Abwasser 01.06.2012, 11:00 Uhr

Städte und Gemeinden rüsten Kläranlagen zu Kraftwerken auf

Kläranlagen sind die größten Energiefresser innerhalb der Kommunen. Um Kosten zu senken und das Klima zu schonen, rüsten viele Städte und Gemeinden ihre Anlagen um. Die Aufbereitung der Abwässer soll künftig effizienter oder gar energieautark geschehen. Manche Kläranlagen mutieren dabei beinahe zu kleinen Kraftwerken. Erste Anlagen sind in Jena, Gera, Braunschweig, Goslar und im schwäbischen Balingen entstanden.

Jahrelang investierten Gemeinden und Städte Millionen in den Ausbau der Reinigungsstufen und -leistung. Klärstufen und Faultürme wurden großzügig dimensioniert. Umweltschutz war entscheidend, die späteren Betriebskosten spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Nachdem die Reinigungsleistung nun weitgehend an ihre Grenzen gestoßen ist, hat ein Umdenken in der Abwasserwirtschaft eingesetzt. Angesichts klammer Kassen müssen viele Kommunen auf Effizienz achten und die Kosten senken. Energiesparen ist angesagt.

„Durch den Einsatz von effizienten Maschinen und Elektrotechnik sind Einsparpotenziale von bis zu 25 % realistisch“, meint Otto Schaaf, Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), Hennef. So ließe sich etwa bei der Belüftung von Belebtschlammbecken viel Energie einsparen. Derzeit entfallen allein 70 % des Energieaufwands auf die Beckenbelüftung.

Bundesumweltministerium fördert energieeffiziente Kläranlagen

Landauf, landab ist ein regelrechter Wettbewerb um die energieeffizienteste Kläranlagen entstanden. Das Bundesumweltministerium (BMU) fördert mehrere Vorhaben wie zum Beispiel die energetische Optimierung der Anlage im hessischen Schlitz oder die Plusenergiekläranlage mit Phosphor-Rückgewinnung in Lingen (Niedersachsen). Bereits Ende 2010 hatte das BMU im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms einen Förderschwerpunkt „Energieeffiziente Abwasseranlagen“ gestartet.

In immer mehr Kommunen setzt sich die energieautarke Kläranlage durch – die mit ihrer selbst produzierten Energie auskommt. Solche Anlagen sind in Jena, Gera, Braunschweig, Goslar sowie auch im schwäbischen Balingen entstanden oder in der Umsetzung.

Die Stadt Koblenz will europaweit neue Maßstäbe mit einer neuen energieautarken Kläranlage schaffen. Vorgesehen sind die Nutzung der Strömungsenergie des Abwassers mit Turbinen, die thermische Klärschlammverwertung sowie die Abwärmenutzung aus der Gebläseluft. Erstmals wird in Koblenz nicht nur das Einsparpotenzial aus dem Klärschlamm, sondern auch aus den Abwasserströmen genutzt. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 10 Mio. €, 2 Mio. € kommen aus dem EU-Förderprogramm für Umweltschutzmaßnahmen „Life“.

Kläranlage Balingen braucht keinen externen Strom mehr

Vorreiter ist die Kleinstadt Balingen am Rande der schwäbischen Alb. Seit dem Jahr 2000 kann die Anlage fast vollständig auf externe Stromversorgung verzichten. Drei Blockheizkraftwerke decken zu 60 % bis 90 % den Energiebedarf. Das dazu nötige Methan entsteht bei der Schlammvergärung in den Faultürmen.

Kläranlagen werden zunehmend zu Energieerzeugern. Nach Einschätzung von DWA-Präsident Schaaf könne durch die Nutzung von Klärgas in Blockheizkraftwerken oder als Wärmeenergie die Energieerzeugung pro Jahr verdrei- oder vervierfacht werden. „Die deutsche Wasserwirtschaft kann bei der Stromerzeugung mit einem Anteil von 20 % zu einem wichtigen Partner für eine erfolgreiche Energiewende werden“, prophezeit Schaaf.

“Wir können Klärwerke zu Kraftwerken machen”

„Wir können Klärwerke zu Kraftwerken machen“, behauptet gar Petra Warnecke von Veolia Wasser. Der französische Wasserkonzern hat seinem Programm „Waste2energy“ höchste Priorität gegeben. In Braunschweig und Gera betreibt Veolia energieautarke Abwasserreinigungsanlagen.

Auch auf der weltgrößten Messe für Umwelttechnik Ifat Anfang Mai in München war die Energiefrage das zentrale Thema. Zahlreiche Aussteller zeigten ihr Know-how zu diesem Thema.

Marktführer Remondis zum Beispiel, der jüngst für 95 Mio. € Eurawasser übernommen hat, setzt auf energieautarke Kläranlagen. Vor allem für kleine Gemeinden würde sich die Investition in energiesparende Techniken lohnen.

Ausländische Kunden interessieren sich für energieautarke Kläranlagen

Für die deutsche Abwasserwirtschaft kann dieser Art Energiegewinnung auch ein wichtiges Verkaufsargument beim Export von Anlagen oder Ausrüstung sein. So plant Die WTE Wassertechnik GmbH in Essen für die geteilte Hauptstadt Zyperns, Nikosia, eine Kläranlage, die zu 70 % energieautark ist. „Das ist ganz wichtig für ein Land, das oft unter Stromausfällen leidet“, sagte ein WTE-Sprecher gegenüber VDI nachrichten.

Anlagenbauer Envirochemie aus Rossdorf bei Darmstadt hat vor Kurzem das Pumpwerk Ebqoriyyeh nahe der jordanischen Hauptstadt Amman modernisiert. Dabei gelang es den Deutschen, 35 % an Energie einzusparen.

„Dies entspricht einer Senkung der Energiekosten von1 Mio. € pro Jahr“, verkündete Envirochemie-Chef Gottfried Hupfer auf der Umweltmesse in München. „Innovative Umwelttechnologie wird immer stärker nachgefragt“, meint er. Und sieht deutsche Unternehmen gut gerüstet für das Wachstumsfeld der Zukunft.

Freilich: Die Konkurrenz schläft nicht. Auch der französische Wasser-Riese Veolia sieht sein Heil in Waste2energy bei der Expansion im Ausland. „In Osteuropa spielt das Thema eine wichtige Rolle“, sagte Projektmanagerin Kristine Hellevik.

Von Notker Blechner

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