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Von der Druckmaschine zur Drohnenjagd: Heidelberg rüstet um

15. April 2026

Drohne über Flughafen
Eine Drohne über einem Flughafen: Solche Szenarien zeigen, warum Systeme zur Drohnenabwehr für den Schutz kritischer Infrastruktur zunehmend an Bedeutung gewinnen. Foto: Heidelberger Druckmaschinen AG
Der Druckmaschinenbauer Heidelberg hat die Serienfertigung seiner autonomen Drohnenabwehr offiziell gestartet. Dazu gab es eine Live-Demo und prominenten Besuch.
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Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist offiziell ins Geschäft mit Sicherheitstechnologie eingestiegen. Mit ihrer Tochter HD Advanced Technologies (HDAT) und dem amerikanisch-israelischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems (OAS) hat der Konzern das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems gegründet – und am 14. April 2026 den operativen Betrieb am Standort Brandenburg an der Havel aufgenommen. Ziel ist die industrielle Serienfertigung autonomer Drohnenabwehrsysteme.

Der Schritt ist strategisch nachvollziehbar. Günstige, leicht verfügbare Drohnen verändern aktuell die Bedrohungslage. Gleichzeitig wächst der Druck, Energieanlagen, Industrieparks und Verkehrsinfrastruktur besser zu schützen. Rund 2000 vom KRITIS-Dachgesetz erfasste Einrichtungen in Deutschland müssen handeln.

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Inhaltsverzeichnis

Startschuss für die Serienfertigung

Am 14. April hat ONBERG am Heidelberg-Standort in Brandenburg an der Havel offiziell den operativen Betrieb aufgenommen. Unter der Leitung von CEO Raymond Mutz demonstrierte das Joint Venture im Beisein von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und dem israelischen Botschafter Ron Prosor die Einsatzbereitschaft seiner Systeme, darunter autonome Drohnenabwehr und ein unbemanntes Landfahrzeug (UGV) von HD Advanced Technologies.

Nun hoffen die Beteiligten auf gute Geschäfte in dem neuen Wachstumsmarkt. Rückenwind erhält der durch das neue Gesetz zur kritischen Infrastruktur: Rund 2000 vom KRITIS-Dachgesetz erfasste Einrichtungen in Deutschland müssen ihre Schutzmaßnahmen ausbauen. Beim Ausfall einer einzelnen Anlage können über 500.000 Menschen betroffen sein.

Prosor sprach auf der Veranstaltung von einer deutsch-israelischen Technologiepartnerschaft, die „echte Sicherheit“ schaffe. Woidke nannte die Ansiedlung ein „starkes Bekenntnis zur Innovationskraft“ Brandenburgs.

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Komplettsysteme gegen Drohnen

ONBERG setzt auf sogenannte C-UAS-Systeme (Counter-Unmanned Aerial Systems). Diese Systeme arbeiten mehrstufig. Sie erkennen Drohnen über Radar, Funk oder optische Sensoren. Anschließend identifizieren und verfolgen sie das Ziel. Im letzten Schritt greifen sie ein – etwa durch Störung der Kommunikation (Softkill) oder durch physisches Abfangen (Hardkill).

Zum Start greift das Joint Venture auf bestehende Technologien von OAS zurück. Dazu gehört das System „Iron Drone Raider“. Es nutzt autonome Abfangdrohnen, um feindliche Systeme direkt auszuschalten. Ergänzt werden diese Lösungen durch ISR-Plattformen. Diese liefern kontinuierlich Luftlagebilder und verknüpfen Sensordaten in Echtzeit. Oshri Lugassy, Co-CEO von OAS, sagt: „ONBERG ist […] eine vollständig integrierte, mehrschichtige […] Verteidigungsarchitektur.“

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Markt ist besetzt – aber fragmentiert

Eine echte Marktlücke existiert nur eingeschränkt. Europäische Anbieter decken viele Teilbereiche bereits ab. Unternehmen wie Hensoldt liefern Sensorik, Rheinmetall entwickelt Flugabwehrsysteme, andere Anbieter spezialisieren sich auf Störtechnik.

Was bislang fehlt, ist eine durchgängig integrierte Lösung aus einer Hand. Genau hier setzt ONBERG an. Das Joint Venture positioniert sich als Anbieter, der Detektion, Auswertung und Abwehr kombiniert und industriell skaliert.

Brandenburg als industrieller Hebel

Ein zentraler Baustein ist der Standort Brandenburg an der Havel. Dort bringt Heidelberg seine Fertigungskapazitäten ein. Auf rund 30.000 m² Produktionsfläche fertigten knapp 380 Mitarbeitende bisher Präzisionskomponenten für Druckmaschinen und künftig auch solche für autonome Abwehrsysteme.

Jürgen Otto, Vorstandsvorsitzender von HEIDELBERG, betont: „Unser strategischer Vorteil ist die Fähigkeit zur industriellen Skalierung mitten in Europa […] wir bringen alles mit […] – nur im Faktor 100.“

Das ist der eigentliche Ansatz: Während viele Anbieter technologisch stark sind, fehlt oft die industrielle Umsetzung in großen Stückzahlen. Heidelberg bringt genau diese Kompetenz ein – von Präzisionsfertigung bis Serienproduktion.

Ukraine als realer Testmarkt

Der operative Einstieg erfolgt über Deutschland und die Ukraine. Das ist kein Zufall. In der Ukraine werden Drohnenabwehrsysteme unter realen Einsatzbedingungen getestet und weiterentwickelt.

Dieser Praxisbezug ist ein klarer Vorteil. Systeme lassen sich schneller anpassen, Schwachstellen werden früh sichtbar. Für ONBERG bedeutet das: Entwicklung und Einsatz laufen parallel.

Eric Brock, CEO von Ondas, erklärte: „ONBERG ist ein wichtiger Schritt zur Etablierung fortschrittlicher autonomer Verteidigungsfähigkeiten in Europa.“

Dual-Use als strategische Richtung

Heidelberg verfolgt mit dem Joint Venture eine Dual-Use-Strategie. Die Technologien sollen sowohl militärisch als auch zivil nutzbar sein. Anwendungen reichen vom Schutz militärischer Einrichtungen bis zur Absicherung industrieller Anlagen.

Michael Wellenzohn, CEO von HDAT, betonte: „Wir reden nicht über Zukunftsbilder, sondern über einsatzbereite Systeme.“

Das entspricht einem breiteren Trend. Industrieunternehmen erweitern ihr Portfolio in Richtung Sicherheit und Verteidigung. Treiber sind steigende Nachfrage und politische Unterstützung.

Souveränität mit Einschränkungen

Ein Ziel des Projekts ist der Aufbau europäischer Produktionskapazitäten. Systeme sollen perspektivisch lokal montiert und gefertigt werden. Lieferketten werden stärker in Europa verankert.

Von vollständiger technologischer Unabhängigkeit kann jedoch keine Rede sein. Zentrale Technologien stammen weiterhin aus den USA und Israel. ONBERG verbessert vor allem die industrielle Verfügbarkeit – nicht die komplette Eigenständigkeit.

Skalierung bleibt die größte Herausforderung

Der Erfolg hängt an einem Punkt: der Skalierung. Serienfertigung im Verteidigungsbereich ist komplex. Zulieferketten für Elektronik, Sensorik und Software sind anfällig. Hinzu kommen Exportkontrollen, Zertifizierungen und sicherheitsrelevante Auflagen.

Diese Faktoren können Projekte verzögern. Sie unterscheiden den Verteidigungsmarkt deutlich von klassischen Industriegütern.

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