Kontrolle versagt 20.10.2015, 15:20 Uhr

Apple löscht 256 Spionage-Apps aus dem App Store

Apple hat 256 Apps aus seinem App Store gelöscht, die mit einem Trick persönliche Daten aus dem iPhone oder dem iPad gesammelt haben. Die Daten wurden an eine chinesische Werbefirma weitergeleitet. Die Schnüffelei über die Apps läuft schon seit eineinhalb Jahren. Ganz offenbar hat das strenge Zulassungsverfahren von Apple versagt.

Webseite von McDonald's China: Sogar die offizielle App der chinesischen McDonald's-Zentrale soll von dem Spionageskandal betroffen sein.

Webseite von McDonald's China: Sogar die offizielle App der chinesischen McDonald's-Zentrale soll von dem Spionageskandal betroffen sein.

Foto: McDonald's China

Nutzer des App-Stores der Computerfirma Apple konnten sich bisher recht sicher fühlen. Denn Apple überprüft jede App in einem aufwendigen Prozess, bevor diese im App Store landet. Nun sind gleich 256 Apps aufgeflogen, die mit einer perfiden Spionagetechnik ausgestattet sind. Entdeckt hat die verdächtigen Apps der Analyse-Service SourceDNA mit seinem Analyse-Tool Searchlight.

Ahnungslose App-Entwickler

Die Analysespezialisten vermuten, dass die Apps von chinesischen Entwicklern stammen, die ein Software Development Kit (SDK) benutzen, das ihnen die chinesische Werbefirma Youmi angeboten hat. Die Entwickler der Apps ahnen vermutlich nichts von den Spionagefunktionen des SDK. Das Kit liegt nur in Binärform vor und es verbirgt seine Funktionen.

Apps mit diesem SDK sammeln Daten und leiten diese zu einem Firmenserver von Youmi weiter. Apple hat unverzüglich reagiert und die betroffenen Apps aus dem App Store entfernt.

Der App Store von Apple gilt als besonders sicher. Jede App wird erst intensiv geprüft, bevor sie in den Store aufgenommen wird. Dennoch hat Apple 256 Apps als unzuverlässig eingestuft, die Spionagesoftware enthalten.

Der App Store von Apple gilt als besonders sicher. Jede App wird erst intensiv geprüft, bevor sie in den Store aufgenommen wird. Dennoch hat Apple 256 Apps als unzuverlässig eingestuft, die Spionagesoftware enthalten.

Quelle: Apple

„Das ist ein Verstoß gegen unsere Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien. Die Apps, die Youmi-SDK verwenden, wurden aus dem App Store entfernt und neu eingereichte Apps mit dem SDK werden abgelehnt“, heißt es in einer Stellungnahme von Apple.

Betroffene Apps liefern Hinweise auf Vorlieben oder Hobbys

Laut SourceDNA erstellt das SDK eine Liste mit sämtlichen auf einem iPhone oder iPad installierten Apps, was Hinweise auf die Vorlieben oder Hobbys der Besitzer zulässt. Darüber hinaus erfasst das Kit die Apple-ID sowie die damit verknüpfte E-Mail-Adresse. Damit nicht genug liest das Kit bei neueren iOS-Varianten eine Liste mit allen Hardwarekomponenten und deren Seriennummern aus. Bei älteren iOS-Versionen leitet das SDK nur die Plattform-Seriennummer weiter.

Nach Auffassung der Analyse-Experten von SourceDNA hat Youmi seit zwei Jahren erfolgreich ausprobiert, wie es möglich ist, von Apple verbotene Funktionen so zu verschleiern, dass diese bei der Zulassungsprüfung nicht auffallen. Zu welchem Zweck Youmi die Spionage-Apps in den App Store geschmuggelt hat, ist bisher nicht bekannt.

Youmi-Webseite: Die von der Spionage betroffenen Apps sollen die ausspionierten Daten an die chinesischen Werbefirma Youmi weiterleiten.

Youmi-Webseite: Die von der Spionage betroffenen Apps sollen die ausspionierten Daten an die chinesischen Werbefirma Youmi weiterleiten.

Quelle: Youmi

Allerdings hat Youmi seine Spionagefunktionen nach Angaben von SourceDNA immer weiter verfeinert und ausgebaut. Beispielsweise hat das SDK die Blockade des Auslesens der Geräte-Seriennummer seit Einführung des Betriebssystems iOS 8 durch fremde Software-Schnittstellen umgangen, indem es die Seriennummer des Akkus abgriff und zur Identifikation des Geräts nutzte.

Offizielle chinesische McDonald’s-App betroffen

Apple will nun eng mit den vor allem aus China stammenden App-Entwicklern zusammenarbeiten, um deren Apps richtlinienkonform zu formulieren und das Youmi-SDK zu entfernen. Entsprechend aktualisierte Versionen der Apps sollen schon in Kürze wieder im App Store erhältlich sein. Weder Apple noch SourceDNA machten Angaben dazu, um welche Apps es sich handelt. Immerhin soll sich unter den Spionage-Apps auch die offizielle chinesische McDonald’s-App befinden.

Eine Million verdächtige Apps heruntergeladen

Die Experten von SourceDNA gehen davon aus, dass bereits mehr als eine Million der verdächtigen Apps heruntergeladen worden sind. Außerdem warnen sie davor, dass mit einer ähnlichen Methode möglicherweise auch andere Apps unerlaubt Daten abgreifen, die immer noch im App Store verfügbar sind.

Noch viel schlimmer ist jedoch die Situation in Googles App Store Google Play. Dort gibt es längst nicht so strenge Kontrolle. Nach eine Analyse der Universität des Saarlandes sind im Play Store besonders viele Spionage-Programme enthalten. Dazu haben die Forscher eine Software entwickelt, die Spionage-Funktionen von Apps entlarvt.

 

Ein Beitrag von:

  • Detlef Stoller

    Detlef Stoller ist Diplom-Photoingenieur. Er ist Fachjournalist für Umweltfragen und schreibt für verschiedene Printmagazine, Online-Medien und TV-Formate.

Top Stellenangebote

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben-Firmenlogo
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Betriebsmanagerin/ Betriebsmanager (w/m/d) (Elektroingenieurin/Elektroingenieur) Braunschweig
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY-Firmenlogo
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY Verwaltungsangestellte (w/m/d) Key Account Management für Infrastrukturangelegenheiten Hamburg
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung-Firmenlogo
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Versorgungsingenieure/-innen (w/m/d) als Projektsachbearbeiter/-innen Bonn
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt Professorin/Professor (m/w/d) Professur für Automatisierungstechnik - Regelungs- und Messtechnik Schweinfurt
Fachhochschule Bielefeld-Firmenlogo
Fachhochschule Bielefeld W2-Professurvertretung für das Lehrgebiet Ingenieurinformatik Bielefeld
Universität Siegen-Firmenlogo
Universität Siegen Juniorprofessur (W1 LBesG NRW) für Energieverfahrenstechnik (mit Tenure Track auf eine unbefristete W2-Universitätsprofessur) Siegen
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom-Ingenieur (FH/DH) / Bachelor (w/m/d) der Fachrichtung Elektrotechnik (Stark- und Schwachstromtechnik) / Techniker (w/m/d) Schwäbisch Gmünd
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom-Ingenieur (FH/DH) / Bachelor (w/m/d) der Fachrichtungen Elektrotechnik / Versorgungstechnik / Techniker / Meister (w/m/d) mit entsprechender Ausbildung Schwäbisch Gmünd
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom-Ingenieur (FH/DH) / Bachelor (w/m/d) der Fachrichtung Versorgungstechnik, Facility Management oder Energiemanagement für das Technische Gebäudemanagement Schwäbisch Gmünd
Technische Hochschule Mittelhessen-Firmenlogo
Technische Hochschule Mittelhessen W2-Professur mit dem Fachgebiet Ressourceneffiziente und klimafreundliche Mobilität Friedberg
Zur Jobbörse

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.