Energiewende vorantreiben 20.12.2022, 07:22 Uhr

Grenzüberschreitende Kooperationen beim Ausbau erneuerbarer Energien

Klimaschutz klappt nur, wenn alle Länder auf der Erde miteinander arbeiten. Wir haben mit Ulf Oesterlin von Pacifico Energy darüber gesprochen, wie der Ausbau erneuerbarer Energien innerhalb von Europa funktioniert.

Soll der Ausbau der erneuerbaren Energien länderübergreifend anzugehen? Foto: PantherMedia / AndrewLozovyi

Soll der Ausbau der erneuerbaren Energien länderübergreifend anzugehen?

Foto: PantherMedia / AndrewLozovyi

Klimaschutz ist etwas, das ein globales Miteinander erfordert, denn nur dann sind die Klimaziele zu erreichen. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, den Ausbau der erneuerbaren Energien länderübergreifend anzugehen. Wir haben darüber mit Ulf Oesterlin gesprochen, dem Geschäftsführer des Projektenwicklers Pacifico Energy. Ganz aktuell hat sich das junge deutsche Unternehmen 20 Millionen Euro aus dem Transition Infrastructure Fonds der französischen Eiffel Investment Group gesichert, um in Italien Photovoltaik-Parks mit einer Leistung von 300 MW zu entwickeln.

Ulf Oesterlin

Ulf Oesterlin, Geschäftsführer von Pacifico Energy

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Was wird derzeit bereits für den länderübergreifenden Ausbau erneuerbarer Energien getan?

Bisher war der Ausbau von erneuerbaren Energien typischerweise von nationaler Politik und Regulatorik bestimmt. Allerdings sehen wir Bestrebungen, dass europäische Verordnungen eine höhere Wichtigkeit einnehmen. Beispielsweise sieht ein im Mai verabschiedeter Vorschlag der EU-Kommission eine Beschleunigung des PV-Genehmigungsverfahren für bestimmte Flächen auf maximal ein Jahr vor. Zudem hat der Rat der Energieminister erst im November entschieden, dass an der Planung, dem Bau und dem Betrieb von Erneuerbaren Energien ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht, was den Genehmigungsprozess weiter beschleunigen sollte – für PV-Anlagen auf Dächern wurde sogar eine explizite Genehmigungsdauer von drei Monaten vorgegeben. Da der Ausbau von Projekten im Bereich Erneuerbarer Energien insbesondere durch komplexe und langsame Regulatorik ausgebremst wird, könnten EU-Vorgaben hier helfen, diese schneller und effizienter zu machen.
Außerdem sehen wir in Leitlinien und delegierten Rechtsakten im Rahmen der Wasserstoffstrategie der EU paneuropäische Vorgaben mit großer Reichweite, z.B. zur Definition von „grünem“ Wasserstoff. Inhaltliche Vorgaben können helfen, Projekte vergleichbarer zu machen und ihre Umsetzbarkeit zu erhöhen. Alles in allem scheint etwas Bewegung in die Richtung länderübergreifender Zusammenarbeit zu kommen. Die Umsetzung solcher Vorgaben wird wohl aber bei den jeweiligen Ländern oder sogar regionalen Institutionen verbleiben.

Welches Verbesserungspotenzial sehen Sie im Hinblick auf die innereuropäische Zusammenarbeit?

Der Ausbau der Stromnetze wird eines der wichtigen Themen sein, um den schnellen Ausbau von erneuerbaren Energien zu gewährleisten. In manchen europäischen Ländern z.B. Spanien und Polen führen Netzengpässe schon jetzt zu einer eklatanten Verlangsamung des Ausbaus von erneuerbaren Energien. Der Ausbau des europäischen Stromnetzes muss dringend beschleunigt werden und besonders hier könnte die europäische Zusammenarbeit mit klaren Vorgaben die Problemlösung beschleunigen. Allerdings kann die Umsetzung solcher Vorgaben nur durch nationale Institutionen erfolgen.

Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit europäischer Partner für die Energiewende?

Die Energiewende ist ein internationales Projekt und funktioniert häufig länderübergreifend. In Europa ist die Vernetzung der Akteure relativ eng. Ein gutes Beispiel hierfür ist unsere Partnerschaft mit der Eiffel Investment Group, in der ein französischer Fond (Eiffel), welcher u.A. Gelder des Europäischen Investment Funds (EIF) erhält, mit uns als deutschem Entwickler (Pacifico) in Italien Photovoltaik-Projekte umsetzt. Pacifico hat von Anfang an auf eine europäische Energiewende gesetzt und deshalb sind wir in mehreren europäischen Ländern wie Deutschland, Italien, Polen und den Niederlanden aktiv. Bei unseren Projekten arbeiten wir mit einer Vielzahl internationaler Partner erfolgreich zusammen. Ich glaube, dass für die Energiewende die internationale Zusammenarbeit unerlässlich ist und sich weiter verstärken wird. Im Endeffekt kann auf diese Weise jeder Partner seine Stärken einbringen – wir als Pacifico tragen da als erfahrener Projektentwickler unseren Teil dazu bei.

In Südostasien und Australien soll ein riesiges Stromnetz entstehen, das ausschließlich durch erneuerbare Energien gespeist wird. Ist so etwas auch für Europa denkbar?

Wir sind keine Netzspezialisten und können zu dieser Frage wenig beitragen. Grundsätzlich begrüßen wir allerdings Investitionen in die Netzinfrastruktur, da diese unabdingbar für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in ganz Europa sind.

Die EU möchte bis 2050 Klimaneutralität erreichen, bis 2030 sollen die Emissionen um mindestens 55 Prozent reduziert werden. Nun sehen die neuesten Zahlen beim CO2-Ausstoß nicht so aus, als ob diese Ziele erreicht werden können. Wie sehen Sie das?

Die meisten Studien, die ich kenne, zweifeln daran, dass die Ziele erreicht werden und ich persönlich bin ebenfalls skeptisch. Grund hierfür ist, dass wir deutlich mehr Geschwindigkeit bei der Entwicklung und Umsetzung von neuen Projekten bräuchten und obwohl der politische und gesellschaftliche Wille nicht zu fehlen scheint, werden notwendige Änderungen zum Beschleunigen des Ausbaus von erneuerbaren Energien zu langsam umgesetzt. Das ist schade – denn gerade jetzt wäre dieser Ausbau aus klima- und geopolitischer Sicht wichtiger denn je.

Sie arbeiten mit Pacifico als Projektentwickler für erneuerbare Energien. Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Wie kommt Ihr Unternehmen an Investoren?

Pacifico ist ein Projektentwickler und Asset Manager im Bereich erneuerbare Energien. Wir entwickeln Wind- und Solarparks, Batteriespeicheranlagen sowie Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff. Dabei arbeiten wir eng und partnerschaftlich mit Kommunen und Landeigentümern zusammen, um Ihnen bei der Entwicklung ihrer Flächen zu helfen. Nach der Entwicklung von baureifen Anlagen veräußern wir diese an langfristige Eigentümer und unterstützen diese beim Bau, der Finanzierung und dem Stromverkauf der Anlagen und übernehmen die Betriebsführung über die gesamte Lebensdauer. Wir versuchen also, mit passgenauen Lösungen der Energiewende den nötigen Rückenwind zu geben.

Pacifico als Unternehmen ist profitabel und wir haben derzeit ein Portfolio von Entwicklungsprojekten von etwa 2 Gigawatt finanziert. Um weiter wachsen zu können, sind wir immer auf der Suche nach finanzstarken Partnern für die Entwicklung neuer Projekte. In diesem Zusammenhang haben wir auch jüngst die Partnerschaft mit der Eiffel Investment Group gestartet. Diese Partnerschaft zeigt, dass ein Investment in die Entwicklung von erneuerbaren Energieprojekten nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch finanziell attraktiv sein kann. Klar ist aber auch: Für die Erreichung der EU-Klimaziele werden noch viel mehr Projekte benötigt und wir als Pacifico werden unseren Teil dazu beitragen. Deshalb haben wir uns das Ziel gesetzt, bis 2025 eine Millionen Menschen mit grünem Strom zu versorgen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Content-Manager beim VDI Verlag. Nach einem Bauingenieurstudium und einer Weiterbildung zum Online-Redakteur, Volontariat und 20 Jahren als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop, landete er bei ingenieur.de. Er schreibt hauptsächlich über Technik und Forschung.

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