Automobilgeschichte 17.08.2012, 11:00 Uhr

Opel Kadett – ein Auto im Stil des Bauhauses

Von Feierlaune ist bei Opel derzeit nicht viel zu spüren, obwohl in diesem Jahr das Rüsselsheimer Unternehmen 150 Jahre alt wird und vor fünfzig Jahren – am 20. August 1962 – der Kadett seine Karriere begann. Mit ihm erwuchs dem marktbeherrschenden VW Käfer erstmals ein ernstzunehmender Konkurrent.

Eine lange Erfolgsgeschichte: Opel Kadett.

Eine lange Erfolgsgeschichte: Opel Kadett.

Foto: Werkfoto

Der Erfolg des Nachkriegs-Kadett (ein gleichnamiges Vorgängermodell war von 1938 bis 1940 gebaut worden) basierte auf seiner Einfachheit: ein relativ geräumiges und ausreichend motorisiertes familientaugliches Auto, ohne unnötigen Firlefanz und deshalb preiswert. „Mehr Auto braucht kein Mensch“ mögen sich die fast 11 Mio. Käufer gedacht haben, die sich zwischen 1962 und 1991 für den kleinen Opel entschieden.

Die im schnörkellosen Bauhaus-Stil gezeichnete 3,92 m lange Stufenhecklimousine war dem technisch und optisch in die Jahre gekommenen Wolfsburger Bestseller in allen Kriterien überlegen. Der Kadett war stärker, schneller, bequemer und sparsamer als der Käfer (der damals noch nicht so hieß). Sein Reihenvierzylinder holte aus 993 cm³-Hubraum 29 kW bei 5000/min und begnügte sich mit rund 7 l Super auf hundert Kilometer. Seine Wasserkühlung bescherte kältesteifen VW-Fahrern ein völlig neues Heizerlebnis.

Dank 4,4 kW Mehrleistung und seines extrem niedrigen Leergewichts von nur 670 kg fuhr er dem 90 kg Kilogramm schwereren Käfer nicht nur auf der Autobahn mühelos davon. Sein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe mit Knüppelschaltung galt zumindest bei Opel als modern, musste sich doch der größere und wesentlich teurere Rekord C noch bis 1970 in der Basisversion mit drei Gängen abfinden. Mit einem Grundpreis von 5075 DM (2595 €) kostete der Kadett lediglich 95 DM mehr als der VW 1200 Export.

Bis zur Produktionseinstellung des ersten Kadett, später Kadett A genannt, im August 1965 hatte Opel die Baureihe erweitert. Im März 1963 kamen die luxuriösere „L“-Version und der Caravan hinzu, im Oktober desselben Jahres ein 2/2-sitziges Coupé mit 35-kW-Motor, der für beachtliche 130 km/h Spitze gut war. Für 150 DM Aufpreis konnte dieses höher verdichtete Triebwerk auch als Limousine und Caravan geordert werden.

1965-1973: Mit dem Kadett B erobert Opel die Kompaktklasse

Den Anspruch auf ein großes Stück Kuchen von der Kompaktklasse-Torte zementierte Opel endgültig mit dem Nachfolgemodell Kadett B, von dem zwischen September 1965 und August 1973 fast 2,65 Mio. Einheiten produziert wurden, viermal so viele wie vom Erstling. Ihn gab es wahlweise mit zwei oder vier Türen und drei Motorisierungen. Das auf 1,1 l Hubraum aufgebohrte Grauguss-Aggregat war mit 33, 40 oder 44 kW lieferbar. Spätere Kadett-Jahrgänge und die Luxusversion „Olympia“ konnten gar mit 1,7-l- oder 1,9-l-Triebwerk (55 bzw. 60 kW) bestellt werden.

Nach acht Produktionsjahren löste der Kadett C (1973 bis 1979) seinen Vorgänger ab. Sein Motorenangebot deckte alle denkbaren Ansprüche ab, vom wiederbelebten alten Einliter-Triebwerk der A-Serie mit 33 kW bis zum Zweiliter-Einspritzer mit 85 kW im Kadett GT/E. Auch Cabrio-Freunde konnten erstmals bedient werden: Für sie baute die Stuttgarter Karosseriefirma Baur von 1976 bis 1978 in Kleinserie (1332 Stück) das Targamodell Kadett Aero. Ein Meilenstein in der Kadett-Historie war die Umstellung auf Frontantrieb im ab 1979 produzierten Kadett D, den der damalige Entwicklungschef Friedrich W. Lohr gegen interne Widerstände durchgesetzt hatte. Seitdem wurde in den Bochumer Werkshallen kolportiert, das gängige internationale Kürzel für Frontantrieb FWD (Front Wheel Drive) stehe in Wahrheit für „Fritz will das“.

1982: Opel stattet den Kadett D erstmals mit einem Dieselmotor aus

Von Januar 1982 an gab es für den Kadett D erstmals einen Dieselmotor. Der 1,6-l-Selbstzünder mit 40 kW profilierte sich mit 6,5 l/100 km als sparsamstes Modell der D-Baureihe. Sein Wirbelkammerdiesel mit oben liegender Nockenwelle war übrigens der erste europäische Pkw-Diesel mit hydraulischem Ventilspielausgleich.

In der letzten Baureihe (Kadett E von 1984 bis 1991) gab es nach langer Abstinenz endlich wieder ein offenes Modell. Das von Bertone gezeichnete Kadett E-Cabrio mit integriertem Überrollbügel war mit drei verschiedenen Triebwerken zwischen 55 kW und 85 kW erhältlich und fand von 1987 bis 1991 mehr als 60 000 Käufer.

Kurz vor Produktionsende wurde dem Kürzel „E“ noch eine doppelte Bedeutung zuteil: Der Versuchsträger Kadett „Impuls“ wurde von einem 16-kW-Gleichstrommotor angetrieben und erreichte immerhin 100 km/h. Die 310 kg schwere Nickel-Cadmium-Batterie des französischen Herstellers Saft lieferte Saft für eine Fahrtstrecke von rund 80 km und ließ sich an jeder 220-Volt-Steckdose in fünf Stunden aufladen. Der „Impuls“ blieb allerdings ebenso ein Unikat wie der elektrisch angetriebene Opel GT, mit dem der Frankfurter Opel-Händler Georg von Opel im Mai 1971 auf dem Hockenheimring sechs Weltrekorde für Elektroautos aufgestellt hatte.

 

Von Hans W. Mayer

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