Luftfahrt 15.04.2011, 19:52 Uhr

Der Wettbewerb der Flugzeughersteller wird härter

Die Ermüdungsprobleme bei der Boeing 737 setzten das Unternehmen unter Druck, ein Nachfolgemodell für diesen Flieger vorzustellen. In dieser Situation heizt auch Airbus den Wettbewerb an.

Als Anfang des Monats Ermüdungsrisse in einer älteren Boeing 737 von Southwest Airlines aufgetaucht waren, die in einem Fall sogar zum einem Loch im Rumpf eines Flugzeugs führten, zeigten sich selbst Mitarbeiter des Flugzeugherstellers überrascht. Wir hätten, so Boeing-Manager Paul Richter, solche ernsthaften Schäden erst „viel, viel später“ erwartet – und zwar nicht schon nach 40 000 Starts und Landungen, sondern erst ab 60 000.

Diese Panne erhöht den Druck auf Boeing. Denn derzeit wird im Unternehmen an der Nachfolgegeneration der 737 gearbeitet. Zwei Alternativen stehen zur Auswahl: Entweder wird die aktuelle 737 nochmals überarbeitet und erhält zudem neue Triebwerke, oder es wird ein komplett neues Flugzeug entwickelt.

Mitte dieses Jahres, vermutlich auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget (20. bis 26 Juni) soll das Ergebnis bekannt gegeben werden.

Nach den jüngsten Pannen bei der 737 spricht einiges für ein komplett neues Flugzeug. Auch Boeing Chief Technology Officer John Tracy wies noch vor Kurzem auf den Aerodays 2011 in Madrid darauf hin, dass alle zukünftigen Boeing-Flieger „mindestens 15 %“ an Sprit einsparen sollten. Auch mit einer optimierten 737 wird das wohl kaum zu machen sein. Selbst die aber könnte vor 2017 kaum am Markt sein.

Kein Zufall dürfte deshalb sein, dass nur wenige Tage nach den Ermüdungsrissen in der 737 John Leahy, Verkaufschef des Wettbewerbers Airbus, auf seine Weise den Druck auf Boeing erhöhte: Er kündigte an, die geplante überarbeitete Version der A320er-Familie, die A320NEO, schon im Oktober 2015 auf den Markt bringen zu wollen – also ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant. Grund sei die gute Nachfrage. Gleichzeitig musste Airbus aber im ersten Quartal dieses Jahres die Stornierung von 43 Bestellungen der aktuellen A320 hinnehmen.

Airbus will mit der A320NEO ein Flugzeug auf den Markt bringen, das mit neuen Triebwerken und Sharklets (hochgebogenen Flügelenden) Treibstoffersparnisse von bis zu 15 % möglich macht. Hoffnung setzt Airbus dabei vor allem auf das neue PW1100G-Triebwerk von Pratt & Whitney, das einen neuartigen Getriebefan hat. An Schlüsselelementen dieses Triebwerks wie der Niederdruckturbine ist der deutsche Partner MTU beteiligt. Bisher sind bereits 1200 solcher Triebwerke verkauft worden, ein Großteil auch für die A320 NEO. Airbus bietet alternativ auch ein Triebwerk des Konsortiums CFMI (Snecma und General Electric) an. Ein völlig neuer A320-Nachfolger soll dann ab 2030 auf den Markt kommen.

Der Markt der mittelgroßen Passagierflugzeuge mit nur einem Gang gilt als einer der lukrativsten Märkte. Der beläuft sich bis 2020 nach Schätzungen auf 1,7 Billionen Dollar.

Boeing hat damit eine Reihe von Baustellen: Ihr neuester Flieger, die weitgehend aus Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen gefertigte 787 ist nach einer gut dreijährigen Verspätung noch immer in der Testphase. Zudem hat Boeing gerade den Jahrhundert-Auftrag über 179 Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte gewonnen und muss diese Herausforderung in die Produktionsstrukturen des Unternehmens integrieren.

Dagegen hat es Airbus im Moment etwas leichter. Die Produktion der A380 läuft zunehmend rund, die Probleme beim militärischen Airbus A400M scheinen gelöst. Bei der ebenfalls weitgehend aus CFK gefertigten A350XWB gab es zwar Gerüchte, die für Mitte 2013 geplante Auslieferung der ersten Flieger werde sich um ein halbes Jahr oder mehr verschieben, das aber wurde von Airbus dementiert.

Für die beiden großen Player im Markt, für Boeing wie für Airbus, verändert sich der Markt aber auch grundsätzlich. Neue Wettbewerber wie Bombardier mit ihrer C-Serie, deren Flieger bis 145 Sitze haben, aber auch der chinesische Hersteller Comac mit der C919, bieten Flugzeuge an, die den Markt der kleinen Boeing- und Airbus-Flieger aufmischen. Auch Mitsubishi drängt ab 2012 mit seinem MRJ für bis zu 90 Passagiere in diesen Markt. Die C-Serie sowie der MRJ sollen mit den neuen Getriebefans von Pratt & Whitney fliegen. Comac und Bombardier wollen zudem enger zusammenarbeiten, um das Boeing-Airbus Duopol besser angreifen zu können. moc

 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Mock

    Redakteur und Reporter VDI nachrichten. Fachthemen: Wissenschafts- und Technologiepolitik, Raumfahrt, Reportagen.

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