Selbstfahrendes Auto 28.08.2013, 15:29 Uhr

Nissan verspricht Markteinführung bis 2020

Japans zweitgrößter Automobilproduzent Nissan hat angekündigt bis zum Jahr 2020 sein erstes selbstfahrendes Auto auf den Markt zu bringen. „Ich verpflichte mich, das autonome Auto, eine technologische Revolution, ab 2020 zu präsentieren, und wir liegen gut in der Zeit“, erklärte Renault-Nissan- Chef Carlos Ghosn, am Dienstag in den USA. Damit dürfte Nissan der erste Autohersteller sein, der sich dabei auf einen Zeitpunkt festlegt. 

Nissan-Chef Carlos Ghosn hat angekündigt, bis 2020 das erste selbstfahrende Auto auf den Markt zu bringen.  

Nissan-Chef Carlos Ghosn hat angekündigt, bis 2020 das erste selbstfahrende Auto auf den Markt zu bringen.  

Foto: dpa/Uli Deck

Ghosn kündigte zudem einen „vernünftigen“ Preis an, nannte aber keine konkrete Summe. Bereits begonnen wurde laut Ghosn in Japan bereits mit dem Bau eines stadtgleichen Testgeländes für das computergesteuerte Fahrzeug. Mit Straßen und steinernen Häuser würden hier realitätsnahe Bedingungen geschaffen.

Technische Grundlagen sind längst vorhanden

In den zurückliegenden 20 Jahren sind die technischen Grundlagen für fahrerlose Autos in Gestalt unter anderem einer adaptiven Cruise Control und vorausschauender Beschleunigungs- und Bremssysteme bis hin zur situationsbedingten Notbremsung bereits geschaffen worden. Die technische Herausforderung bei der Entwicklung des selbstfahrenden Autos ist es nun, all die vielen bereits vorhandenen Einzelsysteme so zu kombinieren, dass sich durch dieses Netzwerk jeder Situation auf der Straße gefahrlos begegnen lässt.

Nissan wird diese Technik vermutlich zunächst nur in die eigene Oberklasse, die Infiniti-Baureihe integrieren. Die Produktion der für den europäischen Markt vorgesehenen Infiniti-Fahrzeuge startet demnächst im britischen Nissan-Werk Sunderland.

Hauptschwierigkeiten liegen auf rechtlichem und regulatorischem Gebiet

Nissan selbst sieht die wesentlichen Schwierigkeiten auf dem Weg zum fahrerlosen Auto keineswegs in der einschlägigen Technik. Nissan feilt nach eigenen Angaben an seinem Sicherheitssystem aus Kameras und Sensoren, mit dem schon jetzt Zusammenstöße vermieden und das Einparken erleichtert werden sollen. Probleme sieht der Konzern in den vielfältigen rechtlichen und regulatorischen Hindernissen, die sich dem Betrieb von autonomen Autos bisher noch überall in der Welt in den Weg stellen.

Diese Probleme beginnen mit der Betriebsgenehmigung für das fahrerlose Fahrzeug und reichen über die rechtliche Seite von Verkehrsunfällen mit computergesteuerten Autos bis hin zu der Frage, wie sich die Versicherungsgesellschaften auf diese technische Entwicklung einstellen werden. Was das Unfall- und Versicherungsrisiko betrifft, so geht es grundsätzlich um die Frage, wer für einen Unfall zu haften hat, wenn es keinen Fahrer im bisherigen Sinne mehr gibt. Vermutlich wird die volle Haftung beim Fahrzeugeigner liegen. Aber bis das in allen Ländern einigermaßen einheitlich geregelt ist, wird viel Zeit vergehen.

Soweit es um die Betriebserlaubnis für fahrerlose Autos geht, lassen bisher verschiedene amerikanische Bundesstaaten Testfahrten dieser Fahrzeuge zu, beispielsweise testet Google selbstfahrende Autos in Kalifornien. In Europa hat die britische Regierung angekündigt, dass sie entsprechende Testfahrten „unterstütze“.

Wo geht die Reise längerfristig hin?

Bei Nissan wird kaum daran gezweifelt, dass längerfristig wohl fast alle Modelle des Konzerns mit der Ausstattungsvariante „Fahrerloser Betrieb“ angeboten werden dürften. Nur durch hohe Absatzstückzahlen seien auf die Dauer die beträchtlichen Entwicklungskosten für die fahrerlosen Autos wieder reinzuholen.

In diesem Zusammenhang geht Nissan davon aus, dass dem Absatz fahrerloser Autos längerfristig sehr zugute kommen wird, dass es mit ihnen deutlich weniger Unfälle und zugleich einen wesentlich verbesserten Verkehrsfluss mit der Folge kürzerer Fahrzeiten geben werde. 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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