Der Störsender mit Flügeln 14.06.2026, 17:06 Uhr

Helsing baut Europas ersten autonomen Escort Jammer

Mit der CA-1EA entwickelt Helsing einen autonomen Escort Jammer für elektronische Kampfführung. Der KI-Jet soll feindliche Radare stören und Luftverteidigungssysteme überwinden.

Die CA-1EA ist als unbemannter Escort Jammer konzipiert

Die CA-1EA ist als unbemannter Escort Jammer konzipiert. Statt Raketen einzusetzen, soll das Flugzeug feindliche Sensoren und Radaranlagen elektronisch stören.

Foto: Helsing

Moderne Kampfflugzeuge, Flugabwehrsysteme und Radaranlagen hängen heute stärker denn je von elektronischen Sensoren und Datenverbindungen ab. Wer gegnerische Sensoren und Kommunikationssysteme wirksam stört, verschafft sich erhebliche taktische Vorteile.

Genau für dieses Szenario entwickelt das deutsche Verteidigungstechnologieunternehmen Helsing die neue CA-1EA. Die auf der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung (ILA) vorgestellte Plattform ist als unbemannter Escort Jammer konzipiert. Ihre Aufgabe: gegnerische Radare elektronisch bekämpfen und sichere Korridore für nachfolgende Flugzeuge schaffen. Die CA-1EA gehört zur neuen CA-1-Familie, mit der Helsing erstmals eine autonome europäische Kampfflugzeugplattform etablieren will.

Elektronischer Kampf statt Raketen

Während Kampfjets meist mit Raketen, Bomben oder Luftkämpfen in Verbindung gebracht werden, entscheidet die elektronische Kampfführung zunehmend über den Erfolg militärischer Operationen. Das Kürzel EA steht für „Electronic Attack“. Anders als die ebenfalls in Entwicklung befindliche CA-1KA setzt diese Variante keine kinetischen Waffen ein, sondern nutzt elektromagnetische Effekte.

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Nach Angaben von Helsing soll das unbemannte Flugzeug gegnerische Sensoren und Radarsysteme stören und so den Weg für bemannte und unbemannte Verbände freimachen. Technische Details zur konkreten Ausrüstung, zur Störleistung oder zu den verwendeten Systemen hält das Unternehmen bislang allerdings unter Verschluss.

Warum elektronische Kampfführung immer wichtiger wird

Die Bedeutung solcher Systeme wächst seit Jahren. Moderne Luftverteidigungssysteme arbeiten heute in hochvernetzten Verbünden. Radaranlagen tauschen Daten untereinander aus, verschiedene Sensoren ergänzen sich gegenseitig und Flugabwehrraketen erhalten Zielinformationen aus mehreren Quellen gleichzeitig.

Systeme wie das russische S-400 oder moderne chinesische Luftverteidigungsnetzwerke zeigen, wie leistungsfähig solche Strukturen inzwischen geworden sind. Gleichzeitig stoßen klassische Gegenmaßnahmen zunehmend an Grenzen. Selbst Tarnkappentechnologien bieten keinen vollständigen Schutz mehr gegen moderne Sensornetzwerke.

Deshalb investieren viele Luftstreitkräfte verstärkt in elektronische Kampfführung. Ziel ist es, gegnerische Sensoren zu stören, Kommunikationsverbindungen zu unterbrechen oder Radarsysteme gezielt zu täuschen. Die CA-1EA ist Teil dieser Entwicklung.

Das Prinzip des Escort Jammers

Das Konzept erinnert an die EA-18G Growler der US Navy. Solche Flugzeuge begleiten Angriffsverbände und schützen sie durch elektronische Gegenmaßnahmen.

Im Einsatz würde die CA-1EA vor oder neben den eigentlichen Einsatzkräften operieren. Ihre Aufgabe bestünde darin, die gegnerische Luftverteidigung elektronisch zu bekämpfen und dadurch das Risiko für nachfolgende Flugzeuge zu reduzieren.

Helsing setzt dabei konsequent auf Interoperabilität. Die Plattform soll sowohl im Verbund mit autonomen Flugzeugen der eigenen CA-1-Familie als auch mit bemannten Jets wie dem Eurofighter zusammenarbeiten können. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „Manned-Unmanned Teaming“, also der engen Zusammenarbeit von Piloten und autonomen Systemen.

Modularer Baukasten aus Bayern

Die CA-1EA basiert auf derselben technischen Grundlage wie die Angriffsversion CA-1KA. Helsing verfolgt dabei einen konsequenten Baukastenansatz.

Beide Varianten nutzen eine gemeinsame technische Basis aus Flugwerk, Antriebstechnik, Autonomie-Software und Bodenkontrollinfrastruktur. Der wesentliche Unterschied liegt in der jeweiligen Nutzlast. Während die CA-1KA für kinetische Angriffe vorgesehen ist, trägt die CA-1EA Systeme für den elektronischen Kampf.

Dieser Ansatz vereinfacht Entwicklung, Produktion und Wartung erheblich. Gleichzeitig lassen sich unterschiedliche Missionsprofile mit derselben Plattform abdecken.

Entwickelt und gebaut wird die CA-1 von Grob Aircraft. Der bayerische Flugzeughersteller gehört seit 2024 zu Helsing. Die Angriffsversion CA-1KA soll Anfang 2027 erstmals fliegen. Fachmedien berichten, dass die ersten Erprobungsflüge zunächst in einer bemannten Testkonfiguration stattfinden könnten, bevor die Plattform schrittweise in den autonomen Betrieb übergeht.

Die erste Einsatzbereitschaft der CA-1KA wird derzeit für 2029 angestrebt. Die elektronische Kampfführungsversion CA-1EA soll 2031 folgen.

Mit der CA-1EA entwickelt Helsing eine europäische Plattform für elektronische Kampfführung. Die erste Einsatzbereitschaft wird für 2031 angestrebt. Foto: Helsing

Hensoldt liefert Schlüsseltechnologien

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Flugzeugbau und Software. Bereits Anfang 2026 kündigten Helsing und Hensoldt eine enge Zusammenarbeit für die CA-1 Europa an.

Der Sensorspezialist soll unter anderem Radar- und Optroniksysteme, Selbstschutztechnik sowie Technologien für den elektromagnetischen Kampf beisteuern. Gerade im Bereich der elektronischen Kampfführung dürfte diese Kooperation eine zentrale Rolle spielen.

Moderne Störsysteme unterdrücken Signale nicht mehr lediglich. Sie analysieren elektromagnetische Emissionen in Echtzeit, identifizieren Bedrohungen und passen ihre Gegenmaßnahmen dynamisch an die jeweilige Situation an.

KI soll die Datenflut beherrschen

Hier kommt eine der Kernkompetenzen von Helsing ins Spiel: künstliche Intelligenz. Moderne Luftverteidigungssysteme wechseln Frequenzen, vernetzen Sensoren und erzeugen enorme Datenmengen. Für menschliche Bediener wird es immer schwieriger, sämtliche Informationen in Echtzeit auszuwerten.

Die KI soll deshalb Bedrohungslagen analysieren, Muster erkennen und Handlungsmöglichkeiten ableiten. Bereits in früheren Demonstrationsprojekten arbeitete Helsing an autonomen Luftkampfalgorithmen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen nun in die CA-1-Familie ein.

Welche Entscheidungsbefugnisse die Software künftig tatsächlich erhalten wird, bleibt allerdings offen. In Europa gilt weiterhin der Grundsatz, dass die Entscheidung über den Einsatz militärischer Wirkungsmittel beim Menschen liegen muss.

Die europäische Antwort auf die USA

Mit der CA-1-Familie positioniert Helsing das Projekt ganz bewusst als europäische Non-Dependence-Lösung. In den USA treiben Firmen wie Anduril Industries, Boeing und General Atomics vergleichbare „Collaborative Combat Aircraft“ (CCA) rasant voran. Für europäische Streitkräfte wird die technologische Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern im Verteidigungssektor jedoch zu einem immer gewichtigeren Argument.

Bislang fehlen allerdings noch entscheidende Leistungswerte, um das System abschließend zu bewerten. Weder Reichweite, Flughöhe und Geschwindigkeit noch Nutzlastgewicht oder Stückpreise sind bekannt. Fest steht: Die CA-1EA zeigt, wohin sich die militärische Luftfahrt entwickelt. Bevor die erste Rakete fliegt, muss künftig erst die Lufthoheit im elektromagnetischen Spektrum gesichert sein.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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