Hype hält an 18.07.2016, 11:57 Uhr

Kein Pokémon, nirgends: Serverausfälle am Wochenende

Der Hype um Pokémon Go reißt nicht ab: Nachdem das Spiel am Samstag in 26 weiteren Ländern an den Start ging, stürmten so viele Spieler die Server der Anbieterfirma Niantic, dass einige Stunden lang nichts mehr ging. Möglicherweise hat das einige Unfälle verhindert: Die Berichte über kopflos agierende Spieler häufen sich. Und die Datenschützer schlagen auch Alarm.

So mancher Pokémon-Fan verliert dieser Tage offenbar den Bezug zur Realität: Spieler stürzten eine 30 m hohe Klippe hinab, andere landeten in der Lüneburger Heide auf einem Truppenübungsplatz, wo scharf geschossen wurde. Warn- und Verbotsschilder wurden zuvor ignoriert. 

So mancher Pokémon-Fan verliert dieser Tage offenbar den Bezug zur Realität: Spieler stürzten eine 30 m hohe Klippe hinab, andere landeten in der Lüneburger Heide auf einem Truppenübungsplatz, wo scharf geschossen wurde. Warn- und Verbotsschilder wurden zuvor ignoriert. 

Foto: Christian Bruna/dpa

Monster, wohin man schaut: Auf Gehwegen, im Gemüsebeet, auf dem Friedhof, am Mahnmal. Monster? Ja. Pokémons in buchstäblich allen Formen und Farben. Wer sie nicht gesehen hat, gehörte offenkundig nicht zu den Horden von Spielern, die weltweit und seit Mittwoch auch in Deutschland Straßen und öffentliche Plätze bevölkerten – ihr Smartphone dicht vor Augen und die Kamera eingeschaltet, um die zugegebenermaßen ziemlich putzigen Pixelbiester per Augmented Reality zu sehen, mit virtuellen Bällen zu bewerfen und einzusammeln.

Am Samstagvormittag ging gar nichts

Oder es war Wochenende. Da hatten auch die Pokémon-Go-Spieler schlechte Karten, egal, wie viele Ersatz-Akkus sie dabei hatten und wie fest entschlossen sie auf der Pirsch nach seltenen Figuren, Nachschub an Wurfbällen sowie der nächsten Kampfarena waren. Kein Monster, nirgends. Die Server der Spieler waren down.

Gleich mehrere Stunden ging zunächst am Samstag und dann wieder einige Stunden am Sonntag gar nichts und zwar in den USA sowie Europa gleichermaßen. Die meisten Spieler konnten sich noch nicht einmal einloggen, und selbst die, die diese Hürde doch noch überwanden, hatten massive Schwierigkeiten: Das Spiel habe sich mitten in einem Kampf aufgehängt, berichteten einige User zum Beispiel auf Twitter.

Pure Masse machte das Spielen unmöglich

Das Videospiel-Unternehmen Niantic, das für die Monsterinvasion verantwortlich ist, hat den Grund für die Ausfälle inzwischen benannt: Die Server seien schlicht und einfach überlastet gewesen. Sehr wahrscheinlich ist demnach, dass die User ihr Spiel durch pure Masse selbst lahmgelegt haben. Nachdem das Smartphone-Game in den USA, Australien und Neuseeland schon seit dem 6. Juli online ist und Mitte vergangener Woche in Deutschland offiziell an den Start ging, zogen am Samstag 26 weitere Länder nach. Dazu kommt, dass auch die „alten Hasen“ in Deutschland und den USA, also die Spieler mit drei bis zehn Tagen Erfahrung, am Wochenende verstärkt auf die Pixeljagd gehen wollten. Und ganz offenkundig verkrafteten das die Ressourcen von Niantic nicht.

Hier war die Pokémon-Welt noch in Ordnung. Am Wochenende zogen sich die kleinen Monster zurück: Die Server waren dem Ansturm neuer Fans nicht gewachsen, die Verbindungen stundenlang gekappt. 

Hier war die Pokémon-Welt noch in Ordnung. Am Wochenende zogen sich die kleinen Monster zurück: Die Server waren dem Ansturm neuer Fans nicht gewachsen, die Verbindungen stundenlang gekappt. 

Foto: Pawel Supernak/dpa

Auch ein Hacker-Angriff ist im Gespräch: Eine Gruppe namens PoodleCorp hat auf Twitter behauptet, die Server lahmgelegt zu haben – bewiesen ist das nicht. So oder so wäre es kein Hack im eigentlichen Sinne gewesen, sondern eine DDoS-Attacke: eine Flut von Anfragen, die die Server um den virtuellen Verstand gebracht hätte.

Tools helfen beim Server-Check

Im Endeffekt dürfte es den Spielern egal gewesen sein, was genau sie um ihre Beute gebracht hat. Interessant war vielmehr, wann welche Server down, nicht ganz so down oder wieder on waren. Dafür gibt es unterschiedliche Tools, wie das Online-Magazin Heise schreibt. Die Dienste „Charles McDonald“ und Downdetector zum Beispiel setzen auf Rückmeldungen der User, ob und wo etwas geht oder auch nicht. „Is Pokémon Go Down“ dagegen fragt direkt bei den Niantic-Servern an.

Interesse an Geld und Daten der Spieler

Interessiert haben wird der Status der Server auch all jene, die von den Spielern profitieren. In erster Linie sind das vor allem der Pokémon-Go-Betreiber Niantic, der Mutterkonzern Nintendo und die App-Verkäufer Google und Apple, die bei jedem In-Game-Kauf des zunächst kostenlosen Spiels die Hand aufhalten. Aber auch die Werbekunden, von denen die ersten bereits bezahlen, um die Spieler mit attraktiven Sammelgegenständen in ihren Laden zu locken, dürften wenig begeistert über die Serverdowns gewesen sein.

Rund 1000 Pokémon-Go-Spieler trafen sich am Freitag in Hannover zur gemeinsamen Monster-Jagd. 

Rund 1000 Pokémon-Go-Spieler trafen sich am Freitag in Hannover zur gemeinsamen Monster-Jagd. 

Foto: Peter Steffen/dpa

Doch auch die Daten der Spieler seien eine ziemlich harte Währung, mit der wahrscheinlich bereits sehr eifrig gehandelt werde, warnen Datenschützer. Wer sich nicht über die Pokémon-Seite selbst registriert – was in den letzten Tagen teilweise gar nicht ging –, muss sich mit einen Google-Konto anmelden. Hier schlug die App dann zu: Sie wollte Zugriff auf verschiedenste Daten; vor allem bei iOS war sie besonders maßlos und sicherte sich erstmal pauschal alle Rechte von den Kontakten über den Standort bis hin zu Suchverlauf und Mails. Da kaum jemand im Sammelfieber das Kleingedruckte liest, war das auch ziemlich einfach.

Vor dem Spielen Hirn einschalten

Nachdem doch der Eine oder Andere mal genauer hingeschaut und protestiert hatte, ist Niantic zurückgerudert: Dieser Pauschalzugriff sei ein Fehler gewesen, mehr als die User-ID und die Mailadresse habe man gar nicht gewollt. Der Fehler sei jetzt behoben. Trotzdem lassen sich natürlich prächtige Bewegungsprofile mit dem Spiel anfertigen, schließlich ist ohne eingeschaltetes GPS wenig zu machen. Wie viel er preisgibt, sollte dementsprechend jeder Spieler selbst überdenken.

Den Kopf einschalten sollte man auch bei der Auswahl der Spielorte: Das Auto ist wirklich kein guter Platz, um Monster zu jagen – vor allem, wenn man selbst am Lenkrad sitzt. Das haben bereits einige Fahrer in den USA zu spüren bekommen, und auch in Deutschland sieht sich der ADAC inzwischen genötigt, vor abgelenkten Verkehrsteilnehmern zu warnen:  hinterm Steuer, aber auch auf dem Fußweg, der schon mal gedankenverloren verlassen wird, um blindlings ein seltenes Pokémon zu fangen. 

Gefahr für Leib, Leben und Job

Dass man sein Leben auch anders in Gefahr bringen kann, zeigen weitere Beispiele aus aller Welt: In Kalifornien hatten zwei Spieler buchstäblich mehr Glück als Verstand, als sie auf der Pokémon-Jagd eine 30 m hohe Klippe hinabstürzten, sich aber nur moderat verletzten. Entsprechende Hinweisschilder hatten sie einfach ignoriert. 

Enttäuscht mussten am Wochenende viele Pokémon-Go-Spieler die Suche abbrechen – oder konnten das Spiel gar nicht starten. Die Server fielen stundenlang aus.

Enttäuscht mussten am Wochenende viele Pokémon-Go-Spieler die Suche abbrechen – oder konnten das Spiel gar nicht starten. Die Server fielen stundenlang aus.

Foto: Christian Bruna/dpa

Hinweisschilder fanden auch die Spieler in der Lüneburger Heide nicht beachtenswert, die beim Spielen auf einem Truppenübungsplatz gelandet sind – ebenso wenig wie eine geschlossene Schranke und eine rote Fahne, die vor Schüssen mit scharfer Munition warnte. Jetzt können die Pokémon-Jäger von Glück sagen, dass sie sich keine Kugel, sondern nur eine Anzeige wegen unbefugten Betretens einer militärischen Anlage eingehandelt haben.

Man muss nicht überall spielen

Und selbst, wenn es nicht um Leib und Leben geht: Man muss nicht überall spielen. An Gedenkstätten und Friedhöfen zum Beispiel fühlen sich Menschen schnell in ihrer Trauer gestört. Auch in öffentlichen Umkleiden ist die Benutzung der Smartphone-Kamera keine gute Idee, ebenso wenig wie auf Polizeistationen oder am Arbeitsplatz – die amerikanische Fernsehmoderatorin auf Pokémon-Jagd, die vor ein paar Tagen live durchs Fernsehbild stolperte, ist ein gutes Beispiel dafür. Anders als der US-Banker, der seine Smartphone-Kamera verbotenerweise auf den Bildschirm mit vertraulichen Informationen richtete, muss sie allerdings nicht um ihren Job fürchten.

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