Drohnenabwehr aus Bonn: Deutsche Telekom verbündet sich mit Rheinmetall
Die Deutsche Telekom baut ihren Defensebereich aus. Den Auftakt macht eine Kooperation mit Rheinmetall zur Drohnenabwehr. Das Ziel: Der Schutz kritischer Infrastrukturen
Drohnenflug für Ortungsfotos und Wärmeanalysen zum Beispiel von von Photovoltaikanlagen werden zur einfachen Inspektion aus der Luft eingesetzt. Aber es gibt auch Drohnen, die ungebeten über einem Gelände mit kritischer Infrastruktur auftauchen. Die Deutsche Telekom und Rheinmetall wollen bei der Drohnenabwehr kooperieren und einen Abwehrschirm entwickeln.
Foto: PantherMedia / abriendomundo
Seit Jahresbeginn ist klar: Die Deutsche Telekom baut systematisch ein Defense-Geschäft auf, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Innerhalb von T-Systems treibt ein 15-köpfiges Team um den Senior Vice President (SVP) Defense, Philip Stockmann, den Aufbau des Geschäftsfeldes voran. Im Vorfeld des am 12. und 13. Mai in Bonn stattfindenden Branchentreff, der Fachausstellung des Vereins AFCEA, wurde deutlich, wo die Reise hingeht. Der Bonner Telekommunikationsriese bündelt zum Beispiel seine Expertise mit dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall im Bereich Drohnenabwehr.
Es gibt zu viele Drohnenüberflüge über kritischer Infrastruktur in Deutschland, auch über Militärgeländen. Wer weiß, wie viele es sind? T-Systems zumindest hat mit allem Knowhow im Bereich Funk die Fähigkeit, sie zu erkennen, liefert Detektoren. Rheinmetall die Effektoren, also die physische Abwehr. Das ist, sehr vereinfacht, der Plan. Im Endeffekt soll es zum Beispiel für kritische Infrastrukturen Drohnenabwehr als Dienstleistung geben, die nach Bedarf eingekauft werden kann.
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Was genau Telekom und Rheinmetall planen
„Rheinmetall und die Telekom wollen gemeinsam einen Abwehrschirm gegen Drohnen und Sabotage entwickeln. Die Unternehmen wollen zusammen Städte und kritische Infrastrukturen in Deutschland schützen“, heißt es in einer Mitteilung beider Unternehmen. Ziel sei, „Fähigkeiten und Technologien gegen vielfältige Angriffsmöglichkeiten auf Kritis-Standorte zu entwickeln, ein sogenannter Multi-Threat-Protection-Ansatz“. Kritis steht für kritische Infrastrukturen, ob Energie- oder Wasserversorgung, Verkehrswege, IT-Infrastrukturen oder Militäreinrichtungen. Was genau die Vereinbarung beinhaltet, wollen die Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger redet von einer Kombination aus „Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen“. Telekom-CEO Timotheus Höttges verspricht, mit „unserer Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse“ die Drohnenabwehr auf ein neues Level zu bringen.
- In der Sensorik haben beide Unternehmen Expertise.
- Die Effektoren, die eigentliche Abwehrtechnologie für den Abwehrschirm, kommt aus Düsseldorf.
- Die für Sensorik notwendigen Technologien sowie Erfahrungen zur Echtzeitdatenverarbeitung gibt es in beiden Konzernen.
- Bei den Kommunikationsnetzen darf man sicher vor allem an die Telekom denken.
- In der Tochter T-Systems sind die drei Fachgebiete Konnektivität, Cloud und Datenanalyse für Unternehmenskunden seit Jahren gebündelt. Hinzu kommen die KI-Aktivitäten, bei denen T-Systems gut aufgestellt ist.
Was die Telekom für einen Drohnenabwehrschirm alles mitbringt
Dabei hat die Deutsche Telekom nach eigenen Angaben seit fast einem Jahrzehnt (2017) Erfahrung, wenn es um Drohnensicherheit geht. So lange sei man Partner für Unternehmen und Behörden in dem Bereich, man habe bereits im In- und Ausland „kritische Infrastrukturen, Liegenschaften oder Großevents gegen Drohnen gesichert“. So habe man 2024 im Polizei-Auftrag bei der Fußball-Europameisterschaft erfolgreich illegale Drohnenflüge zuverlässig detektiert, heißt es seitens der Telekom.
Drohnenflüge in Sperrgebieten, auch unbeabsichtigte, sind ein gefährlicher Eingriff in den Flugverkehr. Wer erwischt wird, riskiert harte Strafen. „Systeme der Telekom haben im Kundenauftrag bereits in großem Umfang verbotene Drohnenflüge punktgenau lokalisiert. Einsatzkräfte haben Piloten so schnell finden können“, schreibt die Telekom.
Wie die Drohnenerkennung per Funk funktioniert
Technologisch ist die Drohnenerkennung laut Mitteilung von Telekom und Rheinmetall zweigeteilt, in den Funkfrequenzbereich und den Mobilfunkbereich. Dies ergibt sich daraus, worüber die Drohnen gesteuert werden:
- Runde 90 % der Drohnen kommunizieren über dedizierte ISM-Funkfrequenz-Bänder (ISM: Industrial, Scientific, and Medical), zum Beispiel bei 2,4 GHz oder 5,8 GHz. Die Frequenzen werden im Fachdeutsch Funkfrequenzen genannt (Radio Frequency/RF). Diese RF-Kommunikation lässt sich mit passiven RF-Scannern abfangen. Anhand der Protokollsignatur lässt sich erkennen, ob es sich um eine Drohne handelt oder nicht. RF-Scanner lassen sich an Funkmasten installieren, weil sie andere sensible Mobilfunktechnik nicht beim Funken stören. Hoch an Funkmasten angebrachte RF-Sensoren hätten sich nach Kundenerfahrungen der Telekom gerade in Stadtgebieten mit dichter Bebauung bewährt. Militärische Drohnen und professionelle, zum Beispiel für eine Pipelineinspektion oder -überwachung, nutzen andere Bänder im Mikrowellenbereich.
- Ein kleinerer aber wachsender Anteil der Drohnen wird über Mobilfunk gesteuert. Dort ist eine SIM/eSIM verbaut. Dabei geht es derzeit um die Erkennung in 5G-Netzen. Das 5G-typische Network Slicing erlaubt eine dezidierte Datenspur für die Drohnensteuerung. „Wie sich diese Drohnen finden lassen, erforscht die Telekom gemeinsam mit der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg“, heißt es bei der Telekom. Technisch kann eine Detektion im Mobilfunknetz über eine Veränderung der Signallaufzeiten von reflektierten Mobilfunksignalen laufen. So ergibt sich ein charakteristisches Bewegungsbild im Netz, an dem sich eine Drohne erkennen lässt. Mindestens vier Masten im Drohnenumfeld sind dafür nötig. Die kommenden 6G-Netze mit noch höherer lokaler Auflösung als 5G dürften schon mitgedacht werden.
Wie die Telekom ihren Defensebereich aufstellt
Dass die Deutsche Telekom sich im Bereich Defense aktiver aufstellt, wurde im September 2025 konkreter, als Christine Knackfuß-Nikolic die neu geschaffene Rolle der Chief Sovereignty Officer übernahm. In der Mitteilung heißt es, dass sie vor allem eine unternehmensweite „Souveränitätsstrategie“ definieren und umsetzen solle, „die auf kundenspezifische, regulatorische und geopolitische Anforderungen abgestimmt ist“.
Innerhalb der T-Systems gibt es für den Geschäftsbereich Verteidigung inzwischen Philip Stockmann, der als SVP Defense ganz offiziell einen 15-köpfigen Stab leitet und zentraler Ansprechpartner ist. Zu den Assets in diesem Sektor gehört die Defense-Aufstellung über die Tochter T-Systems International Service GmbH in Berlin, die unter anderem seit mehr als 30 Jahren maritime Führungssysteme „mit hohen Sicherheits- und Performanceanforderungen in Echtzeitumgebungen“ umsetzt.
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