Drohnenfertigung 16.05.2026, 08:30 Uhr

Das will Heidelberg in der Drohnenabwehr besser machen als andere Hersteller

Es klingt wie eine Kooperation unter vielen. Heidelberg und Onberg bauen gemeinsam Drohnenabwehrsysteme. Die Besonderheit zeigt sich in der Produktion.

Eine Abwehrdrohne schwebt über einem autonomen Geländefahrzeug

Eine Abfangdrohne von Onberg schwebt über einem autonomen Fahrzeug, das HD Advanced Technologies in wenigen Monaten zur Produktionsreife entwickelt hat. Beide Unternehmen wollen gemeinsam in Deutschland Drohnenabwehrsysteme produzieren.

Foto: Reinhardt & Sommer Fotografen/HEIDELBERG

Die Produktion sowohl von Drohnen als auch von deren Abwehrsystemen ist größtenteils durch manuelle Prozesse geprägt. Genau das will die HD Advanced Technologies (HDAT), eine Tochter der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg), nun ändern. Zusammen mit dem amerikanisch-israelischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems ist am Standort in Brandenburg an der Havel im April 2026 das Joint Venture Onberg Autonomous Systems offiziell gestartet. Für die 2014 gegründete Industriesparte des Druckmaschinenherstellers könnte das ein Durchbruch werden.

Doch kann es der Druckmaschinenkonzern wirklich besser als andere Industriezweige, etwa die Automobilbranche? Michael Wellenzohn, CEO von HD Advanced Technologies, ist davon überzeugt. Er hat selbst über 20 Jahre in der Automotive-Branche gearbeitet, bevor er Mitte 2025 zu Heidelberg wechselte und den Bereich HDAT aufbaut. „Eine Druckmaschine ist für mich das komplexeste mechatronische System, was ich kenne“, stellt er fest. Bei 40 m Länge liege nach dem Einlegen des Papiers die Toleranz am Ende der Strecke bei gerade einmal 10 µm.

Präzision und Robustheit der Druckmaschine auf die Drohnenabwehr übertragen

„Der ganze mechanische Antrieb einer Druckmaschine ist eine Schweizer Uhr in Präzision“, bringt der Manager die Kompetenz des Maschinenbaukonzerns auf den Punkt. Dazu kämen etwa 300 Elektromotoren, 2700 Aktuatoren und Sensoren sowie Subsysteme mit Hydraulik und Pneumatik. Er ergänzt: „Ich muss eine Integrationsschicht bauen, damit ich mit den Protokollen dieser Subsysteme steuerungstechnisch umgehen kann.“

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Redakteur (m/w/d) für Maschinenbau Beckhoff Automation GmbH & Co. KG
Herzebrock-Clarholz Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur / Projektingenieur Ingenieurbau (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Aerologic GmbH-Firmenlogo
Engineer Aircraft Reliability & Maintenance Program (m/f/x) Aerologic GmbH
Schkeuditz Zum Job 
Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Verfahrenstechniker / Ingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG
Rietberg Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth-Firmenlogo
Professur (m/w/d) für das Gebiet Künstliche Intelligenz für Datastream Mining Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth
Wilhelmshaven Zum Job 
Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth-Firmenlogo
Professur (m/w/d) für das Gebiet Elektronik für die Medizintechnik Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth
Wilhelmshaven Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in oder Physiker*in (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*innen (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
Bergische Universität Wuppertal-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (Doktorand*in) im Bereich der Materialwissenschaften Bergische Universität Wuppertal
Wuppertal Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 

Er betont: „Die ganze Integration, das ganze Betriebssystem und die ganze Applikationssoftware kommen von Heidelberg.“ Wer bisher dachte, ein humanoider Roboter sei ein komplexes System, wird von ihm eines Besseren belehrt.

Wellenzohn verweist noch auf eine andere Kompetenz seines Konzerns, die auch für Drohnenabwehrsysteme entscheidend sein könnte: „Eine Druckmaschine muss in jedem Land der Erde funktionieren.“ Weil es weltweit unterschiedliche Frequenzen und Spannungslagen gibt, bauen die Maschinen ihr eigenes Stromnetz auf. „Das heißt, wir arbeiten dort mit Spannungen zwischen 800 V und 24 V. Die Leistungselektronik und die Elektrik dahinter entwickelt Heidelberg selbst und produziert sie in Deutschland“, hebt er hervor. Dazu kommen eigene Gießereikapazitäten.

Kooperation mit Ondas untermauert die Strategie der Industriesparte von Heidelberg

Die Kooperation mit dem Drohnenspezialisten Ondas ist für Wellenzohn deshalb ein logischer Schritt. Denn nach der Analyse potenzieller Geschäftsfelder für die Industriesparte konzentriert man sich künftig vor allem auf den schweren Maschinenbau und die Geschäftsfelder Aerospace, Robotik sowie Energiesysteme wie stationäre Energiespeicher.

Mit dem Joint Venture Onberg möchte HDAT jetzt die Produktion in der Robotik skalieren. Im Fokus steht dabei die Produktion von kompletten Drohnenabwehrsystemen. Als Beispiel dient zunächst ein unbemanntes Geländefahrzeug, das beispielsweise als mobile Startplattform für Abfangdrohnen dienen kann. Wellenzohn nennt es kurz UGV. Das steht für „unmanned ground vehicle“.

Er sagt: „Innerhalb von viereinhalb Monaten haben wir das Funktionsmuster hier komplett entwickelt und hergestellt. Lediglich die vier Räder, zwei Batterien und zwei Elektromotoren haben wir hinzugekauft. Es ist so konzipiert, dass wir mit der bestehenden Produktionsinfrastruktur sofort 100 Stück pro Monat bauen könnten.“

Michael Wellenzohn im Anzug präsentiert Onberg vor Publikum in Brandenburg
„Wir sind nicht die, die Drohnen automatisiert steuern. Aber wir bieten eine Plattform mit eigener Elektronik und eigener Wertschöpfungstiefe“, sagt HD-AT-CEO Michael Wellenzohn. Das Bild zeigt ihn am Standort in Brandenburg. Foto: Reinhardt & Sommer Fotografen/HEIDELBERG

Heidelberg will Produktion auf 1000 Drohnen am Tag skalieren

Über Abfangdrohnen, sogenannte Interceptor Drones, sagt der HDAT-Manager: „Wir sind nicht die, die Drohnen automatisiert steuern. Aber wir bieten eine Plattform mit eigener Elektronik und eigener Wertschöpfungstiefe.“ Nach seiner Aussage könnte sein Unternehmen bis zu 1000 solcher Drohnen am Tag produzieren. Durch die effiziente Produktion sei man dabei zudem deutlich günstiger als die bekannten Wettbewerber aus der Rüstungsindustrie.  

Das liegt auch an dem Gesamtkonzept. Denn Onberg verzichtet auf teure, aufwendig zu verarbeitende Kompositmaterialien. Die müssten nämlich erst laminiert und ausgebacken werden. Im Fokus steht die Industrialisierbarkeit. Wellenzohn verdeutlicht aus Sicht der Bundeswehr: „Bei den kurzen Innovationszyklen will ich mir davon keine 600.000 Stück ins Lager legen. Im Verteidigungsfall muss ich schnell und flexibel produzieren können, damit ich dann auf hohe Stückzahlen komme.“

Ganzheitliches Konzept zur Drohnenabwehr von der Erfassung bis zur Wirkung

Mit seinem Lösungsportfolio adressiert Onberg allerdings vor allem den ganzheitlichen Systemansatz zur Drohnenabwehr. Im Fokus steht eine Lösung, die Erkennung, Führung und Wirkung in einer einzigen Architektur vereint. Das heißt im Fall von Kritis: Zunächst erfassen Sensoren ein Objekt. Anschließend wird es klassifiziert. Besteht eine potenzielle Gefahr, werden weitere Schritte initiiert. Es folgen eine Warnung und die Analyse möglicher Gegenmaßnahmen. Am Ende steht die Abwehr in Form von elektronischen Maßnahmen (Softkill) oder Hardkill-Methoden mit Fangnetzen, Laser oder Beschuss.

Die technologischen Teillösungen der Onberg-Partner sollen dabei zu einer durchgängigen, skalierbaren Gesamtlösung zusammengeführt werden ‒ entwickelt, produziert und betreut in Deutschland.

Partner Ondas bringt fertig entwickelte Drohnentechnik in das Joint Venture Onberg ein

Der Partner Ondas bringt dazu fertig entwickelte Produkte ein. Dazu zählen Komplettsysteme wie „Optimus“ von der Tochter Airobotics. Das ist ein End-to-End-System mit dem Erscheinungsbild einer gekapselten Werkzeugmaschine. Es dient als Start- und Landebasis für Drohnen und kann Batterien sowie Sensorsysteme voll automatisiert wechseln. Damit dient es beispielsweise als Terminal für automatisierte Inspektionsflüge.

Ein anderes System der Partner ist das Drohnenabwehrsystem „Iron Drone“. Erscheint ein verdächtiges Objekt, öffnet sich automatisch der Deckel der nicht einmal hüfthohen Box. Dadurch ist der Weg frei für die mit einem Fangnetz ausgestattete Drohne. Ausgestattet mit eigener Sensorik, kann diese das Zielobjekt verfolgen und zu Boden zwingen.

„Wenn Sie einen Schrank anschauen, aus dem eine Interceptor-Drohne rauskommt, ist das für uns nichts anderes als ein Steuerschrank. Da müssen Sie Strom anschließen, Strom verteilen, Strom überwachen, Batterien laden, diese Arme bewegen und die Klappe oben öffnen“, so Wellenzohn.

Europäische Lieferkette für autonome Maschinen

Die Rolle von HD Advanced Technologies ist es laut dem Unternehmen, dabei die Industrialisierung mit Maschinen und Anlagen zu begleiten sowie lokale Produktionen aufzubauen. Im Fokus steht dabei der Standort in Brandenburg. Der Manager möchte aber bei Bedarf den Produktionsverbund mit dem Stammhaus in Wiesloch einbeziehen.

„Ich glaube, dass die Drohnenabwehr ein zentrales Thema wird“, stellt er angesichts der zunehmenden Zahl registrierter Drohnenflüge über kritischer Infrastruktur fest. Die Produktion in Deutschland mit europäischer Lieferkette soll innerhalb „von Monaten und nicht Jahren“ stehen.

Ob sein Unternehmen irgendwann auch in die Serienproduktion humanoider Roboter einsteigen wird, lässt er offen. „Im Bereich der Robotik haben wir das diskutiert, konzentrieren uns aber aktuell auf Sicherheitssysteme und Energiesysteme“, hält er fest. Generell findet er es im Verteidigungsfall aber von Vorteil, wenn hinter der Frontlinie autonome Maschinen eingesetzt werden.  „Im Ernstfall trifft es dann Blech und Elektronik.“

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.