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Nach zweitem Drohnenalarm in München – wie geht es weiter?

04. Oktober 2025

Flughafen München
Blick auf den Flughafen. Nach den Drohnensichtungen hat der Münchner Flughafen den Betrieb am Morgen wieder aufgenommen. Der Flughafen München hat am Abend wegen möglicher neuer Drohnen-Sichtungen wieder den Betrieb eingestellt. Foto: picture alliance/dpa/onw-images | Enrique Kaczor
Zweiter Drohnenalarm in München legt Flugbetrieb lahm. Politik streitet über Abwehrsysteme. Steigt das Risiko an deutschen Flughäfen?
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Der Münchner Flughafen stand gleich zwei Nächte in Folge still. Unbekannte Drohnen zwangen die Flugsicherung dazu, den Betrieb zu stoppen. Tausende Passagiere strandeten in den Terminals, Flüge wurden gestrichen oder umgeleitet. Der Vorfall zeigt, wie verwundbar hochvernetzte Systeme wie die Luftfahrt sind – und wie dringend die Frage nach wirksamer Drohnenabwehr beantwortet werden muss.

Inhaltsverzeichnis

Zweiter Stopp binnen 24 Stunden

Freitagabend, kurz vor 23 Uhr: Einsatzkräfte melden gleich zwei Drohnen. Eine wurde an der Nordbahn, die andere an der Südbahn gesichtet. Beide Geräte drehten sofort ab und verschwanden. Wer sie steuerte, blieb unklar.

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Die Reaktion der Flugsicherung fiel eindeutig aus. Der Betrieb wurde sofort gestoppt. 23 ankommende Maschinen mussten auf andere Flughäfen ausweichen, 12 Flüge wurden gestrichen. 46 geplante Starts blieben am Boden. Rund 6500 Reisende waren betroffen – viele verbrachten die Nacht im Terminal.

Es war bereits die zweite Vollsperrung innerhalb von 24 Stunden. Am Donnerstagabend hatten Drohnen den Ablauf schon einmal lahmgelegt. Damals traf es etwa 3000 Passagiere.

Stillstand im Luftverkehr

„Es wurden Feldbetten aufgestellt, sowie Decken, Getränke und Snacks ausgereicht“, teilte der Flughafen mit. Für viele Reisende half das wenig. Sie verpassten Anschlussflüge, mussten improvisieren oder kamen erst Stunden später ans Ziel.

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Am Samstagmorgen startete der Flugbetrieb wieder, doch normal lief nichts. „Es wird den ganzen Tag über zu Verzögerungen im Betriebsablauf kommen“, kündigte eine Sprecherin an. Tatsächlich häuften sich Verspätungen und Ausfälle. Crews mussten umgeplant, Slots neu verteilt werden.

Ein Hubschrauber der Bundespolizei kreiste über dem Airport, um für Sicherheit im Luftraum zu sorgen. Nach einigen Stunden wurde der Einsatz beendet – warum, ist offen geblieben.

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Sicherheitsmechanismus greift sofort

Sobald ein unbemanntes Fluggerät in der Nähe der Start- oder Landebahnen gemeldet wird, greift ein klarer Ablauf. Die Flugsicherung stoppt alle Bewegungen. Radar, Kameras, Pilot*innen und Einsatzkräfte liefern Informationen, die abgeglichen werden.

Die Logik ist einfach: Kein Risiko eingehen. Denn schon eine kleine Drohne kann im falschen Moment gefährlich werden.

Bundeswehr leistet Amtshilfe in Bayern

Nach den Störungen am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen leistet die Bundeswehr dort Amtshilfe bei der Überwachung. „Ich kann Ihnen bestätigen, dass die Bundeswehr seit dem 3. Oktober 2025 in der Amtshilfe mit Fähigkeit der Drohnendetektion am Flughafen München unterstützt“, sagte eine Sprecherin des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Das bayerische Innenministerium habe sich mit der Bitte um Amtshilfe an die Bundeswehr gewandt, so die Sprecherin. Details wollte sie unter Verweis auf «operative Gründe» nicht nennen. „Grundsätzlich gilt, dass für die Gefahrenabwehr außerhalb unserer Liegenschaften die Landessicherheitsbehörden zuständig sind.“ Die Bundeswehr unterstütze nur.

 

Politik unter Druck

Die Vorfälle von München haben eine bundesweite Debatte ausgelöst. „Wir brauchen schnell eine funktionierende Drohnenabwehr“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Maßnahmen müssten „rechtlich sauber, verhältnismäßig und technisch wirksam“ sein.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will, dass die Landespolizei im Ernstfall sofort handeln darf. „Das bedeutet auch, dass die Polizei bei akuter Gefahr Drohnen sofort abschießen darf.“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte ein neues Luftsicherheitsgesetz an. Die Bundeswehr solle im Rahmen der Amtshilfe eingebunden werden. Das sorgt allerdings für Streit. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) warnte vor Einsätzen der Armee im Inland. „Drohnenabwehr ist eine sicherheitspolitische Kernaufgabe“, sagte sie. „Bei Drohnenangriffen im Innern ist die Polizei gefragt.“

Technik gegen Technik

Wie kann ein Flughafen vor Drohnen geschützt werden? Diskutiert werden verschiedene Ansätze:

  • Geofencing: legale Drohnen übertragen ihre Position. Digitale Sperrzonen verhindern, dass sie überhaupt in die Nähe von Flughäfen fliegen.
  • Störsender („Jammer“): blockieren Funkverbindungen und legen Drohnen lahm.
  • Fangdrohnen: Drohnen, die andere Drohnen mit Netzen einfangen können.
  • Radar- und Funksensoren: Systeme, die Drohnen auch nachts und bei schlechter Sicht zuverlässig erkennen.

Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall verweisen auf Systeme wie den „Skyranger“. „Ziele müssten schnell erkannt, bewertet und bekämpft werden – angepasst an zivile oder militärische Einsätze“, sagte Konzernchef Armin Papperger. Die Bundeswehr hat bereits mehrere dieser Systeme bestellt.

Europäische Dimension

Die Münchner Zwischenfälle sind kein Einzelfall. In ganz Europa häufen sich Meldungen über Drohnensichtungen an Flughäfen. Auch über Häfen oder Industrieanlagen werden zunehmend Vorfälle registriert.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ordnete die Drohnen über München in diesen größeren Zusammenhang ein: „Das war jetzt kein Einzelfall. Es ist die Sicherheitslage, in der wir stehen.“

Innenminister Reul brachte mögliche Trittbrettfahrer ins Spiel. „Ich bin sicher: Nicht jede Drohne steuert der Kreml – aber jede einzelne spielt Putin in die Karten.“ Wer eine Drohne leichtfertig steigen lasse, müsse sich der Folgen bewusst sein.

Wachsende Zahl an Störungen

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) meldet eine deutliche Zunahme. 2023 gab es bundesweit 99 registrierte Störungen, 2024 waren es 113, und bis August 2025 bereits 144. In München wurden sechs Sichtungen gezählt, Frankfurt meldete 35.

Das Problem wächst – und es reicht schon ein einzelnes Fluggerät, um den Flugplan eines ganzen Abends ins Wanken zu bringen.

Was bedeutet das für Reisende?

Wer in den nächsten Wochen von München aus fliegt, sollte besser vorbereitet sein. Flughäfen und Airlines versuchen zwar, Ausfälle zu vermeiden, doch das Risiko bleibt.

Praktische Tipps lauten: Flugstatus regelmäßig prüfen, zusätzliche Zeit einplanen, bei Umsteigeverbindungen einen Plan B haben.

Wohin führt die Debatte?

Die Politik sucht fieberhaft nach Lösungen. Klar ist: Sicherheit im Luftraum lässt sich nur durch Technik, klare Zuständigkeiten und rechtliche Anpassungen verbessern.

Der Flughafenverband ADV fordert ein staatliches Kompetenzzentrum. „Sicherheit in der Luft beginnt am Boden“, heißt es sinngemäß. Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel warnt: Ausfälle könnten das Vertrauen in den Luftverkehr untergraben.

Ob neue Gesetze und Technik schnell genug kommen, bleibt offen. Bis dahin sind Flughäfen, Fluggäste und Airlines gleichermaßen gefordert, mit Unsicherheit zu leben.

Betriebslage in München

Nach den Sperrungen in München lief der Betrieb am Sonntag den 05.10.2025 laut Flughafenangaben wieder weitgehend normal und pünktlich an. In Einzelfällen sind Nachwirkungen möglich. Insgesamt waren durch die beiden Vollsperrungen nahezu 10.000 Reisende betroffen. Weiterhin gilt die Empfehlung, den Flugstatus vor Anfahrt zu prüfen, da Umlenkungen und Rotationsverschiebungen einzelne Verbindungen noch beeinflussen können.

(mit dpa)



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