50 Milligramm genügen 04.11.2013, 16:04 Uhr

Gewürzsensor entlarvt gestreckte Gewürze und Schimmelpilze

Ist der Pfeffer vielleicht mit billigem Senfmehl gestreckt? Oder wurde das Gewürz so schlecht gelagert, dass sich Schimmelpilze gebildet haben? Was man üblicherweise nicht mit der Nase, sondern nur aufwendig im Labor feststellen kann, soll nun ein neuartiger Gewürzsensor klären, den ein Berliner Unternehmen entwickelt hat.

Wertvolle Gewürze werden gerne mit billigen Stoffen wie Senfmehl gestreckt. Jetzt hat ein Berliner Unternehmen einen Sensor entwickelt, der Gewürze schon im Hafen vor Ort auf ihre Qualität überprüfen kann.

Wertvolle Gewürze werden gerne mit billigen Stoffen wie Senfmehl gestreckt. Jetzt hat ein Berliner Unternehmen einen Sensor entwickelt, der Gewürze schon im Hafen vor Ort auf ihre Qualität überprüfen kann.

Foto: Wikimedia/Rainer Zenz

Handelt es sich um reines Paprikapulver? Wurden die Gewürze vorschriftsmäßig gelagert und transportiert? Solche Qualitätsunterschiede von Gewürzen lassen sich kaum mit bloßen Auge erkennen. Jetzt hat die Berliner Firma Environics-IUT, die sich auf die Analyse von Gasen spezialisiert hat, im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundeswirtschaftsministeriums und in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) einen mobilen Gewürzsensor entwickelt. Der kann nun an Ort und Stelle die Qualität von Gewürzen überprüfen.

Gewürzkontrollen, die die Qualität genau überprüfen, gibt es zwar schon heute. Jedoch finden sie nur im Labor statt. Dort von speziell geschultem Personal durchgeführt, sind diese Kontrollen kompliziert und teuer. Deshalb wird oftmals auf Tester zurückgegriffen, die mit ihren feinen geschulten Nasen die Aromen der Gewürze erkennen. Doch ob ein Gewürz richtig gelagert und transportiert wurde oder ob einem Gewürz ein billigeres Material hinzugefügt wurde, lässt sich alleine mit der Nase nur sehr schwer feststellen.

Aromastoffe werden in Emissionskammer analysiert

Deshalb könnte der neue Sensor bei der Überprüfung von teuren Gewürzen ein unverzichtbarer Helfer werden.  „Bereits 50 Milligramm Pfeffer oder zwei Gramm Paprika reichen aus, um eine Messung durchzuführen“, erklärt der Chemiker Carlo Tiebe von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Diese winzigen Mengen werden in den nur etwa ein Liter großen Behälter des Gewürzsensors gegeben. In ihm befindet sich eine Emissionskammer, in der die spezifischen Aromastoffe der Gewürze, beispielsweise die Terpene, gemessen werden können.

Ein mobiler Gewürzsensor kann innerhalb einer halben Stunde verschimmelte oder verfälschte Gewürze erkennen.

Ein mobiler Gewürzsensor kann innerhalb einer halben Stunde verschimmelte oder verfälschte Gewürze erkennen.

Foto: BAM

Bei Terpenen handelt es sich um Kohlenwasserstoffe, die hauptsächlich In Pflanzen vorkommen und oftmals auch Hauptbestandteile von ätherischen Ölen sind. Der Gewürzsensor kann diese flüchtigen Aromastoffe auffangen und messen. Nach einer halben Stunde ist die Emissionskammer von den Aromen des Gewürzes gesättigt. Dann wird synthetische Luft hineingeströmt, die das Aroma einfängt und zum Gewürzsensor mitnimmt. Das Gerät verfügt über einen Ionen-Mobilitätsspektrometer mit chromatografischer Trennsäule (GC-IMS), der die eigentliche Analyse übernimmt.

Gestreckte Gewürze werden entlarvt

Das Ergebnis der Messung gibt Auskunft über die qualitative Zusammensetzung von Gewürzmischungen. Schimmelige oder gestreckte Mischungen lassen sich einfacher erkennen und helfen Gewürzherstellern, die Qualität ihrer Ware besser zu kontrollieren. Informationen über die Zusammensetzung eines Stoffes liefert das Display des Gewürzsensors.

„Mit den neuen Referenzproben und dem Gerät sollen Transparenz und Objektivität bei der Herstellung von Gewürzmischungen verbessert werden“, erklärt der Chemiker Tiebe. Beispielsweise kann so ein Gewürzhersteller leichter bei einer Anlieferungen untersuchen, ob das Gewürz nicht vorschriftsmäßig gelagert oder transportiert worden ist. Das Forschungsvorhaben läuft bis Juni nächsten Jahres und wird finanziell vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt.

Von Petra Funk

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