Invite-App 15.09.2021, 14:37 Uhr

Clubhouse: Was kann die App eigentlich noch?

Clubhouse war Anfang 2021 DAS Ding – aber warum eigentlich? Die ehemals hochexklusive Invite-App ist inzwischen offen für jeden. Was steckt noch drin in der Social-App? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Zwei Frauen schauen aufs Handy

Clubhouse nennt sich die neue Hype-App auf exklusive Einladung. (Symbolbild)

Foto: panthermedia.net/AntonioGuillem

Interaktiv. Das ist auch nur ein weiteres Buzzword, das seit den 90ern nicht totzukriegen ist, werden Sie jetzt denken. Doch die App Clubhouse hat dem Begriff neues Leben eingehaucht: Das Social-Media-Wunderkind weckte Hoffnungen. Politik könnte nahbarer werden, Forschungsteams und Start-ups könnten sich leichter mit Tech-Investoren vernetzen. Doch Clubhouse ist nach der großen Beliebtheit Anfang 2021 abgestürzt. Wieso konnte sich der Hype dann nicht zu einer regelmäßig stark genutzten App entwickeln?

Der Absturz von Clubhouse

Die App ist rein audiobasiert. Vor wenigen Monaten versammelte sich gefühlt die ganze Online-Welt, um auf Clubhouse an Talks rund um Themen wie Digitalisierung, Politik oder Kultur teilzunehmen. Dieser Rummel ebbte schnell wieder ab. Rund acht Monate nach dem Beginn des Hypes spielen in der Social-Media-Community die virtuellen Veranstaltungen innerhalb der Clubhouse-App keine herausragende Rolle mehr.

Wie viele aktive Nutzer sich im Monat noch in der Anwendung aufhalten geben die Gründer nicht bekannt. Firmengründer Paul Davison gab aber im Juni an, dass pro Tag noch 400.000 Clubhouse-Rooms aktiv seien. Anfang Februar nahmen bis zu zwei Millionen User an den virtuellen Talks teil. Viele Menschen probierten Clubhouse einmal aus, um mitreden zu können. Geblieben sind sie nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Universität Duisburg-Essen (UDE). Dort haben Forscher bereits im Februar das Soziale Netzwerk in einer Studie näher untersucht. Tobias Kollmann von der UDE zufolge ist der anfängliche Hype um Clubhouse ein Blasenphänomen, denn die App überzeugte nur knapp die Hälfte ihrer Nutzerinnen und Nutzer.

Wenngleich die Forschenden zu dem Schluss kommen, dass die inhaltlich einiges zu bieten habe: Clubhouse könne Politik nahbarer machen. Denn immerhin sind laut der Studie die meisten Nutzerinnen und Nutzer (41%) vor allem an Politik interessiert. Über die App können Hürden, an politischen Debatten teilzunehmen oder direkt mit Politikern ins Gespräch zu kommen, sinken. Doch passiert ist das nur punktuell und nur währen der ersten Hype-Monate. Nicht zuletzt vielleicht auch deshalb, weil Politiker das Risiko erkannt haben, das von unbedachten Äußerungen in vermeintlich geschlossenen Clubhouse-Kreisen ausgehen kann.

Überdies gab es immer wieder Klagen über Hate Speech und sexistische Inhalte in einigen Clubhouse-Kanälen. Vor allem in den USA gab es diesbezüglich Probleme. Letztlich sei Clubhouse wohl auch „zu schnell gewachsen“, glaubt Gründer Davison. Der Absturz sei nachvollziehbar.

Der Reiz des Raren ist schnell verflogen

Und der Reiz des Raren war schnell verflogen. Anfangs brauchten Nutzer eine Einladung anderer Nutzer, um überhaupt teilnehmen zu dürfen. Zu Beginn tummelten sich viele Promis und Tech-Gurus bei Clubhouse – das machte die App interessant. Seit Juli ist die App offen für alle – und plötzlich wollten viele gar nicht mehr dabei sein.

Und die Exklusivität zu Beginn war auch ein Fluch: Anfangs gab es die App nur für iOS. Android-Nutzer – rund drei Viertel aller Smartphone-Nutzer – waren ausgeschlossen. Bevor Clubhouse auch eine Android-App startete, kam zwischenzeitlich eine Fake-App für Android-Systeme auf den Markt, die in Wahrheit ein Schadprogramm aufs Smartphone lud: Viele dürfte das misstrauisch gemacht haben.

Die Konkurrenz schläft überdies bekanntermaßen selten. Twitter Spaces, Facebook-Audio-Rooms Spotify-Greenroom bieten ähnliche Funktionen wie Clubhouse, was die Attraktivität der App sinken ließ.

Was kann die App Clubhouse?

Mit der App ist es Beispiel möglich, beim Podcasthören live ins Gespräch einzusteigen. Und das ist noch nicht alles.

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Clubhouse ist im Grunde ein neues soziales Netzwerk. Genauer gesagt handelt es sich bei Clubhouse um eine Social-Audio-App. Das heißt: Die Nutzer kommunizieren nicht mittels Texten oder teilen Bilder, Videos und Emojis, sondern sprechen miteinander. Was Nutzer also brauchen sind Kopfhörer und ein Endgerät.

Die App gibt es seit März 2020 – und wurde direkt zum Hype. Wenige Monate später wurde Clubhouse mit unglaublichen 100 Millionen US-Dollar bewertet, obwohl noch nicht einmal die Beta-Phase der App abgeschlossen war.

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Wer steckt hinter Clubhouse?

Ja, auch Clubhouse stammt aus dem Silicon Valley. Hinter der App steckt das Unternehmen Alpha Exploration der beiden Start-Sup-Gründer Rohan Seth und Paul Davison.

Wie funktioniert Clubhouse?

Auf den ersten Blick ähnelt die App bekannten sozialen Netzwerken. Nutzer legen sich ein Profil an, können in Kontakt mit anderen Nutzern treten und ihnen folgen oder Gruppen beitreten, die hier Clubs heißen. Im Grunde ist Clubhouse eine Art Chatroom, in dem echte sprachbasierte Gespräche stattfinden. Die Nutzer kommen dazu zu einem bestimmten Termin in Audio-Chatrooms zusammen, um über ein vorher festgelegtes Thema zu diskutieren. Einen solchen Termin kann jeder Nutzer planen und selbst ausrichten.

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Das Besondere: Als Clubhouse-Nutzer kann man sich jederzeit in bereits stattfindende Gespräche einwählen und sich aktiv beteiligen – zum Beispiel in einen Live-Podcast. Wer etwas sagen möchte, hebt die virtuelle Hand – diese Funktion kennen die meisten Menschen spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie aus diversen Konferenz-Apps, über die man sich im Home-Office einwählt. Der Moderator des Gesprächs entscheidet dann, wer sprechen darf.

Wie bekomme ich eine Einladung oder Invite zum Clubhouse?

Der Haken zu  Beginn: Clubhouse war ein exklusiver Kreis. Neue Nutzer brauchten eine Einladung – oder Invite – eines Club-Mitglieds. Nach der Registrierung erhielten neue Nutzer dann einen Code, mit dem sie Mitglied werden konnten. Jedes Mitglied konnte zunächst nur zwei Einladungen aussprechen.

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Die Gründer griffen hier auf einen alten Trick der Luxusgüterindustrie zurück: Exklusivität und künstlich erzeugte Knappheit. Zusätzlich sorgte ein Staraufgebot für Attraktivität.

Im erlesenen Nutzerkreis tummelten sich viele Tech-Investoren und Prominente: Jared Leto, Ashton Kutscher und Oprah Winfrey waren zum Beispiel schon früh dabei. Und in Deutschland konnte man TV-Moderator Joko Winterscheidt oder Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner auf Events treffen. Und auch die Politik mischte mit: Nach dem Start in Deutschland konnten Nutzerinnen und Nutzer an einem Plausch mit der Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (CSU) und FDP-Politiker Christian Lindner teilnehmen. 

Ohne Invite konnte man das aber eben nicht – sprich: Man musste schon einigermaßen gut vernetzt sein, bevor man sich vernetzen konnte. Zwischenzeitlich wurden Invites zum Clubhouse sogar bei Ebay angeboten.

Sogar bei Ebay wurden Einladungen zur Clubhouse-App angeboten. Foto: Screenshot

Sogar bei Ebay wurden Einladungen zur Clubhouse-App angeboten.

Foto: Screenshot

Wie komme ich in die Clubhouse-App?

Seit Juli 2021 braucht man keine Einladung mehr, um bei Clubhouse mitzumachen. Die Gründer Paul Davison und Rohan Seth verkündeten damals das Aus für ihr Invite-Only-System.

Doch es gab schon zuvor ein paar Möglichkeiten, um an eine Einladung zu kommen. Etwa diese: Bei Messengerdiensten und Sozialen Netzwerken gab es diverse Gruppen, innerhalb derer die Mitglieder Einladungen teilen. Bei Telegram etwa hatte sich eine Gruppe des Podcasts Doppelgänger etabliert. Nutzer konnten dort eine Einladung zu Clubhouse bekommen – und verpflichteten sich, ihre beiden ersten Einladungen anderen Nutzer innerhalb der Telegram-Gruppe zur Verfügung zu stellen.

Nach und nach wuchs die Mitgliederzahl zunächst immer schneller. Denn Nutzer von Clubhouse erhielten weitere Invites, die sie verteilen konnten, wenn sie in der App aktiv waren. Wer regelmäßig an Gesprächen teilnahm oder Events startete, konnte also immer mehr Menschen ins Clubhouse holen.  

Am Invite-System von Clubhouse gab es indes auch von Anfang an Kritik und datenschutzrechtliche Bedenken. So musste man der App Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones gewähren – sonst konnte man keine Einladungen weitergeben. Die App bekam damit auch Zugriff auf Daten von Personen im Adressbuch, die nicht Mitglied bei Clubhouse waren.

Außerdem werden die Gespräche vorübergehend aufgezeichnet – wenn auch verschlüsselt.

Kritik am Datenschutz als Grund für den Absturz

42 Prozent der Nutzer halten den Datenschutz bei Clubhouse für wichtig, so die Erhebung der Uni Duisburg-Essen in Kooperation mit Civey. Dass die App hier deutliche Schwächen aufweist, kann ein Grund für die schwindende Nutzerschaft sein. Vor allem der Zugriff auf Kontakte im Telefonbuch und die unklare Datenverwendung wird als kritisch betrachtet.

“Die Heavy-Nutzer, die Clubhouse täglich nutzen, sind eindeutig in der Minderheit. Das deutet darauf hin, dass dieses Medium nur selektiv für geplante Talks mit einem Event-Charakter genutzt wird. Die tägliche Kommunikation findet aber offenbar weiterhin eher bei den Mitteilungsplattformen wie Twitter oder Facebook statt”, sagt Tobias Kollmann, Professor an der Universität im Ruhrgebiet.

Warum konnte nicht jeder von Anfang an ins Clubhouse?

Was soll die Sache mit der Exklusivität? Ist das ein reiner Marketing-Gag? Nun – vermutlich ja und nein. Die künstliche Verknappung sorgte für Begehrlichkeiten, jeder wollte dabei sein. Aber es dürfte auch technische Gründe geben: Ein solches Audio-Netzwerk steht vor ganz anderen Herausforderungen als eine Social-Media-App, über die vornehmlich Texte und Bilder geteilt werden. Es bedarf einer geeigneten Infrastruktur, in der sich eine große  Nutzerzahl komfortabel bewegen kann. Wenn ein Clubhouse-Event viele Nutzer gleichzeitig anlockt, droht die Überlastung. Außerdem wird durch die Limitierung der Mitglieder zumindest am Anfang eine gewisse Übersichtlichkeit der Gesprächsthemen beziehungsweise der Events gewährleistet.

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Und: Womöglich lernt man auch aus den Fehlern der Großen: Facebook und Twitter haben Probleme mit Verstößen gegen Nutzerrichtlinien, Hate Speech im Netz ist ein kaum in den Griff zu bekommendes Problem – und die Netzwerke können immer wieder leicht für Kampagnen unterschiedlichster politischer Gruppen missbraucht werden. Dem kann einen Riegel vorschieben, wenn man klein anfängt. Indes gibt es immer wieder Berichte über rassistische und sexistische Inhalte oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien bei Clubhouse-Events. Weil das ganze live passiert, ist eine Handhabe schwierig.

Funktioniert Clubhouse mit iOS und Android?

Lange lief die App ausschließlich auf dem iPhone – was die Zahl der potenziellen Nutzer noch weiter einschränkte. Der Einladende schickt eine Nachricht inklusive Link an das neue Mitglied, das beim erstmaligen Einloggen die Nummer eingeben muss, an die die Einladung verschickt wurde. Das muss nicht zwingend die Nummer des iPhones sein, auf dem die App installiert ist.

Seit dem 8. Mai steht die Anwendung auch für Android bereit. Einen erneuten Push hat dieser Launch nicht gebracht.

Für wen ist Clubhouse sinnvoll?

Clubhouse galt für alle Politik- und Technikinteressierten als eine spannende Sache. Als Nutzer kann man tatsächlich schnell mit Tech-Investoren und Profis ins Gespräch kommen, zu denen man sonst nicht so leicht Kontakt bekommen könnte. Zumindest war das zu Beginn so. Inzwischen ist die Zahl der Kanäle nicht mehr so groß und die Themen sind nicht mehr so vielfältig.

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Clubhouse versus Podcast: Wo liegt der Unterschied?

Clubhouse bietet im Gegensatz zu einem Podcast Platz für Interaktion und direkte Konversation. Das geht beim regulären Anhören eines Podcasts nicht. Zwar können Hörer im Anschluss an eine Kontaktadresse, sofern sie besteht, Feedback schicken, aber in Echtzeit kann man mit einer Podcast-Folge nicht interagieren. Wer eine exklusive Einladung genießt, bekommt in der Social-Media-App eine Mischung aus Audioangebot, Twitter-Feed und Tech-Konferenz geboten. Außerdem kann jeder Nutzer auch einen eigenen Raum innerhalb des „Clubhouses“ erstellen und andere User einladen. Die Macher hinter der Anwendung haben aus einem simplen Audio-Chat also eine hochwertige, interaktive Bühne geschaffen. Im wahren Leben würde man wohl von einer Party mit ausgewählten Gästen mit informativen Vorträgen und Unterhaltungen sprechen. Ein Abend im Clubhouse: Klingt nach einer erfolgsversprechenden Event-Reihe im „real life“. In der App wird aber kein Teilnehmer gezwungen sich zu beteiligen. Stiller Zuhörer kann also auch eine Rolle sein.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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