WM 2026: Die kuriosesten Fußball-Patente der vergangenen 125 Jahre
Die Fußball-WM 2026 wird auch zur Bühne für Technik. Das Deutsche Patent- und Markenamt hat anlässlich des Turniers eine Übersicht über mehr als 125 Jahre technischer Innovationen rund um den Fußball zusammengestellt.
Das Deutsche Patent- und Markenamt stellt anlässlich der WM 2026 die Patente rund um den Fußball der vergangenen 125 Jahre vor.
Foto: Smarterpix/Fotografie-Link
Sensoren im Ball, halbautomatische Abseitserkennung und datengetriebene Spielanalysen gehören heute zum Standard im Profifußball. Dass Technik den Sport verändert, ist allerdings keine Entwicklung der vergangenen Jahre. Erfinder und Unternehmen arbeiten seit Jahrzehnten daran, Ball, Spielfeld und Spieler digital zu vermessen.
Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA hat das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) eine Sammlung historischer Fußballpatente veröffentlicht. Die Übersicht zeigt, wie Ingenieure bereits lange vor dem Zeitalter von künstlicher Intelligenz und IoT-Sensorik versuchten, Tore präziser zu erkennen, Schussgeschwindigkeiten zu messen oder Spielerbewegungen automatisch zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis
Der Ball als Datensensor
Die sichtbarste technische Entwicklung im modernen Fußball steckt heute im Ball selbst. Bereits bei der WM 2022 in Katar kamen intelligente Sensoren zum Einsatz, die Position, Beschleunigung und Ballkontakte in Echtzeit erfassen. Die Daten unterstützen Schiedsrichter bei Entscheidungen und liefern zusätzliche Informationen für Spielanalysen.
Die Idee, Elektronik direkt in den Ball zu integrieren, beschäftigt Entwickler allerdings schon seit Jahrzehnten. Ein Blick in die Patentdatenbanken zeigt, wie viele unterschiedliche Ansätze dafür vorgeschlagen wurden.
Der Fußball mit den verformbaren Spulen
Um festzustellen, wo sich der Ball genau befindet, müssen hochkomplexe Systeme miteinander kommunizieren. Neben optischen Kamerasystemen werden oft Magnetfelder genutzt. Eine der jüngsten Weiterentwicklungen in diesem Bereich aus dem Jahr 2012, ist ein Ball, der direkt mit einer elastisch verformbaren Spulenstruktur ausgestattet ist. Diese Spulen im Ball reagieren auf magnetische Wechselfelder im Torbereich. So kann zentimetergenau bestimmt werden, ob ein Tor gefallen ist oder nicht.
Kammerstruktur schützt Sensoren vor Belastungen
Ein großes Problem bei Sensoren im Ball ist, dass sie bei den enormen Kräften eines Schusses kaputtgehen oder verrutschen können. Bei dieser Erfindung aus dem Jahr 2004 geht es darum, den Chip so im Ballzentrum zu fixieren, dass er weder verrutscht noch kaputtgeht.
Anstatt auf Gummibänder oder eine zusätzliche Polsterung zu setzen, beschreibt dieses Patent einen Ball mit einer extrem aufwendigen Innenarchitektur: Er besitzt eine von Verstärkungsflächen durchzogene, sogenannte gekammerte Blase. Das Kuriose daran ist die Form, denn die Blase weist im Inneren mehrere fünfeckige, hütchenförmige Segmente auf, die vom Zentrum spitzwinkelig nach außen verlaufen.
Der Sinn dieser komplexen Konstruktion: Durch die Kammern werden die extremen mechanischen Belastungen und Beschleunigungen beim Schuss abgedämpft. Die Fixierung sorgt dafür, dass der Sensor im Inneren selbst bei den extremsten Belastungen, wie etwa einem harten Pressschlag zwischen zwei Spielern, nicht frei schwingen kann. Das ist zwingend notwendig, damit das System in Sekundenbruchteilen exakt berechnen kann, ob der Ball – und damit das Zentrum des Senders – die Torlinie in vollem Umfang überschritten hat.
Lichtschranken direkt in der Spielfeldlinie
Anstatt das Spielfeld permanent mit Kameras oder Magnetfeldern zu überwachen, schlägt dieses Patent aus 2006 vor, optische Photodetektoren, ähnlich einer Lichtschranke, direkt an oder sogar in den Spielmarkierungen des Rasens zu installieren.
Sobald der Ball, der in diesem System zusätzlich mit einer Art Transponder ausgestattet ist, eine Linie, wie zum Beispiel die Tor- oder Außenlinie, überschreitet, registriert das System dies sofort.
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RFID-System identifiziert Ballkontakte
Um eine angemessene Statistik zu Ballkontakt und Schusstechniken zu führen, reicht es heutzutage nicht, nur den Ball zu überwachen. Das US-Patent aus dem Jahr 2006 sieht vor, jeden Spieler mit einem individuellen RFID-Transponder auszustatten. Ähnlich wie bei der Identifikation von Waren in der Logistik soll das System automatisch erkennen, welcher Spieler den Ball berührt.
Sobald der Ball, der ebenfalls einen Sender enthält, in die Nähe des Spielers kommt, registriert das System, wer den Ball wie berührt hat. Mehrere im Ball integrierte Sensoren erfassen die Art des Ballkontakts und übertragen die Daten an einen Zentralrechner zur Analyse.
Mechanische Messung der Schussgeschwindigkeit
Lange bevor es winzige digitale Sensoren gab, wurde versucht, die Schussstärke auf vollmechanischem Weg zu messen. Dieses Patent von 1995 beschreibt eine Vorrichtung im Inneren des Fußballs, die nach einem rein mechanischen Messprinzip arbeitet und Flugzeit sowie Aufprallereignisse registriert.
Dabei wird mechanisch die Zeit erfasst, die der Ball vom Abschuss bis zum Auftreffen benötigt. Die zwei verbauten Bauteile verschieben sich durch den Aufprall und diese Verschiebung wird dann gemessen. Ist die Distanz bekannt, lässt sich daraus die Fluggeschwindigkeit und somit die Schusskraft des Spielers berechnen.
Vom intelligenten Ball bis zum Sensortrikot
Die Patentgeschichte des Fußballs beschränkt sich nicht auf den Ball selbst. Auch bei Trikots, Toren, Trainingsgeräten und Sicherheitssystemen finden sich zahlreiche technische Entwicklungen. Einige Konzepte wurden nie umgesetzt, andere haben den Weg in den Profisport gefunden oder bilden die Grundlage heutiger Assistenzsysteme.
Die vollständige Sammlung des DPMA mit weiteren historischen und aktuellen Fußballpatenten ist online verfügbar.
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