Neues Zentrum in Berlin 27.01.2022, 07:00 Uhr

Das Fraunhofer SIRIOS – gebündelte Kompetenz für die Sicherheit

Sicherheit ist ein Grundbedürfnis von Menschen und Gesellschaften – das neue Fraunhofer-Zentrum für die Sicherheit Sozio-Technischer Systeme SIRIOS in Berlin will dazu beitragen, sie zu erhöhen und Herausforderungen in vielen Bereichen besser zu bewältigen. Dabei ist eine direkte Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern geplant.

Wenn es in einem Fußballstation anfinge zu brennen, könnte eine Massenpanik ausbrechen. Solche Situationen ergründen die Forschenden.
Foto: panthermedia.net/shock

Wenn es in einem Fußballstation anfinge zu brennen, könnte eine Massenpanik ausbrechen. Solche Situationen ergründen die Forschenden.

Foto: panthermedia.net/shock

Es ist kein Geheimnis, dass die öffentliche Sicherheit mit großen Herausforderungen konfrontiert ist. Nationale Risiken wie Ausschreitungen bei Großveranstaltungen oder Unfälle in der Industrie sind die eine Seite. Auf der anderen Seite kommen internationale Themen hinzu, etwa länderübergreifende Terroranschläge oder Wetter-Extremereignisse, die durch den Klimawandel wohl noch zunehmen dürften.

Das ist zwar nicht grundsätzlich neu, aber die Welt ist vernetzter als noch vor einigen Jahrzehnten. Vor allem die Digitalisierung führt dazu, dass Menschen, Infrastrukturen und die in sie eingebettete Technik sich stark gegenseitig beeinflussen. Immer mehr lässt sich per Knopfdruck oder Mausklick steuern oder läuft dank künstlicher Intelligenz (KI) zumindest streckenweise autark. Das heißt auch: Systeme werden komplexer und damit anfälliger. Denn kommt es zu einer Störung, zieht sie womöglich umfangreiche Folgen nach sich. Das gilt besonders für sozio-technische Systeme wie die Stromversorgung, Internet, Telekommunikation, Wasser und Logistik. Hier setzt das neue Fraunhofer-Zentrum für die Sicherheit Sozio-Technischer Systeme SIRIOS an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden dort vor allem mit Simulationssystemen arbeiten, um die Abhängigkeiten genauer zu erforschen und Szenarien für den Ernstfall zu entwickeln.

Fraunhofer-Forschende testen: Wie sicher ist das Stromnetz der Zukunft?

Fraunhofer SIRIOS soll das Unvorstellbare ergründen

„Die öffentliche Sicherheit ist eine wesentliche Säule unserer Gesellschaft. Diese hängt jedoch nicht nur davon ab, angemessen zu reagieren, sondern vor allem auch davon, Unvorstellbares und Unerwartetes vorauszudenken und so rechtzeitig Strategien zu Sicherheit und Resilienz zu entwickeln“, sagt Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Fraunhofer SIRIOS soll also mögliche Probleme identifizieren und im Anschluss Lösungen vorbereiten.

Es würde allerdings wenig helfen, wenn diese Strategien nur in den Schubladen der Forschenden lägen. Die Expertinnen und Experten wollen daher das Fraunhofer-Netzwerk nutzen und eng mit Behörden, Industrie, Wissenschaft und Politik zusammenarbeiten. So soll gewährleistet werden, dass ein schneller Wissenstransfer stattfindet, der die Sicherheit auch in der Praxis erhöht.

Simulationen und virtuelle Realitäten sollen praxisnahe Textläufe ermöglichen

Konkret sollen im Laufe der nächsten Jahre beispielsweise Trainings- und Simulationsmöglichkeiten entstehen, in denen Mitarbeitende von Sicherheitsbehörden sowie Rettungskräfte, aber auch Industrie- und Forschungspartner Einsätze in virtueller Realität erproben. Dabei können sie bewährte Systeme testen und natürlich Innovationen kennenlernen.

Zunächst wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fraunhofer-SIRIOS zwei Bedrohungsszenarien in den Blick nehmen: die Auswirkungen von Extrem- Wetterereignissen in Großstädten sowie Großveranstaltungen, bei denen es zu einer Gefahr durch menschliches Verhalten kommt. „Gefahrenlagen wie diese sind traurige Realität und werden uns wohl auch in Zukunft treffen. Deswegen ist es so wichtig, das Zusammenwirken von Technik, Infrastruktur, Einsatzkräften und Bevölkerung noch besser zu erforschen und die Erkenntnisse auch auf andere oder neue Bedrohungen zu übertragen“, sagt Daniel Hiller, Geschäftsführer des Fraunhofer SIRIOS.

Die Forschenden werden daher unter anderem Schäden in Gebäuden simulieren sowie Störungen bei Versorgungsnetzen und Infrastrukturen. Dazu gehören natürlich auch die möglichen Folgen. Fällt der Strom aus, hat das beispielsweise Einfluss auf digitale Anbindungen und die gesamte Telekommunikation. Das ist die technische Komponente. Wichtig für die Forschenden ist zudem die Frage, wie sich Menschenmenge verhalten und an welchen Stellschrauben gedreht werden müsste – beispielsweise durch Helfende vor Ort – um unter anderem eine Panik besser in den Griff zu bekommen.

Fraunhofer SIRIOS bündelt das Fachwissen anderer Institute

Das Team am Fraunhofer-SIRIOS in Berlin setzt sich aktuell vor allem aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Institute zusammen: des Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI, des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB sowie des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI.

In der Startphase bis zum Jahr 2026 erhält das neue Fraunhofer-Zentrum eine Anschubfinanzierung durch das Land Berlin und den Bund. Die Geschäftsstelle des Fraunhofer SIRIOS ist am Fraunhofer FOKUS in Berlin angesiedelt.

Innovationen der Fraunhofer-Gesellschaft:

Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

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