre auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Zuletzt musste die Betreibergesellschaft Arianespace regelmäßig mit bis zu 100 Mio. € im Jahr von der öffentlichen Hand alimentiert werden, um ihr Defizit auszugleichen.

Dies soll nun anders werden. Die Ariane 5 soll einen Nachfolger bekommen, die Ariane 6. Astrium, die europäische Raumfahrttochter der EADS, hat das neue Konzept im Auftrag der europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt.

Ariane 6 soll kleiner werden

Dieses Konzept sieht eine kleinere Rakete vor, die nicht wie die aktuelle Ariane 10 t oder gar 12 t Nutzlast tragen kann, sondern nur 3 t bis 6,5 t. Der Preis für einen Start soll bei gut 75 Mio. € liegen – ungefähr der Hälfte des Preises für einen Start der Ariane 5. Zudem soll die Ariane 6 nach der Hochlaufphase bis zu zwölf Starts im Jahr absolvieren, derzeit liegt das Mittel der Ariane 5 bei jährlich sieben Starts. Und vor allem: Die Ariane 6 soll ein wirtschaftlicher Erfolg werden und ohne staatliche Zuschüsse auskommen.

Dieses Ziel, so Alain Charmeau, CEO von Astrium Space Technologies, auf der diesjährigen Paris Air Show, schafft man nicht allein mit einer neuen Rakete. „Wir brauchen eine neue Aufstellung der Trägerraketen-Industrie in Europa.“ Das aber könnte eine Neuverteilung der Kompetenzen bedeuten. „So etwas wurde bisher noch nie in dieser Industrie gemacht“, so Charmeau.

Was das tatsächlich bedeutet, ist noch offen. Astrium hat neben der Studie zur Ariane 6 auch eine Studie mit dem Titel Next European Launch Services (NELS) angefertigt – ebenfalls im Auftrag der ESA. Darin wird das Szenario einer neuen Industriestruktur der europäischen (zivilen) Raketenindustrie vorgestellt. Sie biete, so Fachleute in Paris, „erhebliches Konfliktpotenzial“.

Auch Arbeitsplätze werden gestrichen

Einen möglichen Konflikt sprach Charmeau selbst an. „Wenn man die Startkosten um die Hälfte reduzieren will, muss man auch mit weniger Menschen auskommen, die in dieser Industrie arbeiten.“

Allein bei Astrium arbeiten europaweit 12 000 Beschäftigte an der aktuellen Ariane. Arianespace hat am Raketenstartplatz Kourou in Französisch-Guyana allein 1700 Mitarbeiter, von denen ein erheblicher Teil mit der Ariane beschäftigt ist. Europaweit dürften von der Ariane 5 aktuell mindestens 15 000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze abhängen.

Der neue Chef von Arianespace, Stéphane Israel, sieht die Arbeitsplatzfrage gelassener und weist gegenüber den VDI nachrichten auf die erhöhte Anzahl von Starts hin, die nach wie vor eine große Zahl von Mitarbeitern notwendig mache.

Allerdings dürfte der Druck auf die Branche erheblich werden: „Unsere Überlegungen zur Ariane 6 sind marktgetrieben“, so Charmeau. 3 Mrd. € bis 4 Mrd. € soll die Entwicklung der Ariane 6 kosten, 2021 soll sie verfügbar sein.

Im Rahmen bleiben sollen die Entwicklungskosten dadurch, dass ein erheblicher Teil einer in den kommenden Jahren weiterentwickelten Ariane 5 für die Ariane 6 übernommen wird.  

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Mock

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