Invite-App 29.06.2021, 14:37 Uhr

Clubhouse: Hoch geflogen und tief gefallen

Clubhouse war Anfang 2021 DAS Ding – aber über die App redet kaum noch einer. Fragten sich vor wenigen Monaten noch zahlreiche User wie sie an eine der exklusiven Einladung kommen, suchen die Gründer aktuell nach den Ursachen des schnellen Absturzes. Wir klären die wichtigsten Fragen zu Clubhouse.

Zwei Frauen schauen aufs Handy

Clubhouse nennt sich die neue Hype-App auf exklusive Einladung. (Symbolbild)

Foto: panthermedia.net/AntonioGuillem

Interaktiv. Das ist auch nur ein weiteres Buzzword, das seit den 90ern nicht totzukriegen ist, werden Sie jetzt denken. Doch die App Clubhouse hat dem Begriff neues Leben eingehaucht. Wieso konnte sich der Hype dann nicht zu einer regelmäßig stark genutzten App entwickeln? Clubhouse ist nach der großen Beliebtheit Anfang 2021 abgestürzt.

Ein virtueller Stern verglüht: Der Absturz von Clubhouse

Die App ist rein audiobasiert. Vor wenigen Monaten versammelte sich gefühlt die ganze Online-Welt, um auf Clubhouse an Talks rund um Themen wie Digitalisierung, Politik oder Kultur teilzunehmen. Dieser Rummel ebbte schnell wieder ab. Sechs Monate nach dem Beginn des Hypes spricht in der Social Media Community fast keiner mehr von virtuellen Veranstaltungen innerhalb der Clubhouse-App. Wie viele aktive Nutzer sich im Monat noch in der Anwendung aufhalten geben die Gründer nicht bekannt. Firmengründer Paul Davison gibt aber an, dass pro Tag noch 400.000 Clubhouse-Rooms aktiv seien. Anfang Februar nahmen bis zu zwei Millionen User an den virtuellen Talks teil. Viele Menschen probierten Clubhouse einmal aus, um mitreden zu können. Geblieben sind sie nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Universität Duisburg-Essen. Laut Davison sei Clubhouse „zu schnell gewachsen“. Der Absturz sei daher nachvollziehbar.

Mit der App ist es zum Beispiel möglich, beim Podcasthören live ins Gespräch einzusteigen. Und das ist noch nicht alles. Gerade für Ingenieure, Ingenieurinnen, Developer und andere Technik-Interessierte kann die App sich lohnen. Aber: Nicht jeder ist berechtigt mitzumachen, der Zugang zum Clubhouse ist exklusiv. Wer die richtigen Leute kennt, ist drin – der Rest muss draußen bleiben. Wie funktioniert das ganze? Und wie bekomme ich eine Invite zum Clubhouse? Wir erklären, was es mit dem schnellen Aufstieg der App Clubhouse auf sich hat.

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Was ist Clubhouse?

Clubhouse ist im Grunde ein neues soziales Netzwerk. Genauer gesagt handelt es sich bei Clubhouse um eine Social-Audio-App. Das heißt: Die Nutzer kommunizieren nicht mittels Texten oder teilen Bilder, Videos und Emojis, sondern sprechen miteinander. Was Nutzer also brauchen sind Kopfhörer und ein Endgerät.

Die App gibt es seit März 2020 – und wurde direkt zum Hype. Wenige Monate später wurde Clubhouse mit unglaublichen 100 Millionen US-Dollar bewertet, obwohl noch nicht einmal die Beta-Phase der App abgeschlossen war.

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Wer steckt hinter Clubhouse?

Ja, auch Clubhouse stammt aus dem Silicon Valley. Hinter der App steckt das Unternehmen Alpha Exploration der beiden Start-Sup-Gründer Rohan Seth und Paul Davison.

Wie funktioniert Clubhouse?

Auf den ersten Blick ähnelt die App bekannten sozialen Netzwerken. Nutzer legen sich ein Profil an, können in Kontakt mit anderen Nutzern treten und ihnen folgen oder Gruppen beitreten, die hier Clubs heißen. Im Grunde ist Clubhouse eine Art Chatroom, in dem echte sprachbasierte Gespräche stattfinden. Die Nutzer kommen dazu zu einem bestimmten Termin in Audio-Chatrooms zusammen, um über ein vorher festgelegtes Thema zu diskutieren. Einen solchen Termin kann jeder Nutzer planen und selbst ausrichten.

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Das Besondere: Als Clubhouse-Nutzer kann man sich jederzeit in bereits stattfindende Gespräche einwählen und sich aktiv beteiligen – zum Beispiel in einen Live-Podcast. Wer etwas sagen möchte, hebt die virtuelle Hand – diese Funktion kennen die meisten Menschen spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie aus diversen Konferenz-Apps, über die man sich im Home-Office einwählt. Der Moderator des Gesprächs entscheidet dann, wer sprechen darf.

Wie bekomme ich eine Einladung oder Invite zum Clubhouse?

Der Haken: Clubhouse ist ein exklusiver Kreis. Neue Nutzer brauchen die Einladung – oder Invite – eines Club-Mitglieds. Nach der Registrierung erhalten neue Nutzer dann einen Code, mit dem sie Mitglied werden können. Jedes Mitglied kann zunächst nur zwei Einladungen aussprechen.

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Die Gründer greifen hier auf einen alten Trick der Luxusgüterindustrie zurück: Exklusivität und künstlich erzeugte Knappheit. Zusätzlich sorgt ein Staraufgebot für Attraktivität.

Im erlesenen Nutzerkreis tummeln sich viele Tech-Investoren und Prominente: Jared Leto, Ashton Kutscher und Oprah Winfrey waren zum Beispiel schon früh dabei. Und in Deutschland kann man TV-Moderator Joko Winterscheidt oder Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner auf Events treffen. Kürzlich erst war ein Plausch mit der Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (CSU) und FDP-Politiker Christian Lindner möglich. 

Ohne Invite kann man daran aber eben nicht teilnehmen – sprich: Man muss schon einigermaßen gut vernetzt sein, bevor man sich vernetzen kann. Inzwischen werden Invites zum Clubhouse sogar bei Ebay angeboten – ob sich bislang wirklich Käufer gefunden haben, ist indes unklar.

Sogar bei Ebay werden Einladungen zur Clubhouse-App angeboten. Foto: Screenshot

Sogar bei Ebay werden Einladungen zur Clubhouse-App angeboten.

Foto: Screenshot

Aber wie bekomme ich eine Einladung zu Clubhouse?

Eine Möglichkeit, an eine Einladung zu kommen, ist diese: Bei Messengerdiensten und Sozialen Netzwerken gibt es diverse Gruppen, innerhalb derer die Mitglieder Einladungen teilen. Bei Telegram etwa hat sich eine Gruppe des Podcasts Doppelgänger etabliert. Nutzer können dort eine Einladung zu Clubhouse bekommen – und verpflichten sich, ihre beiden ersten Einladungen anderen Nutzer innerhalb der Telegram-Gruppe zur Verfügung zu stellen.

Nach und nach dürfte die Mitgliederzahl immer schneller anwachsen. Denn Nutzer von Clubhouse erhalten weitere Invites, die sie verteilen können, wenn sie in der App aktiv sind. Wer regelmäßig an Gesprächen teilnimmt oder Events startet, kann also immer mehr Menschen ins Clubhouse holen.  

Am Invite-System von Clubhouse gibt es derweil auch Kritik und datenschutzrechtliche Bedenken. So muss man der App Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones gewähren – sonst kann man keine Einladungen weitergeben. Die App bekommt damit auch Zugriff auf Daten von Personen im Adressbuch, die nicht Mitglied bei Clubhouse sind. Außerdem werden die Gespräche vorübergehend aufgezeichnet – wenn auch verschlüsselt.

Kritik am Datenschutz als Grund für den Absturz

42 Prozent der Nutzer halten den Datenschutz bei Clubhouse für wichtig, so die Erhebung der Uni Duisburg-Essen in Kooperation mit Civey. Da die App hier deutliche Schwächen aufweist, kann es ein Grund für die schwindende Nutzerschaft sein. Vor allem der Zugriff auf Kontakte im Telefonbuch und die unklare Datenverwendung wird als kritisch betrachtet.

“Die Heavy-Nutzer, die Clubhouse täglich nutzen, sind eindeutig in der Minderheit. Das deutet darauf hin, dass dieses Medium nur selektiv für geplante Talks mit einem Event-Charakter genutzt wird. Die tägliche Kommunikation findet aber offenbar weiterhin eher bei den Mitteilungsplattformen wie Twitter oder Facebook statt”, sagt Tobias Kollmann, Professor an der Universität im Ruhrgebiet.

Warum kann nicht jeder ins Clubhouse? Warum brauche ich eine Invite?

Was soll die Sache mit der Exklusivität? Ist das ein reiner Marketing-Gag? Nun – vermutlich ja und nein. Die künstliche Verknappung sorgt für Begehrlichkeiten, jeder will dabei sein. Aber es dürfte auch technische Gründe geben: Ein solches Audio-Netzwerk steht vor ganz anderen Herausforderungen als eine Social-Media-App, über die vornehmlich Texte und Bilder geteilt werden. Es bedarf einer geeigneten Infrastruktur, in der sich eine große  Nutzerzahl komfortabel bewegen kann. Wenn ein Clubhouse-Event viele Nutzer gleichzeitig anlockt, droht die Überlastung. Außerdem wird durch die Limitierung der Mitglieder zumindest am Anfang eine gewisse Übersichtlichkeit der Gesprächsthemen beziehungsweise der Events gewährleistet.

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Und: Womöglich lernt man auch aus den Fehlern der Großen: Facebook und Twitter haben Probleme mit Verstößen gegen Nutzerrichtlinien, Hate Speech im Netz ist ein kaum in den Griff zu bekommendes Problem – und die Netzwerke können immer wieder leicht für Kampagnen unterschiedlichster politischer Gruppen missbraucht werden. Dem kann einen Riegel vorschieben, wenn man klein anfängt. Indes gibt es immer wieder Berichte über rassistische und sexistische Inhalte oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien bei Clubhouse-Events. Weil das ganze live passiert, ist eine Handhabe schwierig.

Funktioniert Clubhouse mit iOS und Android?

Lange lief die App ausschließlich auf dem iPhone – was die Zahl der potenziellen Nutzer noch weiter einschränkte. Der Einladende schickt eine Nachricht inklusive Link an das neue Mitglied, das beim erstmaligen Einloggen die Nummer eingeben muss, an die die Einladung verschickt wurde. Das muss nicht zwingend die Nummer des iPhones sein, auf dem die App installiert ist.

Seit dem 8. Mai steht die Anwendung auch für Android bereit. Einen erneuten Push hat dieser Launch nicht gebracht.

Für wen ist Clubhouse sinnvoll?

Derzeit ist das Clubhouse sicher für alle Technikinteressierten eine spannende Sache. Als Nutzer kann man schnell mit Tech-Investoren und Profis ins Gespräch kommen, zu denen man sonst nicht so leicht Kontakt bekommen könnte. Vor allem, da Messen aktuell nicht stattfinden können und wir uns noch immer im Lockdown befinden, ist der Online-Austausch im exklusiven Clubhouse eine ideale Gelegenheit.

Menschen aus Technikberufen, Ingenieure oder Naturwissenschaftler ganz verschiedener Fachrichtungen können sich in den Chatrooms schnell und unkompliziert austauschen und womöglich Projekte planen und angehen oder zumindest neuen Impulse geben. In der App lassen sich Konversationen unter dem Topic „Tech“ finden. Ob Virtual Reality, Venture Capital oder Kryptowährungen: In zahlreichen Unterkategorien warten spannende Diskussionen.

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Clubhouse versus Podcast: Wo liegt der Unterschied?

Clubhouse bietet im Gegensatz zu einem Podcast Platz für Interaktion und direkte Konversation. Das geht beim regulären Anhören eines Podcasts nicht. Zwar können Hörer im Anschluss an eine Kontaktadresse, sofern sie besteht, Feedback schicken, aber in Echtzeit kann man mit einer Podcast-Folge nicht interagieren. Wer eine exklusive Einladung genießt, bekommt in der Social-Media-App eine Mischung aus Audioangebot, Twitter-Feed und Tech-Konferenz geboten. Außerdem kann jeder Nutzer auch einen eigenen Raum innerhalb des „Clubhouses“ erstellen und andere User einladen. Die Macher hinter der Anwendung haben aus einem simplen Audio-Chat also eine hochwertige, interaktive Bühne geschaffen. Im wahren Leben würde man wohl von einer Party mit ausgewählten Gästen mit informativen Vorträgen und Unterhaltungen sprechen. Ein Abend im Clubhouse: Klingt nach einer erfolgsversprechenden Event-Reihe im „real life“. In der App wird aber kein Teilnehmer gezwungen sich zu beteiligen. Stiller Zuhörer kann also auch eine Rolle sein.

Back of the Bus ab 22 Uhr

Fast jede Nacht ab 22 Uhr beginnt sich das Format zu wandeln. Wissen Sie noch wie das abends in einer vollen Kneipe war und man sich lautstark bei einem Glas Bier über Gott und die Welt unterhalten hat? So ähnlich kann man sich das digitale Clubhouse-Format „Back to the Bus“ vorstellen. Tech-Themen sind ab dieser Uhrzeit tabu. Ob Dating-Ratgeber oder Influencer-Tipps: In den Abendstunden widmen sich bis zu 50 Teilnehmer den „wirklich wichtigen Themen“ des „Digital Life“. Alle Nutzer erhalten Gastgeberprivilegien und sind angehalten die Regeln zu befolgen, darum kümmert sich Account Executive Ryan Dawidjan höchstpersönlich. Gegenüber der NY Times beschreibt er die nächtlichen Stunden in der App als “Mystery Box”: „Man möchte ‘Clubhouse’ nicht verlassen, weil einen das Gefühl verfolgt, dass beim Verlassen etwas Verrücktes passieren wird.“

Gelingt der Durchbruch?

Ob es die Clubhouse-App in die Riege der beliebtesten Smartphone-Anwendungen im Social Web schafft, bleibt abzuwarten. Wenn sich die Corona-Pandemie dem Ende neigen sollte und es verstärkt Netzwerkveranstaltungen im realen Leben gibt, wird es den Erfolg von Clubhouse womöglich weiter schmälern. Die Gründer Davison und Seth wollen weiter an einem wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodell arbeiten. Werbeplätze und Kundendaten wollen sie aber „ganz sicher nicht“ verkaufen.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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