Webtechnologie 10.07.2026, 13:00 Uhr

.de wird 40: Von 6 Domains zu 18 Mio. Webadressen – doch es gibt ein Limit

Von sechs .de-Domains 1986 zu 18 Mio. heute: Was sich in 40 Jahren geändert hat und warum es ein Limit gibt.

Logo der Denic

Seit 30 Jahren im Dienste der deutschen Webadressen: Die Genossenschaft Denic kümmert sich ohne Gewinnabsicht um die .de-Domains.

Foto: picture alliance / Sipa USA | SOPA Images/Timon Schneider

Die ersten Adressen mit „.de“-Endung wurden 1986 noch von den USA verwaltet, und zwar als Internet Assigned Numbers Authority (IANA). Als die Verwaltung zwei Jahre später an die Uni Dortmund wechselte, standen auf der handgepflegten Liste nur sechs Domains. 40 Jahre später sind 18 Mio. Adressen mit deutscher Länderkennung registriert.

„In einer Zeit, in der digitale Identität wichtiger denn je ist, steht .de für Verlässlichkeit und Zugehörigkeit. Wer in Deutschland sichtbar sein will, wählt .de“, sagt Tom Keller, Vorstandsmitglied der Denic, des Deutschen Network Information Center. Die Genossenschaft verwaltet deutsche Webadressen ohne Gewinnabsicht und feiert 2026 ihr 30-jähriges Bestehen.

Interaktive Karte zeigt, wo die meisten Domains in Deutschland registriert sind

Eine Webadresse ist für die meisten Menschen in erster Linie eine digitale Visitenkarte. Wer eine solche öffentlich zugängliche Visitenkarte registrieren will, muss in Deutschland Name, E-Mail- und Postanschrift der zu registrierenden Person sowie zwei nicht personalisierte E-Mail-Adressen angeben. Das sind im internationalen Vergleich wenig Informationen, da die Denic seit 2018 verstärkt auf die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung achtet.

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Trotzdem lassen die Daten interessante Auswertungen zu. So waren beispielsweise Ende 2025 2,15 Mio. Domains von Personen im Ausland registriert. Bei insgesamt 17.663.886 registrierten .de-Domains am 31. Dezember 2025 entsprach das rund 12 %. Wenig überraschend wurden in den bevölkerungsreichsten Bundesländern die meisten .de-Webadressen registriert: NRW (3,36 Mio.) führt vor Bayern (2,70 Mio.) und Baden-Württemberg (2,08 Mio.). Schlusslichter sind das Saarland (0,14 Mio.) und Bremen (0,13 Mio.). Die meisten Domains pro 1000 Einwohner haben die Metropolen Hamburg (328,6) und Berlin (245,8).

Wer wissen möchte, wie viele .de-Domains im eigenen Landkreis oder in der eigenen Stadt registriert sind, kann die interaktive Landkarte der Denic erkunden. In Düsseldorf waren Ende 2025 207.157 .de-Domains registriert, darunter auch ingenieur.de.

Warum gibt es nicht unendlich viele .de-Domains?

Es gibt tatsächlich ein Limit für die Zahl der möglichen Domains. Der Teil vor „.de“ muss mindestens ein Zeichen lang sein, darf jedoch höchstens 63 Zeichen betragen. Bis 2009 galt eine Mindestlänge von drei Zeichen, bis ein Gerichtsurteil zugunsten von Volkswagen (Domain „vw.de“) die Denic 2008 zwang, auch zwei- und einstellige Domains sowie reine Zifferndomains zuzulassen.

Neben den 26 lateinischen Buchstaben und zehn Ziffern erlaubt die Denic den Bindestrich sowie insgesamt 93 zusätzliche IDN-Sonderzeichen wie Umlaute, das ß und diverse Akzentbuchstaben. Das ergibt ein theoretisches Gesamtalphabet von 130 zulässigen Zeichen pro Position. Emojis sind bei „.de“ aktuell zum Schutz vor Phishing-Angriffen nicht erlaubt.

Warum die Berechnung eines absoluten Limits „ewig“ dauern würde.

Durch die beschränkte Zeichenlänge und den beschränkten Zeichensatz ist die Zahl der möglichen .de-Domains nicht unendlich groß. Trotzdem ist sie sehr groß. Annähern lässt sie sich mit vier Zahlen.

  • ≈ 6,088 × 1098 wäre das Limit bei 63 Zeichen, wenn nur ASCII-Zeichen verwendet werden.
  • ≈ 1,496 × 10133 wäre das Limit, wenn jedes Zeichen nur eine Stelle verbrauchen würde.

Tatsächlich sind Umlaute in Domains wie „Düsseldorf.de“ durch einen Codierungstrick möglich. Sie werden in sogenannten Punycode umgewandelt, der dann statt zehn ganze 17 Zeichen hat und so aussieht: „xn--dsseldorf-q9a.de“. Weil Punycode unterschiedlich viele Zeichen verbraucht, je nachdem wie viele unterschiedliche Sonderzeichen vorkommen, müsste ein Computer auf der Suche nach dem genauen Limit extrem viele Möglichkeiten prüfen. Das ist zwar theoretisch möglich, würde praktisch aber ewig dauern. Daher hilft eine grobe Abschätzung:

  • ≈ 6,088 × 1098 ist der „Worst Case“, wenn die Sonderzeichen-Verwertung sehr viele zusätzliche Zeichen „frisst“. Die Zahl ist fast gleich groß wie das ASCII-Limit, da gemischte Sonderzeichen sehr langen Punycode erzeugen und dadurch nur wenige zusätzliche Kombinationen über das ASCII-Limit hinaus möglich wären.
  • ≈ 2,385 × 10118 ist der Best Case. Er geht davon aus, dass die Sonderzeichen in einer Domain oft wiederholt werden. Die Domain „Düüüüüsseldorf“ mit fünf „ü“ statt einem ist nur vier Zeichen länger als das Original. Im Best Case gibt es daher 1020 mal mehr Möglichkeiten.

Warum die menschliche Psychologie am Ende über das Limit entscheidet

In der Praxis sind Domains mit Sonderzeichen nicht sehr beliebt. In den letzten Jahren ist die Zahl leicht gesunken, auf noch rund 0,61 Mio., was aktuell 3,4 % der registrierten .de-Domains entspricht.

Als Visitenkarte für Menschen muss eine Adresse einprägsam sein, eine 30 Zeichen lange, kryptische Webadresse funktioniert hingegen nicht besonders gut. Das Limit der Adressen, für die jemand Geld bezahlen möchte, ist vermutlich also deutlich niedriger. Zumindest sprechen die seit 2012 abnehmenden Wachstumsraten bei den Registrierungen dafür, dass ein psychologisches Limit erreicht ist. Vielleicht ändert sich das noch mal, falls unzählige KI-Agenten künftig im Internet navigieren und diese irgendwann gegebenenfalls eigene Webpräsenzen beanspruchen. Die stören sich nicht an kryptischen Domains.

Ein Beitrag von:

  • Fabian Kurmann

    ist Redakteur für Bauthemen. Nach einem Studium der Physik volontierte er bei den VDI nachrichten. Seine Themen umfassen zudem Architektur und Stadtplanung.

     

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