Wände aus Autoreifen 18.08.2015, 14:39 Uhr

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

In der Kommune Schloss Tempelhof in Baden-Württemberg entsteht das erste Earthship Deutschlands ­– ein ökologisches Haus mit Wänden aus Autoreifen, das sich selbst mit Energie versorgt. Erfinder des autarken Wohnkonzepts ist der US-Amerikaner Michael Reynolds. 

Earthship von Michael Reynolds: Die autarken Häuser aus recyceltem Material entstehen überall auf der Welt. 

Earthship von Michael Reynolds: Die autarken Häuser aus recyceltem Material entstehen überall auf der Welt. 

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Schloss Tempelhof baut erstes Earthship Deutschlands

Foto: Earthship Biotecture

Die Gemeinschaft Schloss Tempelhof nahe der Gemeinde Kreßberg im Nordosten Baden-Württembergs hat keine Lust auf Mainstream-Konsum. Die 140 Mitglieder erforschen alternative Formen des Zusammenlebens. Ihr neuestes Projekt ist der Bau des ersten Earthships Deutschlands. Bislang sind Bauherren mit den Häusern aus recyceltem Material, die auf den amerikanischen Visionär Michael Reynolds zurückgehen, hierzulande immer am strengen Baurecht gescheitert.

Lehmbeschichtete Autoreifen machen Heizung und Klimaanlage überflüssig

Das Earthship wird zu den ökologischsten Häusern Deutschlands zählen: Die Wände beispielsweise sind ideale Thermalspeicher, weil sie aus aufgeschichteten Autoreifen bestehen, die mit Erde gefüllt und mit Lehm verputzt sind. Sie heizen sich tagsüber in der Sonne auf und geben die Wärme nachts wieder ab. Selbst bei Minusgraden soll die Temperatur im Earthship selten unter 23 °C fallen. Im Sommer sorgen Ventilationsschächte und Lüftungsfenster für Kühlung. Energiefresser wie Heizung und Klimaanlage sind überflüssig. 

Photovoltaikanlage sorgt für Stromversorgung

Überflüssig ist auch der Anschluss ans Stromnetz. Denn das Earthship erzeugt mit einer Photovoltaikanlage genügend Energie, die es in Batterien speichern kann. „Mit energetischer Autarkie und radikal nachhaltigem Bauen setzt das Projekt neue Maßstäbe“, sagt Roman Huber, Vorstand der Stiftung Schloss Tempelhof und Bauherr. Das fertige Earthship soll 28 Menschen Küche, Duschen, Toiletten sowie Wohn- und Esszimmer bieten. Sie stellen daneben Bauwagen und Jurten als private Zimmer auf.

28 Bewohner der Gemeinschaft Schloss Tempelhof ziehen in das Earthship ein. Das ökologische Haus kostet 298.500 €.

28 Bewohner der Gemeinschaft Schloss Tempelhof ziehen in das Earthship ein. Das ökologische Haus kostet 298.500 €.

Quelle: Earthship Tempelhof

Insgesamt kostet das Earthship 298.500 €. Zwei Drittel bringt die Gemeinschaft Tempelhof auf, ein Drittel finanziert sie über Spenden. Später soll das Haus auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Huber: „Wir wollen Leben und Lernen verbinden.“

Kräuter, Gemüse und Obst aus dem eigenen Gewächshaus

Das Eartship soll den Bewohnern auch bei der Nahrungsbeschaffung helfen: Die der Sonne zugewandte Fassade ist verglast, sodass sich ein Flur im Inneren kurzerhand in ein Gewächshaus für Kräuter, Gemüse und Obst verwandelt. Gleichzeitig lässt sich dort Abwasser filtern.

Die der Sonne zugewandte Fassade ist verglast: Im Inneren können Bewohner Kräuter, Gemüse und Obst anbauen.

Die der Sonne zugewandte Fassade ist verglast: Im Inneren können Bewohner Kräuter, Gemüse und Obst anbauen.

Quelle: Earthship Biotecture

Unabhängig vom Wassernetz wird das deutsche Earthship allerdings nicht sein. Aus baurechtlichen Gründen muss es der Bauherr an Wasserversorgung und Kanalisation anschließen – ein kleiner Dämpfer, der im ursprünglichen Konzept von Reynolds nicht vorgesehen ist. Denn eigentlich will der 69-Jährige, dass die Häuser komplett autark sind: „Du brauchst keine großen Unternehmen oder korrupte Regierungen, die mit den Unternehmen unter einer Decke stecken und dich mit dem versorgen, was du brauchst – oder besser: Von dem sie dir sagen, dass du es brauchst.“ 

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