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Logistik über dem Wattenmeer: FLN testet Frachtdrohnen nach Juist

14. April 2026

Ingo Hellmann, Drohnenpilot und Betriebsleiter der FLN Frisia-Luftverkehr am Flugplatz Norddeich, startet eine Drohne vom Typ DJI Matrice 400
Ingo Hellmann, Drohnenpilot und Betriebsleiter der FLN Frisia-Luftverkehr am Flugplatz Norddeich, startet eine Drohne vom Typ DJI Matrice 400 für einen Testflug zur Nordseeinsel Juist. Frachtdrohnen könnten in Zukunft die Versorgung der ostfriesischen Nordseeinseln erleichtern. Foto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich
FLN testet Frachtdrohnen für die Versorgung von Juist. Ziel ist eine schnelle, tideunabhängige Logistik für Medikamente, Ersatzteile und eilige Güter.
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Die Fluggesellschaft Frisia Luftverkehr Norddeich (FLN) erprobt den Einsatz von Frachtdrohnen zur Versorgung der Insel Juist. Das Ziel ist eine schnelle und von den Gezeiten unabhängige Logistik für zeitkritische Güter wie Medikamente oder Ersatzteile. Während die Technik bereits stabil funktioniert, suchen die Verantwortlichen noch nach wirtschaftlichen Geschäftsmodellen für einen dauerhaften Regelbetrieb.

Inhaltsverzeichnis

Testflüge über der Nordsee

Ingo Hellmann sitzt konzentriert vor seiner Konsole. Zwei Joysticks und ein Monitor bestimmen seinen Arbeitsplatz im Kontrollraum des Flugplatzes Norddeich. Während auf den Bildschirmen neben ihm die regulären Flug- und Schiffsbewegungen der Region zu sehen sind, bereitet Hellmann einen besonderen Start vor. Er steuert eine Drohne – direkt vom Schreibtisch aus.

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„Haben wir irgendetwas in der Luft?“, fragt Hellmann seine Kollegin. Sie prüft die Monitore und gibt Entwarnung: „Negativ, ist alles weit weg.“ Damit ist der Weg frei für einen Testflug über die Nordsee. Seit einigen Wochen erprobt FLN den Transport von Fracht zwischen dem Festland und der Insel Juist.

Bis zu 6 kg Fracht möglich

An der Unterseite des grau-schwarzen Fluggeräts befindet sich eine kleine Transportbox. Bis zu 6 kg kann das System befördern. Bei diesem Testflug bleibt die Box leer, denn heute geht es primär um die Flugbedingungen. Sobald der Befehl über die Konsole erfolgt, rotieren die vier Motoren auf dem Vorfeld des Flugplatzes. Die Drohne hebt senkrecht ab.

„Sie wird nun auf die Flughöhe von 100 m steigen“, erklärt Hellmann. Der ehemalige Tornado-Pilot der Bundeswehr profitiert von seiner Erfahrung im Cockpit. Die Steuerung per Joystick ähnelt der eines echten Flugzeugs. Sobald die Zielhöhe erreicht ist, fliegt die Drohne die rund 13 km lange Strecke nach Juist automatisch ab. Sie folgt dabei fest eingespeicherten Wegmarken über das Wattenmeer bis zu einer Landefläche am Inselhafen.

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Flexibilität bei Windstärke neun

Für die FLN ist das Projekt nicht nur eine technische Spielerei. Bisher flogen kleine Propellermaschinen Gäste und Fracht auf die Insel. Zudem übernehmen große Fähren die Hauptlast der Versorgung. Doch Schiffe sind an Ebbe und Flut gebunden. Die Drohne bietet hier entscheidende Vorteile:

  • Unabhängigkeit: Flüge sind weitgehend zeitunabhängig möglich.
  • Wetterfestigkeit: Laut FLN kann das System bis Windstärke neun operieren.
  • Geschwindigkeit: Eilige Güter erreichen das Ziel ohne Wartezeiten im Hafen.

Sollten sich Hubschrauber oder Schiffe dem Pfad nähern, greift der Pilot ein. „Ich kann komplett die Steuerung übernehmen und dann dem Hindernis ausweichen“, sagt Hellmann. Er beobachtet den Flugweg permanent per Livebild.

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Medikamente und Ersatzteile als Geschäftsmodell

Noch ist die Drohnen-Logistik in der Erprobungsphase. Olaf Weddermann, Geschäftsführer der FLN, sieht das Thema als spannendes künftiges Geschäftsfeld, bleibt aber bei der Prognose für die Wirtschaftlichkeit vorsichtig. „Ich glaube, dass sich vorrangig im Bereich der Rettung, der Notfallversorgung die ersten Modelle bewegen werden“, erklärt Weddermann.

Denkbare Einsatzgebiete sind:

  • Transport von Medikamenten zur Inselapotheke.
  • Schnelle Lieferung von Blutproben an Labore auf dem Festland.
  • Versorgung von Offshore-Windparks mit Werkzeugen oder Bauteilen.

Bisher gibt es allerdings noch keine konkreten Kundenanfragen für einen regulären Betrieb. Auch rechtliche Genehmigungen für einen dauerhaften Einsatz stehen noch aus.

Die Hürden auf dem Weg zum Regelbetrieb

Die Idee ist nicht völlig neu. Bereits im Jahr 2014 testete die Deutsche Post einen „Paketkopter“ auf derselben Route. Das Forschungsprojekt wurde jedoch beendet und ein Regelbetrieb durch den Logistiker DHL findet aktuell nicht statt. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik zieht dennoch eine positive Bilanz aus solchen Projekten. Eine Sprecherin teilt mit: „Die bisherigen Erfahrungen sind grundsätzlich ermutigend: Technisch ist vieles bereits machbar.“

Dennoch bleibt der Schritt in die tägliche Praxis schwierig. Die Technik hat sich zwar rasant entwickelt, doch Grenzen gibt es weiterhin bei der Nutzlast und der Wirtschaftlichkeit. Auch Aspekte wie Lärmschutz und Datenschutz müssen beachtet werden. Drohnen werden den herkömmlichen Verkehr daher „auf absehbare Zeit eher ergänzen als ersetzen“.

Ausweitung auf andere Inseln denkbar

Für einen Massenversand, etwa nach Norderney mit seinen 6.500 Einwohnenden, hält Weddermann Drohnen für wenig geeignet. Die Anzahl der benötigten Flüge wäre schlicht zu hoch. Dennoch plant die FLN, die Erfahrungen zu vertiefen. Als Tochter der Reederei Norden-Frisia könnte das Unternehmen kleine Materialtransporte für die eigene Werkstatt auf Norderney realisieren. „Können wir dort auf dem kurzen Dienstweg vielleicht kleine Materialtransporte zum Festland herstellen?“, fragt Weddermann laut.

Nach dem Testflug landet das Fluggerät sicher wieder in Norddeich. Ingo Hellmann ist zufrieden mit der Performance. „Die Drohne hatte ein bisschen mit dem Wind zu kämpfen“, resümiert er. Ansonsten verlief der Einsatz reibungslos. Es ist ein kleiner, aber stabiler Schritt für die Logistik der Zukunft an der Nordseeküste. (mit dpa)



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