Emissionsarmer Stahl 18.01.2024, 13:47 Uhr

Vestas baut nachhaltige Windräder aus Stahlschrott

Die Stahlproduktion ist einer der größten Klimakiller überhaupt, Windkraftanlagen sollen dagegen grünen Strom liefern. Das passt nicht zusammen. Der dänische Hersteller Ventas bietet jetzt Windräder aus Stahlschrott an, zumindest wird der emissionsarme Stahl für die Produktion der Türme aus Schrott hergestellt.

Windräder

Vesta möchte die Produktion von Windrädern nachhaltig machen und einen Teil der Anlage aus Stahlschrott fertigen.

Foto: PantherMedia / zentilia

Vestas ist sich der Umweltauswirkungen von Stahl- und Eisenkomponenten bewusst und hat sich daher mit ArcelorMittal zusammengeschlossen, um emissionsarmen Stahl auf den Markt zu bringen. Der aus Stahlschrott hergestellte Stahl soll den CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Windkrafttürmen deutlich reduzieren. Die Zusammenarbeit mit dem belgischen Unternehmen ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie von Vestas, die darauf abzielt, die Herstellung von Windkraftanlagen umweltfreundlicher zu gestalten.

So wird aus 100 Prozent Stahlschrott emissionsarmer Stahl für Windräder

In Belgien wird der Stahlschrott in einem Elektrolichtbogenofen im ArcelorMittal-Stahlwerk Industeel Charleroi geschmolzen. Dieses wird mit 100 Prozent Windenergie betrieben, wie Vestas in einer Pressemitteilung erklärt. Die Stahlbrammen werden dann nach Gijon, also nach Spanien gebracht. In einem weiteren Werk von ArcelorMittal werden sie zu Grobblechen verarbeitet. Aus diesen werden dann letztlich Windkraftanlagentürme gefertigt.

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Die Grobbleche aus emissionsarmem Stahl eignen sich jedoch nur für den oberen Bereich von Offshore-Windkrafttürme. Onshore lassen sich komplette Türme aus dem klimafreundlicheren Stahl herstellen. Der emissionsarme Grobblechstahl verfügt über eine von einer unabhängigen Partei zertifizierte Umweltproduktdeklaration (EPD), die den gesamten ökologischen Fußabdruck des Produkts detailliert beschreibt und einen einfacheren Vergleich zwischen Produkten ermöglicht.

Wieviel Emissionen lassen sich damit einsparen?

Wie Vestas mitteilt, kann durch den Einsatz von emissionsarmem Stahl in den oberen zwei Segmenten eines Offshore-Windturms eine Emissionsreduktion von rund 25 Prozent im Vergleich zu einem Turm aus herkömmlich produziertem Stahl erreicht werden. Bei einem Onshore-Windturm liegt die CO2-Einsparung bei mindestens 52 Prozent.

Stahl und Eisen bilden 80 bis 90 Prozent der Materialmasse einer Windkraftanlage und verursachen etwa 50 Prozent der gesamten Emissionen im Lebenszyklus einer Anlage. Die Zusammenarbeit mit ArcelorMittal ermöglicht es Vestas, einen wichtigen Fortschritt bei der Senkung der CO2-Emissionen entlang seiner Lieferkette zu erzielen. Generell kann die Emissionsintensität pro Kilogramm Stahl um 66 Prozent im Vergleich zu herkömmlich produziertem Stahl verringert werden.

Erste Anlage aus emissionsarmem Stahl entsteht vor der Küste Polens

Vestas wird emissionsarmen Stahl erstmals im Offshore-Windprojekt Baltic Power verwenden, das vor der polnischen Küste entsteht. Die Bauarbeiten beginnen 2025, und der Windpark soll bis zu 1,2 GW Energie liefern, genug, um über 1,5 Millionen polnische Haushalte mit sauberem Strom zu versorgen.

Für das Projekt stellt Vestas 76 Turbinen des Typs V236-15,0 MW bereit, die installiert und in Betrieb genommen werden. Davon werden die oberen Teile von 52 Türmen aus emissionsarmem Stahl gefertigt. Zum Standardangebot zählt der emissionsarme Stahl bei Vestas allerdings noch nicht.

Dieter Dehoorne, Leiter Global Procurement bei Vestas, sagt: „Es ist für uns und die Branche im Allgemeinen von entscheidender Bedeutung, Wege zu finden, um die bei der Rohstoffgewinnung und -veredelung von Stahl entstehenden Emissionen zu dekarbonisieren. Vestas sieht in der Partnerschaft mit ArcelorMittal und der Einführung von emissionsarmem Stahl einen wichtigen Hebel zur Reduzierung der CO2-Emissionen in der Windindustrie“.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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